Digital Life
16.04.2015

"Das nächste Fairphone wird leicht zu reparieren sein"

Im Herbst soll das neue Fairphone erhältlich sein. Komplexe Lieferketten verhindern jedoch gänzlich faire IT-Produkte. Behörden-Bestellungen könnten die Situation verbessern.

Wer in Supermärkten nach fair produzierten Lebensmitteln Ausschau hält, findet mittlerweile ein recht umfangreiches Sortiment. Auch in der Bekleidungsbranche hat das Fair-Trade-Logo bereits Einzug gehalten. In der Elektronikindustrie bleibt dies allerdings eine Wunschvorstellung. Ein Grund dafür sind die hochkomplexen Produktionsnetzwerke und die unüberschaubare Lieferketten, die hinter IT-Produkten stehen. Und so bleiben gänzlich fair produzierte IT-Geräte bislang eine Vision.

Intransparente Produktionsnetzwerke

Das Fairphone ist der Versuch, ein möglichst fair produziertes Smartphone anzubieten. "Wir wollen eine Alternative aufzeigen und veranschaulichen, dass auch andere Wege möglich sind", sagt Tina Trinks vom niederländischen Start-up Fairphone im Gespräch mit der futurezone.

Eine der größten Herausforderung bei der fairen Herstellung eines Smartphones sei die Auswahl der Zulieferbetriebe. "Meist ist es höchst undurchsichtig und nicht nachvollziehbar, woher die Unternehmen ihre Vorprodukte beziehungsweise ihre Rohstoffe beziehen", erklärt Trinks.

Dieses Problem kennt auch Susanne Jordan, die mit NagerIT die erste, "fast faire" Computermaus produziert: "Obwohl die Maus ein relativ simples IT-Produkt ist und aus lediglich 20 Bauteilen besteht, sind in den gesamten Produktionszyklus weit mehr als hundert Firmen involviert." Eine schematische Darstellung der NagerIT-Lieferkette veranschaulicht das Problem der intransparenten Produktionsnetzwerke.

Langlebige Produkte

Mit der Produktion des ersten Fairphones, von dem 60.000 Stück produziert und auch verkauft wurden, konnte das niederländische Unternehmen bei der Auswahl der Zulieferbetriebe mittlerweile einiges an Erfahrung sammeln.

"Darauf aufbauend haben wird das kommende Fairphone von Grund auf selbst entworfen und konzipiert", sagt Trinks. "Den Fokus haben wir dabei auf die Langlebigkeit des Geräts gelegt." So sollen die Einzelteile leicht austauschbar sein, wodurch sich das Smartphone ohne großen Aufwand reparieren lässt.

Darüber hinaus sollen auch höherwertige Komponenten zum Einsatz kommen, was natürlich den Verkaufspreis etwas in die Höhe treibt. Dennoch will Fairphone noch dieses Jahr gut 55.000 Geräte verkaufen, 2016 sollen es dann 150.000 Stück sein. "Nach dem Sommer beginnen wir mit der Auslieferung der zweiten Fairphone-Generation", weiß Trinks.

Faire Beschaffung von IT-Produkten

Angesichts der vergleichsweise geringen Stückzahlen ist die symbolische Wirkung des Fairphones wohl weit größer als die tatsächlichen Effekte auf verbesserte Arbeitsbedingungen.

Um ihre Verhandlungspositionen gegenüber Fertigern, Zulieferfirmen und Rohstofflieferanten zu verbessern, versuchen Initiativen wie Clean-IT, NagerIT und Electronics Watch in erster Linie den Hebel bei Großabnehmern anzusetzen.

"2007 haben die EU-Staaten zusammen rund 94 Milliarden Euro für IT-Produkte, IT-Dienstleistungen und Software ausgegeben. Es gibt Studien wonach jeder fünfte Computer vom öffentlichen Sektor gekauft wird. Wenn wir in der öffentlichen Beschaffung von IT-Produkten einheitliche Standards hätten, die auf faire Produktionsbedingungen abzielen, ließe sich damit einiges verbessern", sagt Jim Cranshaw von Electronics Watch im Gespräch mit der futurezone.