Digital Life 17.04.2018

Blockchain-Konferenz: "Uns läuft die Zeit davon"

© Bild: Dana Neumann

In Berlin findet die EventHorizon Konferenz statt. Erstes Thema ist der zerstörerische Energieverbrauch der Blockchain.

Das Kraftwerk in Berlin ist eine beeindrucke Location für ein ebenso eindrucksvolles Thema, das mehr und mehr Energieerzeuger und Start-up-Innovatoren beschäftigt: Wie kann die Blockchain-Technologie den Energiesektor verändern und was bedeutet das für den Endkonsumenten?

Auch wer nicht mit den zahlreichen Scheinwerfern, der sich drehenden Bühne oder der schnellen Sprechweise der Redner mitkommt, weiß spätestens nach der Begrüßung durch Michael J. Casey: "Uns läuft die Zeit davon." Des Klimawandels wegen, korrupter Regierungs- und Wirtschaftssysteme wegen, der zunehmenden Globalisierung wegen. Es geht, eben auch im Energiesektor darum, Energie zu bündeln, nicht nur die menschliche, auch die technische, unsere Stromversorgung an erster Stelle.

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Moderator Casey, selbst Journalist und Blockchain-Experte, sagte es dann auch ganz deutlich: "Energie ist die Wurzel alles Lebens. Der Mensch muss seinen Verbrauch jedoch schnellstmöglich anpassen, denn er ist dabei, seinen Planeten zu zerstören." Stichwort Klimawandel.

Weg von der Kohle

Einen Weg, Energie als Open Source und Blockchain-Plattform für alle zur Verfügung zu stellen und damit für die dezentrale Technologie einen wirklichen Markt zu schaffen, den will die Energy Web Foundation gefunden haben. Ihr Präsident Hervé Touati glaubt an die Entkarbonisierung, also die Abwendung von Kohlenstoffen und Zuwendung zu erneuerbaren Energien. "Alte Systeme basierend auf Kohle werden zunehmend teurer – weil wir immer weniger davon kaufen, ein gutes Zeichen", sagte er.

Kleine Versorgungsnetze würden außerdem immer profitabler – "schließlich wird die Technologie immer günstiger" – und böten in diesem Punkt gegenüber großen Energieversorgern Verbrauchern einen großen Vorteil. Doch wie kommt die Blockchain ins Spiel? "Sie erfindet das Elektrizitätssystem neu, diesmal aus der Perspektive des Verbrauchers aus".

Im eigenen Zuhause wird der ständige Datenaustausch dadurch zunehmen. Grund zur Sorge gäbe es aber nicht: Schließlich lägen, so Touati, die Daten verschlüsselt in der Blockchain. Die Privatsphäre sei so geschützt und der Strom gleichzeitig günstig. Das Fazit des Stiftungspräsidenten: "Digitalisierung macht Dezentralisierung möglich".

Darum geht es bei der EventHorizon

Was also muss passieren? Die Botschaft der Konferenz lautet "Empowerment of the power". Dabei geht es den Teilnehmern und Veranstaltern vor allem darum, jeden Menschen dazu zu befähigen, selbst aktiv zu werden, um die Zukunft zu sichern. Übersetzt bedeutet das Casey zufolge, dass wir nicht nur den Konsum und die Erzeugung erneuerbarer Energien erhöhen, sondern damit Hand in Hand auch unsere Technologie verbessern müssen.

Das Problem dreht sich aber nicht nur um die wissenschaftlichen Hintergründe. Es ist vor allem ein Problem der Koordination und des Vertrauens. Casey zufolge sind wir Menschen nämlich ohne Vertrauen nicht in der Lage, zusammen zu kommen und Transaktionen zu koordinieren: "Ohne Vertrauen nutzen wir mehr Energie als wir brauchen, weil das Eigeninteresse deutlich über dem der anderen liegt."

Blockchain macht Vertrauen unnötig

Hier kommt die Blockchain-Technologie ins Spiel, mit deren Hilfe Misstrauen überwunden werden soll. Sie stellt die dezentralisierte Infrastruktur von Energiemärkten zur Verfügung, die notwendig ist, um gemeinschaftlich und nicht durch Eigennutz getrieben zu agieren. "Blockchain ermöglicht es, die Lenkung der Transaktionen komplett auf das Medium selbst zu übertragen", so Casey. Durch das offene und nachvollziehbare Regelwerk entsteht eine Transparenz, die blindes Vertrauen obsolet werden lässt.

Im Laufe der dreitägigen Konferenz EventHorizon werden wir dann im Detail erfahren, wie die Blockchain-Technologie im Energiesektor den Wandel, auch für den Verbraucher, herbeiführen kann.

 

Dieser Artikel ist ursprünglich auf futurezone.de erschienen.

( futurezone ) Erstellt am 17.04.2018