Digital Life
29.10.2016

Die dunklen Seiten der Cybersecurity-Firma Dark Matter

Die Cybersecurity-Firma Dark Matter soll laut einer neuen Reportage die totale Überwachung aller Bürger der Vereinigten Arabischen Emirate planen.

In einer ausführlichen Reportage widmet sich The Intercept der Cybersecurity-Firma Dark Matter. Hinter einer Fassade, die ein Unternehmen zeigt, das sich mit IT-Sicherheit und Abwehr von Angriffen beschäftigt, plane Dark Matter die totale Überwachung aller Bürger in seinem Herkunftsland, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).

Eingeweiht

Als Kronzeuge für diese Behauptung fungiert der italienische Sicherheitsforscher Simone Margaritelli. Er sollte von Dark Matter angeworben werden und wurde nach Dubai eingeladen, um die Firma kennenzulernen. Die Rekrutierer der Firma weihten Margaritelli dabei in ein Vorhaben ein, bei dem Spionagehardware im ganzen Land verteilt werden sollte, um Computer und Smartphones aller Bürger des Landes anzapfen zu können. Margaritelli lehnte ab und berichtete seine Erfahrung stattdessen auf seiner Webseite.

Nähe zum Geheimdienst

Andere Quellen bestätigen die dunklen Seiten von Dark Matter. Das Unternehmen lockt Cybersecurity-Talente aus aller Welt mit hohen Gehältern - 500.000 US-Dollar pro Jahr und mehr - kostenlosem Wohnen, Kinderbetreuung, Transport und mehr. Durch eigene Aussagen und inoffizielle Informationen scheint klar, dass Dark Matter intensiv mit dem Geheimdienst der VAE, NESA, zusammenarbeitet. Der Firmensitz ist im selben Gebäude wie die NESA untergebracht.

Geheime Abteilung

Während es bei Dark Matter tatsächlich Sicherheitsforscher gibt, die sich mit defensiven Maßnahmen auseinandersetzen, widmet sich eine geheime Abteilung offensiven Cybertaktiken. Dazu zählt die Verbreitung von Spionage-Software und Spionage-Hardware. Dark Matter soll es dadurch möglich sein jede Internet- und Mobilfunk-Kommunikation im ganzen Land mitzuschneiden und Informationen darüber mit der Regierung der VAE zu teilen.

Verbindung zu Hacking Team

Die Firma plant zudem angeblich, eine eigene Webseiten-Zertifikatsstelle zu werden und eigene Smartphone-Komponenten zu produzieren. Über das US-Start-up CyberPoint bestünden zudem Verbindungen zur italienischen Firma Hacking Team, deren Lieferung von Spionagesoftware an zahlreiche Staaten im Sommer 2015 durch einen Cyberangriff aufgedeckt wurde.

"Verdammt krank"

Während Dark Matter in der Öffentlichkeit eine weiße Weste zur Schau trägt und unter anderem als Sponsor der Hackerkonferenz Blackhat auftritt, befürchtet Simone Margaritelli Schlimmes: "In naher Zukunft wird jedes einzelne elektronische Gerät in den VAE ohne Zustimmung Teil eines staatlichen Botnets sein. Was die machen wollen, ist verdammt krank."