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Jahresrückblick
12/29/2011

Die Technik-Flops und Aufreger 2011

Das Jahr geht zuende, im Rückblick auf die vergangenen Monate finden sich wie gewöhnlich nicht nur Highlights in der IT- und Technik-Welt. Die futurezone hat sich daher auch der Flops 2011 angenommen und gibt eine Übersicht darüber, was in diesem Jahr bei Unternehmen und Institutionen schief gelaufen ist.

von Claudia Zettel

Datenskandale
Für das wohl größte negative Aufsehen in der IT-Welt sorgten in diesem Jahr die zahlreichen Datenskandale bei Unternehmen und Behörden. Kaum eine Woche verging, in der nicht ein neuer Hackerangriff, eine Sicherheitslücke oder ein massiver Datenklau Schlagzeilen machten. In den meisten Fällen stellte sich heraus, dass schlampige Sicherheitsvorkehrungen und mangelhafte IT-Systeme die Angriffe in der Form überhaupt erst möglich gemacht hatten. Einer der spektakulärsten Fälle war wohl der Hack des Sony-Playstation-Netzwerks. Dem Unternehmen wurden in einem Daten-Supergau 75 Millionen Nutzerdaten geklaut. Weitere Angriffe auf Sony-Plattformen folgten, es entstand ein Schaden von 123 Millionen Euro. Selbst die US-Sicherheitsfirma RSA Security wurde Opfer eines Cyberangriffs und musste daraufhin 40 Millionen Zugangschips tauschen.

In Österreich sorgte die Hackergruppe AnonAustria für Aufsehen, indem zahlreiche Sicherheitslücken aufgedeckt, Daten von Parteien, Behörden und Firmen abgegriffen und zum Teil veröffentlicht wurden. Auch hier wurde es den Angreifern zumeist nicht allzu schwer gemacht, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen ließen die betreffenden Webseiten und deren Betreiber schnell in einem schlechten Licht erscheinen. Mit zu den aufsehenerregendsten Attacken zählte der Hack auf die GIS-Webseite, bei dem 200.000 Datensätze abgegriffen wurden. Aber auch die Polizei und die Tiroler Gebietskrankenkasse wurden Ziel der Hacker und mussten letztlich Sicherheitslücken eingestehen.

Vorratsdatenspeicherung
Ab 1. April 2012 werden in Österreich sämtliche Verbindungsdaten via Telefon, Handy, E-Mail und Internet sechs Monate lang gespeichert. Dann tritt auch hierzulande die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung in Kraft, die im vergangenen April mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP im Nationalrat beschlossen wurde. Nach Meinung von Kritikern steht die ursprünglich als Maßnahme zur Terrorbekämpfung vorgesehene verdachtsunabhängie Datenspeicherung im gravierenden Widerspruch zu Menschenrechten und Grundfreiheiten. Verfassungsgerichte in mehreren europäischen Ländern hoben die Umsetzung der Richtlinie bereits auf. Auch die EU-Kommission konnte in ihrem im April vorgelegten Evaluationsbericht nicht schlüssig nachweisen, dass die umstrittene Datenspeicherung zur Bekämpfung schwerer Kriminalität notwendig ist und kündigte eine Überarbeitung der Richtlinie an. Datenschützer und Kritiker treten unterdessen für die Abschaffung der Vorratsdatenspeicherung ein. Die Bürgerinitiative "Stoppt die Vorratsdatenspeicherung", die auf der Parlaments-Website auch online unterstützt werden kann, sammelte bis Ende des Jahres bereits mehr als 20.000 Unterstützungserklärungen. Auch eine Verfassungsklage ist in Vorbereitung.

Nokia
Der finnische Handy-Konzern hatte in diesem Jahr nicht allzu viel zu lachen. Vieles wurde versucht, um wieder den Anschluss an die Konkurrenz zu finden, das meiste ging jedoch schief oder noch nicht auf. So wollte Nokia etwa mit dem Smartphone N9, dem ersten MeeGo-Handy, einen durchschlagenden Erfolg feiern und sich zurück ins Spiel bringen - letztlich ist das Gerät aber weder in den USA, Großbritannien oder Deutschland überhaupt auf den Markt gekommen. Nachdem bereits im Februar der Umstieg auf Microsofts Windows-Phone-Plattform als vorrangiges Betriebssystem bekannt gegeben worden war, kam mit dem Lumia 800 erst vor wenigen Tagen tatsächlich das erste Nokia-Windows-Phone auf den Markt. Ob sich mit dem Strategiewechsel der erhoffte Erfolg einstellen wird, ist derzeit noch nicht abzusehen. Unklar ist weiterhin, was genau Nokia aus seinem alten Betriebssystem Symbian machen wird. Nachdem zunächst daran festgehalten wurde, wird es jetzt als Marke doch aus dem Portfolio gestrichen und unter anderem Namen verkauft. In Österreich musste Nokia laut GfK-Erhebung 2011 jedenfalls nach 14 Jahren erstmals die Marktführerschaft bei Handys an Samsung abtreten.

BlackBerry
Gleich eine ganze Reihe an Negativ-Schlagzeilen machte in diesem Jahr der BlackBerry-Hersteller Research in Motion (RIM). Massive Ausfälle im BlackBerry-Netzwerk führten dazu, dass Millionen User keinen Zugriff mehr auf grundlegende Dienste wie die E-Mail-Funktion hatten. Hinzu kam eine mangelhafte Informationspolitik, die viele Nutzer erzürnte. Wenig erfreulich verlief auch der Start des Tablets “PlayBook”, die Verkäufe blieben hinter den Erwartungen und ein Fehler führte gleich zu Beginn zu einer Rückruf-Aktion. Auch bei den BlackBerrys musste RIM einbußen bzw. Verkaufsrückgänge hinnehmen. Zuletzt wurde das Unternehmen dann auch noch von Greenpeace zum Umweltsünder Nummer eins unter den Elektronikkonzernen gekürt.

Spritpreisrechner
Zunächst wollte und wollte er nicht klappen, der Start des Online-Spritpreisrechners der Regulierungsbehörde E-Control. Wegen technischer Probleme mussten die Betreiber das Angebot gleich zu Beginn vorübergehend wieder offline nehmen. Nach den Startschwierigkeiten ging es nicht viel besser weiter: Das Angebot wies von Anfang an viele Mängel auf, wie auch ein Test der futurezone zeigte. Weder Design noch Funktionalität des Spritpreisrechners konnten überzeugen. Letztlich erkannten das auch die Nutzer - das Angebot wurde von der Mehrheit schlichtweg ignoriert.

HP und WebOS
Viel Positives hatte der US-Computerkonzern Hewlett Packard (HP) in diesem Jahr nicht zu vermelden. Im August wurde völlig überraschend der Ausstieg aus dem Tablet- und Smartphone-Geschäft und damit das Ende des Betriebssystems WebOS verkündet - und das, nachdem man erst kurz zuvor mit dem Touchpad ein eigenes Tablet präsentiert hatte. Gleichzeitig kündigte der angeschlagene Konzern auch die Abspaltung des PC-Geschäfts an und läutete damit offiziell das Ende einer Ära ein. Es dauerte nicht lange, da wurde bekannt gegeben, dass mehr als 500 Stellen infolge des Kurswechsels bei HP gestrichen werden sollen. Für die massiven internen Umwälzungen wird vor allem ein Mann verantwortlich gemacht: Kurzzeit-Chef Leo Apotheker. Er musste im Laufe seiner Amtszeit viel Kritik einstecken, die letztlich dazu führte, dass sich HP von ihm trennte. nach weniger als elf Monaten in der Führungsposition musste Apotheker wieder den Hut nehmen. Nun soll Ex-eBay-Chefin Meg Whitman das Ruder bei HP herumreißen. Tiefgreifende Änderungen werden allerdings nicht erwartet.

Chrome OS
Lange wurde darauf ge- und viel davon erwartet: Googles Betriebssystem ChromeOS. Im Rahmen der Entwicklerkonferenz I/O im Juni war es dann soweit: Der Internetriese präsentierte die ersten Chromebooks und die dazugehörige Software ChromeOS. Erste Tests der Geräte mit Googles Betriebssystem zeigten schnell, dass ohne Web kaum etwas damit anzufangen ist. Das - durchaus gewollte Konzept - bringt natürlich auch Vorteile mit sich, doch so recht konnten sich Chromebooks und ChromeOS bislang nicht durchsetzen. Die Verkaufszahlen entwickelten sich nur sehr mäßig, zuletzt senkte Google die Preise für Chromebooks, um den Absatz anzukurbeln.

Patentkriege
Der Druck auf dem Smartphone- und Tablet-Markt hat dramatisch zugenommen, das hat das Jahr 2011 deutlich gezeigt. Im Kampf um Marktanteile ist zwischen den Herstellern ein wahrer Patentkrieg entfacht. Besonders negativ fiel dabei Apple ins Auge, der US-Konzern lieferte sich eine Schlacht nach der anderen mit den Konkurrenten und brachte unzählige Patentklagen ein. Besonders heftig ging es im Streit mit Samsung zu, in Deutschland erwirkte Apple gar ein Verkaufsverbot des Galaxy Tab 10.1. Aber auch mit HTC und Nokia - bei letzterem musste sich Apple geschlagen geben - wurden harte Geschütze aufgefahren. Benachteiligt sind dadurch oft die Konsumenten, die wie im Fall Deutschland, bestimmte Geräte nicht mehr erwerben können. Mit feiner Klinge ging kaum ein Konzern vor, auch Samsung versuchte Apple mit Patentklagen zu Leibe zu rücken. So wurde etwa noch vor dem Start des neuen iPhone versucht, den Verkauf des Geräts zu stoppen. Patente spielen auch bei Googles geplanter Motorola-Mobility-Übernahme eine große Rolle. Im Wettstreit mit Apple und Microsoft erhofft sich Google dadurch eine Stärkung seines Betriebssystems Android. Zuletzt musste das Google/Motorola-Lager allerdings einen Rückschlag einstecken. Ein Richter der US-Handelsbehörde ITC befand in einer vorläufigen Entscheidung, dass der Smartphone-Hersteller Motorola gegen ein Patent des Softwarekonzerns Microsoft verstößt.

Die Börsengänge der Tech-Unternehmen
In diesem Jahr hat es mehr als 40 Unternehmen aus der IT-Welt an die Börsen gezogen, doch die Erfolge blieben zumeist aus. Die Aktien vieler Unternehmen gingen am Ausgabetag zwar oft um die Hälfte nach oben, seitdem ist der Kurs der meisten aber im Fallen. Besonders schlecht schnitt etwa FriendFinder.com ab, seit dem Start im Jänner hat die Aktie 93 Prozent verloren. Auch das chinesische Online-Netzwerk RenRen verzeichnete ein kräftiges Minus von 81 Prozent. Zuletzt wagte sich Farmville-Macher Zynga an die Börse, auch hier missglückte der Start. Nachdem die Aktien zuerst über ihren Ausgabekurs von zehn Dollar stiegen, rutschten sie schon bald ins Minus und schlossen am Ende des Handels um fünf Prozent niedriger ab. Für 2012 wird der Börsengang von Facebook mit Spannung erwartet. Ob die nur mäßige Performance der anderen Tech-Firmen auch darauf Auswirkungen haben wird, bleibt abzuwarten. Laut Experten sei es für den Facebook-Börsengang aber bereits “zu spät”.

Teamkanzler
Auf voller Linie gefloppt ist der Start von Bundeskanzler Werner Faymann in der Social-Media-Welt. Während das sogenannte “Teamkanzler” auf Twitter vor allem durch Schweigen auffiel, entgleiste der Facebook-Start in ein totales PR-Desaster. Grund: Es wurden zahlreiche Fake-Profile, also “falsche Freunde” enttarnt, die für den Kanzler auf der Fanseite aktiv waren. Letztlich geriet das eigene Team unter Verdacht, die Profile angelegt zu haben. Im Netz wuchs sich der Fall schnell zu einem Lauffeuer aus und Faymann stand samt seinem Team mit einem PR-Desaster als Lachnummer da. Ein Imageschaden, der dem Bundeskanzler noch lange nachhängen wird, wie Experten meinen.

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