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Österreich

E-Government: Sorgen über Datensicherheit steigen

In Österreich ist die Nutzung von E-Government-Angeboten 2014 weiter gestiegen. 72 Prozent der Bevölkerung greifen auf Angebote wie help.gv.at zu oder erledigen Behördenwege online. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht dies einer Steigerung von sieben Prozentpunkten. Das geht aus E-Government-Monitor 2014 hervor, der am Montag im Wien präsentiert wurde. In dem von der Initiative D21, gemeinsam mit der Plattform Digitales Österreich und dem IT-Beratungsunternehmen CSC durchgeführten Studie, wird Nutzung und Akzeptanz der digitalen Verwaltung in Österreich, Deutschland, der Schweiz und Schweden untersucht.

Österreich liegt laut der Studie bei der Nutzung von E-Government-Angeboten knapp vor Schweden (71 Prozent) und weit vor der Schweiz ( 61 Prozent ) und Deutschland (45 Prozent). "Die Nutzung von E-Government-Angeboten in Österreich ist auf gutem Niveau", sagte Lena-Sophie Müller von der Initiative D21. Sie könne aber noch gesteigert werden. Die Hauptbarriere sei, dass viele E-Government-Angebote der Bevölkerung gar nicht bekannt seien.

Sorge um Datensicherheit

Gewachsen ist im vergangenen Jahr aber auch die Sorge um die Datensicherheit. 62 Prozent der Befragten haben Angst vor Datendiebstahl, 53 Prozent sind über mangelnde Sicherheit bei der Datenübertragung besorgt. 64 Prozent befürchten zu "gläsernen Bürgern" zu werden und 53 Prozent hätten gerne mehr Informationen darüber, was mit ihren Daten passiert.

Die Zahlen sind im Vergleich zum Vorjahr weiter gestiegen, als Sorgen über Datenschutz und Datensicherheit im Gefolge der Enthüllungen über die Internetüberwachung der US- und anderer Geheimdienste regelrecht explodierten.

"Vertrauen wichtig"

Anders als in Schweden oder in der Schweiz, wo die Bequemlichkeit das Hauptargument ist, ist für die Österreicher, aber auch für die Deutschen, Datensicherheit der wichtigste Aspekt bei der Nutzung von Angeboten der digitalen Verwaltung.

Hunderprozentige Sicherheit könne es nicht geben, sagte Christian Rupp von der Plattform Digitales Österreich. Die Webangebote der Verwaltung würden den Sicherheitsstandards entsprechen. Nennenswerte Vorfälle habe es im vergangenen Jahr keine gegeben. Es sei wichtig, bei der Bevölkerung Vertrauen herzustellen.

400.000 nutzen Handysignatur

Bürgerkarte oder die ihr gleichgestellte Handysignatur werden bereits von knapp einer halben Million Menschen in Österreich genutzt. Das Gros entfällt dabei mit 400.000 auf die Handysignatur. Rund 100.000 Österreicher haben die Bürgerkartenfunktion auf ihrer eCard aktiviert. Sie wird hauptsächlich für den Einstieg bei FinanzOnline (68 Prozent) und für Auszüge aus der Sozialversicherung (45 Prozent) genutzt. Auch für elektronische Unterschriften in Online-Formularen (31 Prozent) und für die Identifikation in diversen elektronischen Anwendungen (39) kommt die Bürgerkarte häufig zum Einsatz.

Der Trend gehe zur Handysignatur, sagte Christian Rupp von der Plattform Digitales Österreich. Sie sei einfacher zu nutzen als die Bürgerkarte. "Das wird für die Bevölkerung langsam interessant."

Die mobile Nutzung der Angebote werde in den nächsten Jahren zunehmen, sagte Rupp. Dem versuche man mit Apps, wie etwa dem Amtsfinder oder der Sicherheitsapp der Polizei entgegenzukommen.

Zufriedenheit stagniert

Die Zufriedenheit mit den Angeboten der elektronischen Verwaltung ist in den vergangenen zwölf Monaten in Österreich mit 63 Prozent konstant geblieben. Die Möglichkeit zum Feedback, wie sie etwa auf Online-Formularen der Stadt Wien bereits angeboten wird, sollen Verbesserungen bringen, sagte Rupp.

Die Leute würden über die E-Government-Angebote häufig nach "ganz einfachen" Dingen suchen. In Wien sei etwa die Reservierung von Grillplätzen auf der Donauinsel unter den am häufigsten genutzten Angeboten. Auf help.gv.at sei eine der am häufigsten gestellten Fragen: "Wann darf ich rasenmähen?". Die Verwaltung versuche dem mit "lebenssituationsbezogenen" Angeboten gerecht zu werden.

Für die auf dem Bürgerportal und dem Unternehmensportal USP.gv.at erteilten Auskünfte wären 490 Amtsschalter notwendig gewesen, meinte Rupp. "Es gibt einen Einsparungsfaktor."

Open Data

Hoffnungen setzt die Verwaltung in das wachsende Angebot an Open Data und Open Government. Bereits heute seien entsprechende Angeobte, wie etwa das Portal data.gv.at, mehr als der Bevölkerung bekannt. 41 Porzent hätten sie bereits genutzt.

Warnung vor Einsparungen

Philipp Müller von CSC warnte vor Einsparungen bei der Informationstechnologie. Die Verwaltung könne sich durch IT viel ersparen, sie solle aber nicht den Fehler machen, an der IT zu sparen. In Österreich sei das noch nicht voll im Bewusstsein der Verantwortlichen angekommen, meinte der Berater. Das IT-Budget sei heuer um 130 Millionen Euro gekürzt worden. "Wenn IT das Mittel ist, mit dem man Einsparungen generieren kann, ist das nicht das Klügste."

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Patrick Dax

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