Börse
01/04/2011

Ein Facebook-Freund ist 90 Dollar wert

Das soziale Netzwerk ist 50 Milliarden Dollar wert. Eine Summe, die sich jüngst durch das Investment der US-Großbank Goldman Sachs ergab. Der Betrag klingt nach aberwitzig viel, umgelegt auf die Nutzer sind es aber nur eine Handvoll Dollar.

Es erinnert fatal an den Boom der New Economy vor gut zehn Jahren, der sich als riesige Blase erwies: Facebook, das mit mittlerweile rund 550 Millionen Nutzern größte soziale Netzwerk der Welt, wird aktuell mit 50 Milliarden Dollar (37,5 Mrd. Euro) bewertet. Diese immense Summe ergibt sich aus den jüngsten Investitionen der US-Großbank Goldman Sachs und einer russischen Investmentfirma. Wenn das Netzwerk 2012 an die Börse kommt, könnte der Wert noch viel höher stehen.

Mark Zuckerberg (26) kann sechs Jahre nach der Gründung ein Unternehmen vorweisen, das schon jetzt mehr wert ist als eBay oder Yahoo. Und das, obwohl die Einnahmen meilenweit hinterherhinken. Facebook soll 2010 zwei Milliarden Dollar durch Werbung und Vermarktung von Kundendaten eingenommen haben. Das schafften eBay oder Yahoo in einem einzigen Quartal.

Droht das Platzen der Blase?
Kommt nun eine neuerliche dot.com-Blase auf uns zu? "Nein", sagt Leopold Sacher, im Raiffeisen Research auf die IT-Branche spezialisiert. Die gesamte Branche sei historisch betrachtet relativ günstig. Bei einzelnen Unternehmen könnte es aber Überhitzungen geben. 50 Milliarden Dollar sind das 25-Fache der Jahreseinnahmen. "Das ist aberwitzig", so Salcher. Die Bewertung dividiert durch die User-Anzahl macht dagegen "nur" rund 90 Dollar aus. Salcher: "Das klingt wieder nicht so viel."

"Mehr als die Hälfte der Nutzer besucht täglich Facebook. Das ist der Stoff, aus dem hohe Bewertungen sind", meint Monika Rosen, Chefanalystin im Private Banking der UniCredit. Das würde auch die gigantischen Wachstumsraten reflektieren. Die große Frage: Was kann Mark Zuckerberg auf dem bestehenden Netzwerk aufsetzen? Und was die Börsianer besonders interessiert: Kann Facebook neue Einnahmequellen erschließen? "Da wäre mehr Differenzierung nötig", stellt Rosen fest.

Zuckerberg hat mit dem Börsengang keine Eile. Geld von außerhalb zu bekommen, bedeutet für ihn auch, nicht mit Firmenkennzahlen rausrücken zu müssen. Das kann sich aber rasch ändern. Goldman Sachs hat einen "Sonderfonds" geschaffen, mit dem ausgewählte Kunden in Facebook investieren können. Sind mehr als 499 Kunden in dem Fonds, hat die US-Börsenaufsicht SEC das Recht, die Veröffentlichung von Facebook-Kennzahlen zu fordern, auch wenn Facebook noch nicht an der Börse notiert.
In den USA ist Facebook mittlerweile die beliebteste Internet-Seite und hat Google überholt. Google ist an der Börse 193,3 Milliarden Dollar wert. Der Konzern hat 2010 geschätzte 9,3 bis 9,5 Milliarden Dollar Gewinn eingefahren.

(Christine Klafl)