Boxfish-Gründer und CTO Kevin Burkitt - der Inhalt von 1000 TV-Programmen wird in Echtzeit analysiert.

© Gerald Reischl

Silicon Valley
03/21/2014

Boxfish: „Wir haben den Hashtag für das TV gebaut“

Künftig werden TV-Nutzer nicht nach Sendern, sondern nach Inhalten suchen, sagt das Start-up Boxfish und sackte diese Woche sieben Millionen Dollar ein.

Channel-Surfing oder auch durch die Programme zappen – noch sind wir gewohnt, dass wir durch die TV-Sender hoppen. Doch anstelle nach Sendern und Sendungsnamen wird der Smart-TV künftig das Programm nach Themen sortieren. Auf Basis unserer Interessen wird er im Kachel-Design jene Inhalte servieren, die uns interessieren.

Smartes TV-Menü

Davon ist Kevin Burkitt überzeugt. Der Ire ist einer der Gründer des Start-ups Boxfish, das das TV-Menü smarter machen will. Die Software, die Boxfish in den vergangenen drei Jahren entwickelt hat und für das es 60 Patente gibt, analysiert in Echtzeit das Programm von derzeit etwa 1000 TV-Stationen in den USA und zeigt dem Kunden beim Einschalten, was gerade auf den Channels passiert und worüber gerade auf den Social-Media-Plattformen diskutiert wird. „Wir analysieren nicht Big, sondern Wild Data“, sagt Burkitt.

Man sieht aber nicht den Titel des Programms, sondern den Sender und welcher Inhalt im Programm gerade läuft – angezeigt wird das in Form eines Bildes mit einem Hashtag. „Wir haben einen Algorithmus entwickelt und verstehen, worüber gerade auf dem Sender gesprochen wird“, erklärt Burkitt, der die futurezone ins Boxfish-Büro nach Palo Alto zur Live-Demo geladen hat. Die Demo ist aus zwei Gründen spannend – erstens hat Burkitt eine Verbindung zu Österreich, fast ein halbes Jahr arbeitete er in Linz für einen das Start-up Talenthouse eines der beiden Jajah-Gründer Roman Scharf. Zweitens hat Boxfish diese Woche eine 7-Millionen-Dollar-Investition vom Fond Atlantic Bridge eingesackt. In einer ersten Runde schon hatte Boxfish drei Millionen von T-Ventures und Samsung erhalten.

Hot Topics statt Sender

„Wir sind einfach überzeugt, dass künftig nach Themen ferngesehen wird“, sagt Burkitt. Aktuelles Beispiel sei etwa die verschollene Boeing der Malaysian Airlines oder die Krise in der Ukraine – wenn ein aktuelles Ereignis passiert, werden jene Channels/Inhalte eingeblendet, auf denen zu dem aktuellen Thema Berichte laufen. Oder man sieht auf den eingeblendeten Kanälen textlich per Hashtag angezeigt, welche Inhalte gerade laufen. Pro Monat werden 86 Millionen Themen indiziert und 85 Milliarden Begriffe verarbeitet, „und unser System lernt ständig dazu“, so Burkitt.

Umweg "second screen"

Bis man zur Lösung für den Smart-TV kam, machte man sozusagen einen kleinen Umweg über die „second screen“ – man hatte ein Menü für Tablets entwickelt, auf der man die Echtzeitanalyse sah. Allerdings war die Lösung über den second screen nicht optimal, weil es zu einer Zeitverzögerung kam. „Der TV-Konsument ist faul. Er will, dass man ihm den Inhalt präsentiert bzw. konkrete Themen vorgibt.“ Und das gleich auf dem ersten Screen, also auf dem Flat-TV. In Umfragen hätten 73 Prozent der TV-Konsumenten angegeben, dass es schwierig sei, ansprechende TV-Inhalte zu finden. Boxfish erstellt quasi auch einen persönlichen TV-Kanal für den Konsumenten, weil laufend sein Seherverhalten analysiert wird. Er bekommt dann jene Themen präsentiert, die ihn interessieren könnten. Der Smart-TV hat nicht nur ein User-Profil, sondern macht auch Empfehlungen.

Vorteile für EPG

Von der Boxfish-Lösung profitiert auch der Elektronische Programm-Guide (EPG), denn wird etwa die Aufnahme einer Sendung programmiert, deren Beginn sich aber verzögert (weil es davor etwa eine Sportübertragung gab), wird das EPG quasi informiert, mit der Aufnahme später zu beginnen; damit endet sie auch nicht zu früh.

Diese Hashtags bleiben auch in den Aufzeichnungen bestehen. „Das hat etwa bei Sportsendungen den Vorteil, dass man genau zu jener Sportart hüpfen kann, die einem interessiert“, erklärt Burkitt. Es werden im Menü quasi die Themenkapitel – ähnlich, wie wir sie von DVDs her kennen – eingeblendet. „Mitunter ist es doch wirklich so, dass man sich eine Sendung 60 Minuten ansieht, um dann jene 5 Minuten zu sehen, die einen wirklich interessieren.“

Boxfish für die Werbung

Bei Boxfish ist man überzeugt, ein Produkt entwickelt zu haben, das auch die Werbeindustrie interessieren wird, da mit der Echtzeitanalyse ganz gezielte Werbung möglich ist. Streuverluste, wie es sie jetzt mit dem Gieskannen-Werbe-Prinzip im TV gibt – jeder sieht die gleiche Werbung, ganz egal ob sie ihn interessiert oder nicht – gäbe es dann nicht. „Wir können genau sagen, wer sich welche Sendungen ansieht und daher auch, welche Interessen er hat.“ Anwendungsmöglichkeiten gäbe es viele, es gäbe 100 API-Partners, die auf Basis der Boxfish-Lösung Produkte für den TV entwickeln. Samsung etwa kooperiert bereits mit Boxfish.

Die 7-Millionen-Dollar-Finanzspritze kommt dem 20-Mitarbeiter-Unternehmen zur rechten Zeit, denn demnächst soll eine Filiale in Dublin aufgebaut werden und man will das gesamte britische TV-Angebot indizieren. Wann die deutschsprachigen Programme an der Reihe sind, konnte Burkitt noch nicht sagen.

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