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WHISTLEBLOWER
12/17/2010

Assange rechnet mit weiteren Sex-Vorwürfen

Nach seiner Haftentlassung rechnet Wikileaks-Gründer Julian Assange am Freitag mit dem Bekanntwerden weiterer Details zur den ihm in Schweden vorgeworfenen Sexualvergehen und befürchtet die Auslieferung an die USA. Die US-Regierung wies unterdessen jede Beteiligung am Vorgehen der schwedischen und britischen Behörden gegen den Wikileaks-Gründer zurück.

Seine Anwälte hätten ihn informiert, dass im Laufe des Tages ein "weiterer Schmieren-Versuch" im Zusammenhang mit den schwedischen Ermittlungen stattfinden solle, sagte Assange in der Nacht der britischen BBC. Zuvor hatte er bereits die Befürchtung geäußert, an die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm eine Anklage wegen Spionage drohen könnte.

Assange war am Donnerstag gegen Kaution und unter strengen Auflagen aus der Haft entlassen worden. Das höchste britische Zivilgericht hatte zuvor eine Berufung Schwedens gegen eine entsprechende Entscheidung aus erster Instanz verworfen. Der Australier saß aufgrund eines schwedischen Haftbefehls wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs zweier Frauen seit mehr als einer Woche in Untersuchungshaft.

Die neuen Informationen zu den Sex-Vorwürfen würden "entweder von der schwedischen Staatsanwaltschaft oder einer anderen Organisation, die sich das Material gezielt besorgt habe", gestreut, sagte Assange der BBC, ohne jedoch weitere Einzelheiten zu nennen.


"Schmierenkampagne"

Er hielt sich in der Nacht auf dem Landgut eines Freundes im Südosten Englands auf, wo er auf Anordnung des Gerichts bis zu einer Entscheidung über eine Auslieferung an Schweden im Januar unter Hausarrest steht. Die in Schweden gegen ihn erhobenen Vorwürfe nannte er erneut eine "sehr erfolgreiche und sehr falsche Schmierenkampagne".

Assange und seine Unterstützer halten die Vorwürfe für einen Vorwand der USA, ihn wegen der politischen Enthüllungen von Wikileaks kaltzustellen. Wikileaks hatte in den vergangenen Monaten tausende brisante Dokumente über die Kriege im Irak und Afghanistan sowie diplomatische Depeschen herausgegeben. Die Veröffentlichungen hatten vor allem die USA in Erklärungsnot gebracht.

"Arbeit von Wikileaks geht weiter"

Die Arbeit von Wikileaks werde unabhängig von seiner persönlichen Zukunft weitergehen, sagte Assange am Donnerstag vor dem Londoner Frontline-Journalistenclub. Die Mitarbeiter könnten derzeit weitermachen. Die Unterstützung aus der ganzen Welt sei ein guter Schutz. Allerdings dürfe man nicht vergessen, welchem Risiko die Wikileaks-Mitarbeiter ausgesetzt seien.

Derzeit versuchten sie, die Geschwindigkeit zu verbessern, mit der Dokumente veröffentlicht werden könnten, sagte Assange.

Assange wehrte sich gegen Kritik, die zahlreichen US-Dokumente zu brisanten Themen wie etwa dem Krieg in Afghanistan könnten Menschen schädigen. Die Menschen in den betroffenen Ländern hätten ein Recht, zu wissen, welche Interessen die USA verfolgten. Es sei außerdem bedenklich, dass Botschafter zum Teil als Spione arbeiten müssten.

US-Regierung bestreiten Verwicklungen

Er habe "Gerüchte" von seinen Anwälten in den USA gehört, wonach dort eine Anklage gegen ihn vorbereitet werde, sagte er kurz nach seiner Haftentlassung in London. Dabei sollten ihm Spionage und Verschwörung vorgeworfen werden.

Die US-Regierung wies jede Beteiligung an dem juristischen Vorgehen gegen Assange in Schweden und Großbritannien zurück. "Es ist ein Rechtsverfahren in Großbritannien im Gange und wir verfolgen das offensichtlich, aber wir haben keinerlei Beteiligung daran", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley, in Washington. Anderslautende Vorwürfe bezeichnete er als Verschwörungstheorie.

Ermittlungen in Australien eingestellt

Die australische Polizei hat unterdessen ihre Ermittlungen gegen Wikileaks eingestellt. Die Veröffentlichung von Depeschen der US-Diplomatie verstoße nicht gegen australisches Recht, teilte die Polizei am Freitag mit. Das vorliegende Material sei abschließend geprüft worden, die australische Justiz sei nicht zuständig. Sollten nach weiteren Enthüllungen neue Verdachtsmomente entstehen, werde sie aber erneut aktiv.

Australiens Justizminister Robert McClelland erklärte, die Regierung bleibe weiterhin besorgt über die "unautorisierte und unverantwortliche Verbreitung von Geheimmaterial". Da die veröffentlichten Dokumente jedoch der US-Diplomatie entstammten, sei die US-Justiz zuständig.

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(dpa/APA/AFP)

Link:

BBC-Bericht