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02/03/2011

Datenschutzbedenken bei IPv6-Umstellung

Smartphones fehlt der Schalter für "Privacy Extensions"

Die meisten Internet-Nutzer sind mit ständig wechselnden IP-Adressen im Netz unterwegs. Diese "dynamische Adressenverwaltung" für die Kunden der Internet-Zugangsanbieter wurde aus der Not geboren, weil beim bisherigen Standard IPv4 die Adressen knapp sind. Aus Sicht der Datenschützer ist das aber durchaus positiv: Bei wechselnden IP-Adressen kann man nicht so leicht festhalten, auf welchen Wegen jemand im Internet unterwegs ist.

Der neue Standard IPv6 bietet jedoch einen nahezu unendlichen Vorrat an IP-Adressen. Damit wird es theoretisch möglich, jedem Computer, jedem Handy und jedem anderen Gerät eine lebenslang einheitliche IP-Adresse zuzuweisen. Um den damit verbundenen Datenschutzbedenken zu begegnen, sieht das neue Protokoll "Privacy Extensions" vor, die verhindern sollen, dass man ein Gerät über längere Zeit hinweg im Netz identifizieren kann.

Datenschutzprobleme bei Smartphones

Bei Windows sind diese Privatsphäre-Erweiterungen standardmäßig aktiviert, auf einem Mac- oder einem Linux-Rechner müssen sie erst eingerichtet werden. Bei iPhones oder Android-Smartphones sollen diese Privatsphäre-Erweiterungen allerdings nicht aktivierbar sein. Auch IPv6 lässt sich nicht abschalten. Wer mit einem iPhone oder Android-Smartphone ein IPv6-taugliches WLAN nutzt, dessen Gerät wird eindeutig identifizierbar. Die Hersteller erstellen die IPv6-Adresse großteils direkt aus der Gerätenummer.

"Aus technischer Sicht ist es begrüßenswert, dass jedes Gerät eindeutig adressierbar ist", sagte dazu der Vorsitzende des deutschen IPv6-Rates, Christoph Meinel. Die Frage nach dem Schutz der Privatsphäre müsse gesellschaftlich diskutiert und geklärt werden. Dabei habe das Bedürfnis nach Anonymität und Schutz der Privatsphäre aber eine eigene Lösung verdient und sollte sich nicht wie bei der dynamischen Vergabe von IPv4-Adressen aus einem technischen Mangel ergeben.

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(dpa/futurezone)