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Fortschritt
08/17/2012

Apple gegen Samsung: Richterin verliert Geduld

Richterin Lucy Koh möchte das Gerichtsverfahren zwischen den beiden IT-Konzernen so schnell wie möglich abschließen. Doch eine neue Zeugenliste von Apple erzürnte Koh dermaßen, dass sie die Apple-Anwälte fragte, ob sie Crack konsumieren würden.

Der Prozess zwischen Apple und Samsung kommt keinen Tag ohne neue Enthüllungen aus veröffentlichten Beweismaterialien aus. Nun hat Richterin Lucy Koh die Geduld mit den Anwälten der beiden IT-Konzerne verloren. Bei der Einreichung einer neuen Zeugenliste antwortete sie den Apple-Anwälten: "Wenn sie nicht gerade Crack rauchen, wissen sie ganz genau, dass diese Zeugen nicht aufgerufen werden." Dieser Wutausbruch geschah noch vor der Rückkehr der Geschworenen, die sich noch in einer Pause befanden.

Ermahnungen für Apple und Samsung
Apple-Anwalt Bill Lee verteidigte sich und die eingereichte Liste recht trocken. "Ich rauche kein Crack, das verspreche ich ihnen", sagte er gegenüber der Richterin. Lee gab zu, dass einige Zeugen aus Zeitmangel vermutlich nicht aufgerufen werden, der Großteil allerdings einvernommen werden soll. Dem widersprach Koh wehement und bezeichnete das Verhalten von Apple als "unverschämt" und "lächerlich". Als sich Lee mit der Aussage, er wolle das Gericht "nicht belasten", entschuldigen wollte, platzte der Richterin endgültig der Kragen, die auf die mehr als 75 Seiten an neuen Anträgen verwies.

Auch Samsung wurde von Koh hart ins Gebet genommen, nachdem diese zahlreiche Beweise vor Gericht einreichten, die aus Zeitmangel wohl nicht den Geschworenen präsentiert werden können. Sie werde diese bewusst nicht zulassen, betonte Koh gegenüber den Samsung-Anwälten.

Niedrigere Schadenersatzforderungen
Für das Gerichtsverfahren zwischen den beiden IT-Riesen wurde jeder Partei ein Zeitbudget von 25 Stunden Verhandlungszeit eingeräumt, das bereits jetzt sehr stark strapaziert wurde. Allein Samsung verbrauchte bereits 14 Stunden für das Kreuzverhör der Apple-Zeugen ohne bislang eigene Zeugen aufgerufen zu haben.

Mittlerweile hat Samsung auch seine Forderungen deutlich reduziert. Zwei von Samsung einvernommene Zeugen fordern 421,8 Millionen US-Dollar für die Verletzung von fünf verschiedenen Patenten, die neben Musikwiedergabe und Bildbetrachtung auch einige, für ein Smartphone erforderliche, Basisfunktionen umfassen.

Die von Apple geforderten 2,5 Milliarden US-Dollar, die sich vor allem auf die Einnahmen Samsungs mit Smartphones beziehen, wurden ebenfalls durch einen Zeugen von Samsung in Frage gestellt. Dieser schätzt, dass die eigentlichen Einnahmen des südkoreanischen Elektronikkonzerns mit Smartphones bei knapp 520 Millionen US-Dollar lag und die Schadenersatzforderungen damit weit überzogen seien.

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