Digital Life
22.04.2011

Check-ins für Serienfans und Stubenhocker

Foursquare hat den Trend gesetzt und immer mehr Plattformen folgen: „Einchecken“ ist zu einer Art Volkssport in der Social-Media-Welt geworden. Dabei beschränken sich die Services aber nicht mehr nur auf Orte. Mit Plattformen wie Miso und Getglue können Nutzer über Check-ins nun auch ihrer Begeisterung für Filme, Serien und andere Unterhaltungsangebote jeglicher Art Ausdruck verleihen.

Auf Facebook Fan von einer Fernsehserie werden, auf Twitter vom letzten Kinobesuch berichten, über Foursquare den Besuch im Lieblingslokal verraten – Plattformen wie Miso und Getglue bringen das alles auf einen gemeinsamen Nenner. Dazu müssen die User nicht einmal die Wohnzimmercouch verlassen. Wer gerade vor dem Fernseher sitzt und das mit seinen Freunden oder auch der ganzen Internetgemeinde teilen will, kann das in Sekundenschnelle erledigen und checkt statt beim Italiener um die Ecke einfach beim aktuell laufenden Spielfilm oder einer Serienepisode ein. Die Plattformen können sowohl im Web als auch über Smartphone- und Tablet-Applikationen genutzt werden.

„Wir sind Anfang 2010 mit Miso gestartet. Wir haben eine große Veränderung beim Entertainment-Konsum der Leute festgestellt, die zunehmend ihre Laptops, Handys und Tablets nutzen, während sie fernsehen“, sagt Katie Smillie, Marketingchefin von Miso, im futurezone-Interview. Es habe sich herausgestellt, dass vieles, was die Nutzer begleitend zum Fernsehabend im Netz machen, in Zusammenhang damit stehe, was sie gerade im TV anschauen. „Wir wollten mit Miso etwas schaffen, das das Fernseherlebnis ergänzt“, so Smillie.

Die Check-in-Funktion sei nur ein Teil der Plattform, die künftig weiter ausgebaut werden soll. „Erst kürzlich haben wir die Möglichkeit, Filme und Serien auch auf dem iPhone zu bewerten, eingeführt. In den kommenden Monaten werden weitere Funktionen folgen, über die die Nutzer ihre Meinungen zu den konsumierten Inhalten verbreiten können“, sagt Smillie. Der Service Getglue ermöglicht auch das Einchecken in anderen Bereichen wie zum Beispiel Sport oder Musik. Eine Ausweitung auf diese Bereiche steht bei Miso derzeit allerdings nicht zur Diskussion. „Im Moment wollen wir uns zu 100 Prozent auf das begleitende Fernseherlebnis konzentrieren“, so die Marketingchefin weiter.

Öffentliches Bekenntnis
Miso zählt derzeit über 150.000 Nutzer, Getglue kommt eigenen Angaben zufolge auf eine Million.„Auf die breite Masse gerechnet haben diese Tools relativ wenig Nutzer. Letztlich geht es dabei im Wesentlichen um eines: Commitment zeigen, also sich einer Sache oder einer Subkultur öffentlich zuordnen“, sagt Social-Media-Expertin Judith Denkmayr, Geschäftsführerin der Wiener Agentur Digital Affairs, im Gespräch mit der futurezone.

Der Check-in erfüllt bei Miso und Getglue etwa dieselbe Funktion wie der Like-Button auf Facebook. Ausschlaggebend ist dabei in erster Linie die schnelle und einfache Weise, etwas mitzuteilen. „Ein Check-in zählt zu den niederschwelligsten Partizipationsmöglichkeiten und verlangt dem Nutzer am wenigsten ab“, so Denkmayr.

Spieltrieb
Hinzu kommt bei den Plattformen der Spielcharakter von Foursquare und Co. Mit der Vergabe von Badges und Trophäen wird für die Nutzer ein zusätzlicher Anreiz geschaffen. „Das spricht den Spieltrieb und die Sammelfreude an. Es war beim Alpenverein früher nichts anderes: Die Leute wollten sich unbedingt ihre Wandernadel abholen. Hier wird nun eben mit Badges gelockt“, erklärt Denkmayr. Die ersten „Auszeichnungen“ seien meist sehr einfach zu bekommen und eine Art Einstiegsdroge. „Danach werden die Anforderungen für die Belohnung mit einem Badge dann stetig höher“, so die Social-Media-Expertin.

Nutzergenerierte Inhalte
So wie bei Foursquare Orte von Nutzern angelegt werden können, haben Miso-User die Möglichkeit, neue Filme und Serien hinzuzufügen. Wer bei der Plattform anfragt, bekommt auch die Berechtigung, bereits angelegte Inhalte zu editieren. Letztlich wird die Verfügbarkeit und Qualität der Informationen von den Plattform-Betreibern kontrolliert und nach Möglichkeit verbessert.

Das Geschäftsmodell der Eincheck-Dienste ist schnell erklärt: Werbung. „Es ist recht einfach. Mach etwas, das die Leute nebenbei zum Fernsehen interessiert und die Werbegelder werden hereinkommen“, erklärt die Miso-Marketingchefin die Business-Idee hinter der Plattform. Doch noch steht der Schritt zum Geldverdienen für die Betreiber ein Stück weit entfernt. Zunächst wolle man sich darauf konzentrieren, den Nutzern jene Funktionen anzubieten, die sie sich begleitend zum Fernsehen wünschen.