Digital Life
18.04.2018

Bitcoin und Co: Gier frisst Hirn

Beim 4Gamechangers Festival in der Wiener Marx Hall wurde über Kryptowährungen und die Blockchain diskutiert.

Um neue Spielregeln in Wirtschaft und Gesellschaft geht es bei dem  dreitägigen Festival 4Gamechangers, das derzeit in der Wiener Marx Halle stattfindet und das am Mittwoch vom Unternehmer und Sänger der Heavy Metal Band Iron Maiden, Bruce Dickinson, eröffnet wurde. Solche Gamechanger sind die  Kryptowährung Bitcoin und die dahinterliegende Blockchain-Technologie, die neben Start-ups Schwerpunktthemen des ersten Tages der Veranstaltung waren.  Kryptotechnologie habe das Potenzial zum größten Wohlstandsvermehrer in der Geschichte der Menschheit zu werden und komme nicht nur den Reichen zugute, sagte der Schweizer Kryptowährungsexperte und Gründer des Crypto Valleys Johann Gevers. Über Mobiltelefone seien Bitcoin & Co allen Menschen zugänglich: "Wir befinden uns mitten in einer Demokratisierung des Finanzsystems."

Als alltägliches Zahlungsmittel seien Kryptowährungen momentan wegen der hohen Wertschwankungen noch nicht geeignet, sagte Eric Demuth vom Krypto-Handelsplatz Bitpanda. Solche Schwankungen seien für eine junge Währung aber nicht außergewöhnlich. "Je mehr Geld in den Markt kommt, umso weniger Volatilität wird es geben", meint der Experte.

Vorsicht bei Investitionen

Bei Investitionen in Kryptowährungen mahnten die Experten zur Vorsicht. Man müsse wissen, worauf man sich einlasse, sagte Florian Beckermann von der Interessensvertretung für Anleger. In den vergangenen Monaten habe die "Gier das Hirn gefressen". "Die Leute sehen unglaubliche Steigerungsraten, haben aber keine Ahnung wie das funktioniert. Wenn der Kurssturz kommt, ist die Enttäuschung groß."

Man müsse Kryptowährungen als ein langfristiges Investment sehen, sagte Magdalena Isbrandt, Gründerin des Wiener Bitcoin-Shops Bit-Trust Store. Dass der Preis von Bitcoin und Co. zuletzt wieder stark gefallen sei, begrüße sie, weil dadurch der Markt bereinigt werde.

"Der Markt sei vollkommen unreguliert", warnte Klaus Kumpfmüller von der Finanzmarktaufsicht FMA.  Für Kleinanleger sei damit ein großes Risiko verbunden. Bitcoin zeige alle Charakteristika einer Blase, die am Platzen sei. Großes Potenzial habe allerdings die dahinterliegende Blockchain-Technologie, die in vielen Bereichen eingesetzt werden könne.

Mittel für Innovationen

Die Blockchain sei auch für große Unternehmen ein Mittel für Innovationen, sagte Christoph Lindinger von der ARS Electronica. Sie könnten mit der Technologie neue Geschäftsmodelle entdecken.

Mit den Möglichkeiten der Blockchain beschäftigt sich etwa die Erste Bank. "Wir sehen uns die Technologie sehr genau an", sagte Clemens Müller, Blockchain-Experte bei der Erste Group. Die Technologie werde dazu beitragen, dass sich die Rolle der Banken ändere. Überflüssig mache sie die Finanzinstitute aber nicht.

Es gebe keinen wirtschaftlichen Bereich, der von der Blockchain nicht beeinflusst werde, meint der Innovationsexperte Thomas Zeinzinger vom Grazer lab 10 collective. Der Finanzbereich sei bereits stark involviert, andere Bereiche werden folgen.

Betriebssystem einer neuen Wirtschaft

Die  Blockchain-Technologie sei Betriebssystem einer neuen Wirtschaft, die dezentral aufgebaut sei, sagte Shermin Voshmgir, die an der Wirtschaftsuniversität Wien zur Blockchain forscht.  Über sogenannte Initial Coin Offerings (ICOs) würden Kryptowährungen auch zunehmend zur Unternehmensfinanzierung genutzt. Allein im ersten Quartal diesen Jahres seien mehr als vier Milliarden Dollar über die alternative Finanzierungsform, bei der Anleger anstatt Aktien Tokens erhalten eingenommen worden.

Finanzierungen über Kryptowährungen würden es jungen Unternehmen erleichtern Geld zu bekommen. Sie seien aber auch gefährlich, warnte Crypto Valley-Gründer Gevers. 90 Prozent der Angebote seien entweder Betrug oder schwach durchdachte Konzepte. "Man muss vorsichtig sein."

Frage der Regulierung

Derzeit seien sehr viele dubiose Leute unterwegs, warnte Finanzmarktaufseher Kumpfmüller. Um die Technologie für künftige Unternehmensfinanzierungen nutzen zu können brauche es einen regulatorischen Rahmen. Das würden sich auch die seriösen Player in der Branche wünschen. Denn damit gebe es ein Mindestmaß an Rechtssicherheit. Jeder Betrugsfall sei auch ein Reputationsschaden für die Branche. An gesetzlichen Regelungen werde derzeit gearbeitet. "Wir wollen die Technologie nicht umbringen, aber wir brauchen faire Bedingungen für Anbieter und Investoren."

Für den Standort Österreich seien solche ICOs eine Riesenchance, sagte Paul Polterer vom Start-up Herocoin, das eine solche Unternehmensfinanzierung bereits erfolgreich hinter sich gebracht hat. Es sei wichtig, schnell zu reagieren: "Der Ball liegt bei den Regulierern."

 

Disclaimer: Die futurezone ist Medienpartner des 4Gamechanger-Festivals