Zur mobilen Ansicht wechseln »

Transparente Menschen Big Data: Inkognito-Schwangerschaft ist aufwendig.

Schwangere Frauen sind attraktive Zielobjekte für Werber
Schwangere Frauen sind attraktive Zielobjekte für Werber - Foto: dpa-Zentralbild/Patrick Pleul
Eine US-Forscherin versuchte, ihre Schwangerschaft vor Google, Facebook und Co. geheim zu halten und berichtet von unglaublichem Aufwand.

Nachdem sie von einem Fall gehört hatte, bei dem ein Online-Händler von der Schwangerschaft einer Frau wusste, bevor sie selbst davon erfuhr, startete Janet Vertesi einen Selbstversuch. Die ebenfalls schwangere Soziologie-Professorin an der Princeton University versuchte, sich vor der Datenanalyse im Social Web zu verstecken. Trotz Big Data sollten weder Google noch Facebook oder andere Dienste ihre Schwangerschaft bemerken.

Schwangere gelten für Online-Unternehmen als äußerst attraktive Zielpersonen für Werbung. Sobald ihre Schwangerschaft erkannt wird, werden Frauen oft mit themenbezogener Werbung bombardiert. Das Auftauchen von Werbung konnte also im Falle des Experiments als Indikator für dessen Scheitern verwendet werden. Wie Vertesi gegenüber ThinkProgress schildert, gestaltete sich das Versteckspiel als äußerst mühsame Angelegenheit.

Tor-Netzwerk und Geschenkgutscheine

Alle Verwandten und Bekannten von Vertesi und ihrem Mann mussten zur Stillhaltung überredet werden. Baby-Recherchen wurden nur über das Tor-Netzwerk durchgeführt. Für den Online-Einkauf von Baby-Zubehör musste ein neues Amazon-Konto eingerichtet werden, die Bezahlung erfolgte über bar bezahlte Geschenkgutscheine, die Lieferung an ein anonymes Postfach.

Vor allem das Stillhalten der eingeweihten Personen gestaltete sich laut Vertesis Bericht als große Herausforderung. Einigen Personen musste etwa beigebracht werden, dass auch private Chat-Nachrichten auf Facebook von Facebook analysiert werden. Auch das eigene Social-Media-Verhalten wurde aus Angst vor zu viel offener Konversation zurückgefahren.

Verteilen statt Flucht

Vertesis Fazit: "Es war so viel Arbeit. Ich hatte nicht erwartet, dass es so hart werden würde." Das Verstecken der eigenen Schwangerschaft sei unkomfortabel und teuer gewesen. Abgesehen davon war sich Vertesi sicher, auf einer Watchlist der NSA gelandet zu sein: "Wer sonst ist den ganzen Tag auf Tor unterwegs, oder hebt überall in der Stadt Geld ab um enorme Mengen an Geschenkgutscheinen zu kaufen, um damit einen Kinderwagen zu bezahlen?"

Generell rät Vertesi dazu, gar nicht erst zu versuchen, sich Big Data zu entziehen, sondern Konkurrenzverhältnisse in der IT-Welt auszunutzen. Wer die Online-Landkarten von Apple, den E-Mail-Dienst von Google und eine Suchmaschine wie DuckDuckGo verwende, der hinterlasse wenigstens kein kohärentes Muster im Netz.

(futurezone) Erstellt am 05.05.2014, 08:56

Kommentare ()

Einen neuen Kommentar hinzufügen

( Abmelden )

Dein Kommentar

Antworten folgen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?