Digital Life
06.11.2014

Deutsche Zeitschriftenverleger streiten weiter mit Google

Mehr als eine Stunde lang vertieft sich ein Durchschnittsleser in eine neue Zeitschriften-Ausgabe - das bunt gedruckte Papier genießt in Deutschland hohes Ansehen. Das spüren auch die Verlagsmanager.

Entlassungen in Redaktionen, Streit um Chefsessel, Gratis-Konkurrenz aus dem Internet: Deutschlands Zeitschriftenbranche blickt trotz aktueller Turbulenzen optimistisch in die Zukunft. Durch die Branche wehe ein „neuer Geist“, sagte der Verleger Hubert Burda am Donnerstag auf dem Verbandstag in Berlin. Die Talsohle der Medienkrise sei erreicht, „das Schlimmste haben wir hinter uns“. In den Verlagen herrsche ein Gründungsboom neuer Titel, sagte der Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) vor seinen Kollegen.

Tatsächlich lassen sich die Deutschen die Zeitschriftenlektüre einiges kosten. Nach VDZ-Zahlen geben die Leser jeden Monat dafür mehr als 270 Millionen Euro aus. Allein im vergangenen Jahr sind laut VDZ 111 neue Zeitschriften erschienen, 60 Titel wurden eingestellt. Von Januar bis März 2014 waren es 21 neue Titel, drei wurden geschlossen. Insgesamt kommen 1 587 Publikumszeitschriften heraus.

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Burdas Optimismus wird durch eine Allensbach-Umfrage untermauert. Demnach genießen Zeitschriften und Magazine ein hohes öffentliches Ansehen. Jeder Leser vertiefe sich im Durchschnitt 67 Minute in eine neue Zeitschriften-Ausgabe. Nur für gut ein Viertel (28 Prozent) sind die Preise zu hoch. Allensbach-Chefin Renate Köcher kritisierte, dass die Branche oft ihr eigenes Produkt vor allem gegenüber Anzeigenkunden unter Preis verkaufe - sowohl in Print als auch Online.
Unverständnis herrscht unter den Verlagsmanagern über die unterschiedliche Mehrwertsteuer für Print (7 Prozent) und Online (19 Prozent). Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) stellte ihnen in Aussicht, sich für eine Anpassung „nach unten“ einzusetzen.

Sorgen bereitete den Verlegern nach wie vor auch die Google-Übermacht im Umgang mit Suchergebnissen und Verlagsinhalten. „ Google nimmt unsere Inhalte und vermarktet sie“, beklagte Burda. Das neue Leistungsschutzrecht - so der Konsens unter den Verlegern - löst das Problem nicht wirklich. Am Mittwoch hatte das Medienhaus Axel Springer angekündigt, dem Internet-Konzern die Gratis-Anzeige ihrer Inhalte wieder zu erlauben. Es geht um die Angebote von welt.de, computerbild.de, sportbild.de und autobild.de, deren Inhalte im Streit um das sogenannte Leistungsschutzrecht seit dem 23. Oktober bei Google nur in eingeschränkter Form angezeigt wurden. Springer befürchtet bei einer weiteren Sperrung massive Umsatzeinbußen.

Härtere Gangart

Auch das unterschiedliche Verständnis von Datenschutz in den USA und Europa sehen die Verleger als unfaire Konkurrenz. Der neue EU-Kommissar für Digitalwirtschaft, Günther Oettinger, warnte auf dem VDZ-Kongress allerdings vor nationalen Alleingängen. Nur ein einheitlicher EU-Datenschutz wäre in der Lage, sich auch global Geltung gegen den Datenhunger der Konzerne zu verschaffen.

Auch in der Auseinandersetzung mit Google um die Ergebnisse der Suchmaschine kündigte Oettinger eine härtere Gangart an. Google dürfe sein faktisches Monopol nicht dazu benutzen, Konkurrenten zu benachteiligen. Der von der früheren EU-Kommission ausgehandelte Kompromiss sei nicht das letzte Wort, sagte Oettinger.
Bei dem Streit von Google mit der EU-Kommission geht es vor allem um Suchanzeigen in spezialisierten Bereichen wie dem Kartendienst Maps, Preisvergleiche oder die Suche nach Hotels und Restaurants. Die Verleger hatten Brüssel zum Handeln aufgefordert. In den EU-Ländern hat Google zum Teil über 90 Prozent Marktanteil bei der Internet-Suche.