Digital Life
18.11.2017

"Digitale Diät": Forscher ruft zu Social-Media-Boykott auf

Der Hamburger Zukunftsforscher Horst W. Opaschowski appelliert an die Jugend. Sie sollen echte Freundschaften pflegen statt sich Facebook hinzugeben.

Angesichts der wachsenden Macht von sozialen Netzwerken hat der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski (76) Jugendliche zu „digitaler Diät“ aufgerufen. Sie sollten öfter offline sein, zeitweilig aus dem Erreichbarkeits- und Beschleunigungswahn aussteigen und stattdessen echte Freundschaften pflegen, meinte der Erziehungswissenschaftler.

Facebook-Mitgründer warnt

Anlass für den Appell sind

die selbstkritischen Bemerkungen des ehemaligen Facebook-Präsidenten
und Erfinders der Musik-Tauschbörse Napster, Sean Parker. Der Milliardär hatte kürzlich auf einer Veranstaltung der US-Nachrichtenwebseite Axios in Philadelphia erklärt, am Anfang aller sozialen Netzwerke habe die Frage gestanden, wie man möglichst viel Zeit der Nutzer beanspruchen könne und dabei ihre bestmögliche Aufmerksamkeit bekomme. Die User sollten zum Opfer einer sozialen „Wertschätzungsschleife“ werden und in einen Kreislauf der sozialen Bestätigung geraten, aus dem es kaum ein Entrinnen gebe.

Opaschowski fordert nun Konsequenzen: „Wir müssen beginnen, die Zeit der Menschen genauso konsequent zu beschützen wie ihre Privatsphäre.“ Es werde Zeit zur Gegenwehr oder zum Boykott. Die Verbraucher müssten den sozialen Medien „den Zeitkrieg erklären“. Andernfalls liefen sie Gefahr, ihren Zeitwohlstand zu verlieren und ihre persönliche und soziale Lebensqualität einzubüßen.

Wege aus der Zeitfalle finden

Der Zukunftsforscher räumte zugleich ein, dass sich die Uhr im digitalen Zeitalter nicht mehr zurückdrehen lasse. Aber man könne sie für Momente anhalten. Insbesondere Jugendliche sollten neue Wege aus der Zeitfalle finden. Opaschowski rät ihnen: „Die Angst überwinden, im Leben etwas zu verpassen, wenn man nicht alles mitmacht.“ Ein weiterer Tipp lautet: „Die Hängematte wiederentdecken und sich öfter fragen: Was ist eigentlich wichtig für mich und was nicht.“