Digital Life
11.01.2016

Dieselgate: VW bietet Rückkauf von 100.000 Autos an

Der Auto-Konzern könnte in den USA bis zu 100.000 Autos zurückkaufen oder gegen neue Modelle eintauschen. Diesen Plan legte man der Umweltbehörde EPA vor.

VW will die US-Behörden im zweiten Anlauf mit neuen Lösungsvorschlägen für den Abgas-Skandal zufriedenstellen. „Das Paket steht. Jetzt müssen wir sehen, was die EPA dazu sagt“, sagte Konzernchef Matthias Müller in der Nacht zum Montag vor Beginn der Detroiter Automesse.

Kampf mit EPA

Diesen Mittwoch reist Müller nach Washington zu Gesprächen mit der Chefin der US-Umweltbehörde EPA, Gina McCarthy. Im Ringen um die manipulierten Diesel-Fahrzeuge ist es das erste Spitzentreffen zwischen den US-Aufsehern und der Konzern-Führung. „Ich gehe da mit einem sehr guten Gefühl hin“, sagte Müller. Schon im November hatte VW erste Lösungsideen vorgelegt, die die Behörden aber noch nicht überzeugten.

Die deutsche Tageszeitung Bild am Sonntag hatte zuvor vermeldet, dass VW Katalysatoren in 430.000 betroffenen Fahrzeugen verbauen wolle. Diese sollen dafür sorgen, dass die Fahrzeuge die geforderten Messwerte erreichen. Laut dem Bericht wurde dafür ein neuer Katalysator entwickelt.

Rückkauf möglich

Aus VW-Unternehmenskreisen verlautete, dass auch ein Rückkauf von bis zu 100.000 betroffenen Fahrzeugen möglich sei - je nachdem, wie sehr die EPA nun von den Lösungsvorschlägen überzeugt sei. In der Abgasaffäre hat Volkswagen den US-Umweltbehörden offenbar den Rückkauf von gut 100.000 betroffenen Dieselautos angeboten. VW erwägt demnach auch die Möglichkeit, die Autos einiger Kunden gegen Neuwagen einzutauschen.

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte am Donnerstag berichtet, dass Volkswagen damit rechne, rund 115.000 der vom Dieselskandal in den USA betroffenen Autos zurücknehmen zu müssen. Für den Rest der knapp 600.000 betroffenen Fahrzeuge in den Vereinigten Staaten werde angesichts der strengen US-Abgasnormen eine aufwändige Umrüstung nötig sein. Weder Volkswagen noch die US-Umweltbehörde EPA wollten sich auf Nachfrage dazu äußern.

Dieselgate

Nach US-Ermittlungen hatte Volkswagen im September eingeräumt, weltweit in rund elf Millionen Fahrzeugen eine Schummelsoftware eingesetzt zu haben, die bei Emissionstests einen niedrigeren Stickoxidausstoss anzeigt als auf der Straße. Vergangenen Montag hatte das US-Justizministerium im Auftrag der EPA Klage gegen den Konzern eingereicht, dem eine Milliardenstrafe droht.

Volkswagen wird in der Klageschrift die Manipulation von Abgaswerten bei in den USA verkauften Autos der Marken VW, Audi und Porsche sowie der Verstoß gegen ein Gesetz zur Luftreinhaltung vorgeworfen. Außerdem wird dem Unternehmen zur Last gelegt, die US-Behörden bei der Aufklärung behindert und sogar gezielt in die Irre geführt zu haben.

Bald Entscheidung

Müller, der nach Bekanntwerden des Skandals das Ruder bei VW übernommen hatte, befindet sich auf seinem ersten offiziellen Besuch in den USA. Am Sonntagabend (Montag 01.00 Uhr MEZ) spricht er am Rande der Detroiter Messe vor Journalisten. Weitere öffentliche Termine sind nach Angaben von Volkswagen nicht geplant. Am Mittwoch will sich Müller mit der EPA-Chefin Gina McCarthy in Washington treffen.

Die Zustimmung der EPA und der kalifornischen Umweltbehörde Carb zu den Umrüstungsplänen von Volkswagen für die beanstandeten Dieselautos steht noch aus. Bis 14. Jänner soll über den Rückrufplan für die betroffenen Zwei-Liter-Motoren entschieden werden, den VW im November eingereicht hatte. Anfang Februar muss der Konzern dann einen Rückrufplan für die Drei-Liter-Motoren vorlegen.