Digital Life
16.02.2011

E-Learning für alle

Der Open Access-Gedanke brachte mehr als 200 Experten aus dem E-Learning-Bereich zusammen, um gemeinsam an einem Buchprojekt namens "L3T" zu arbeiten. Mittels Google, Skype und Social Media tauschten die Autoren ihre Ideen aus. Die FUTUREZONE sprach mit Martin Ebner, einem der beiden Initiatoren des Projekts, über den Stellenwert von E-Learing.

Alles begann im April 2010, als Martin Ebner, Dozent an der TU Graz, zusammen mit Sandra Schön von der Forschungsgesellschaft Salzburg Research ein kurzes Video auf YouTube stellte, in dem sie Autoren für ihr E-Learning-Projekt gesucht hatten. "Wir haben gedacht, dass vielleicht zehn Leute mitarbeiten wollen", so Ebner zur FUTUREZONE. Letztendlich wurden es allerdings 115 Autoren und mehr als 80 Gutachter, die sich am "L3T"-Projekt beteiligt haben. "L3T" ist übrigens eine Abkürzung für "Lehrbuch für Lernen und
Lehren mit neuen Technologien".

"Hilfsmittel wie das Buch"

"Neue Technologien sind Hilfsmittel wie es früher das Buch war. Das Lernen mit neuen Technologien bleibt der gleiche, mühseelige Prozess wie zuvor. Die Lernergebnisse werden dadurch nicht automatisch besser, aber man kann den Unterricht anders gestalten", erklärt Ebner, der sich zusammen mit einem weiteren Autor in einem Kapitel des Buchs der technischen Entwicklung "vom Overhead-Projektor zum iPad" widmet.

"Durch das Internet sind völlig neue Wege der Kollaboration möglich geworden", so Ebner. Diese wurden beim "L3T"-Projekt intensiv genützt. So kannten sich die meisten der Autoren, die zusammen an einzelnen Kapiteln des Buchs geschrieben haben, vorher nicht. Sie wurden willkürlich nach Interessensgebieten zugeteilt. "Die Autoren haben über Internet-Tools wie Skype oder Google Docs Inhalte kollaborativ erstellt und zusammengearbeitet", beschreibt Ebner.

Freie Werksnutzung entscheidend

Viele Experten auf dem Gebiet des E-Learnings, sowie der deutsche Professor für Pädagogik Rolf Schulmeister oder die deutsche Diplom-Psychologin Gabi Reinmann konnten für das Projekt gewonnen werden. Der Hauptgrund für die rege Teilnahme war der verankerte Open Access-Gedanke - also dass die wissenschaftlichen Kapiteln im Internet uneingeschränkt und kostenlos zur Verfügung stehen. "Für mich ist Open Access sehr wichtig. Die Wissenschaft öffnet sich der Öffentlichkeit, Bildung dringt nach außen", so Ebner. "Allerdings muss man auch nüchtern fragen, wie man so etwas finanziert".

Der Anreiz für Autoren liegt auf der Hand: Frei verfügbare Literatur ermöglicht einen raschen Zugang und eine hohe Zitierwahrscheinlichkeit. Doch wie können derartige Projekte wie das "L3T" finanziert werden, wenn das Werk im Internet kostenlos als PDF verfügbar ist und unter einer "Creative Commons"-Lizenz steht, die die Verbreitung ermöglicht? "Wenn man es durchkalkuliert, macht ein Projekt auf Open Acess-Basis finanziell keinen Sinn. Wir müssen Einnahmen generieren, um das Projekt langfristig am Leben zu halten", erklärt Ebner.

Patenmodell zur Finanzierung

Dies versuchen die Projektinitiatoren derzeit auf mehreren Wegen: Einerseits setzen sie auf den Social-Payment-Service Flattr. Auf diesem Weg können interessierte Nutzer per Klick spenden. Am Monatsende wird der Abonnementsbetrag des Nutzers verteilt. Andererseits haben die Initiatoren ein Patenmodell ins Leben gerufen, bei denen Firmen einen Werbeplatz für ihre Banner oder Logos in den PDFS der einzelnen Kapiteln kaufen können. "Das funktioniert derzeit noch nicht so gut, weil die Firmen gewohnt sind, per Click zu verrechnen", so Ebner. Für private Unterstützer wurde zudem ein Spendenkonto eingerichtet.

Das Buch, das seit 1. Februar online auf l3t.tugraz.at kostenlos als Download (PDF) zur Verfügung steht, wird im Mai auch in gedruckter Form erscheinen. "Das wird aber sicherlich keine Haupteinnahmequelle, da die Hauptzielgruppe Bibliotheken sein werden", meint Ebner.

Virale Verbreitung

Über die rasche Verbreitung der Inhalte macht sich Ebner dagegen weniger Sorgen. "Die Autoren versenden Links zu ihren Beiträgen über Twitter, Facebook und andere Social Media-Kanäle, oder schreiben Weblogs", erklärt Ebner. Auch fürs iPad, iPhone und Android-Smartphones steht das wissenschaftliche Werk, an dem über 200 Personen mitgearbeitet haben, zur Verfügung.

Ebners Kapitel über die Entwicklung "vom Overhead-Projektor bis hin zum iPad" wurde zudem als interaktives eBook umgesetzt. "Damit wollten wir zeigen, was alles möglich wäre". Ebner hofft, dass langfristig genug Geld reinkommt, um das Projekt auf dem Laufenden zu halten - denn die Entwicklung von E-Learning ist keinesfalls bereits an ihrem Ende angelangt.

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( Barbara Wimmer)