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Ineffizienz

Eine Milliarde Dollar für ein Online-Formular

Ein Bericht der Washington Post sorgt in den USA für einiges Aufsehen. Darin wird geschildert, wie die US-Einreisebehörde USCIS, ein Teil des Department of Homeland Security (DHS) eine Unmenge von Zeit und Geld verschwendete, um ein elektronisches Immigrationssystem zu erschaffen, das bis heute nicht exisitert. Der ursprüngliche Plan war es, ein ineffizientes, auf Papierformularen basierendes Prozedere durch ein Online-System zu ersetzen.

Das DHS vergab den Auftrag dafür an IBM. Allerdings mangelte es an dem Punkt bereits an wichtigen Vorbereitungen. Anforderungen und Ziele wurden nur unklar formuliert. IBM wiederum verwendete einen veralteten Projektbearbeitungsansatz, der die Entwicklungszeit in die Länge zog. Erste Prototypen des Systems waren so fehlerhaft, dass bereits veröffentlichte Online-Formulare wieder zurückgezogen werden mussten. Heute ist nur eines von hunderten geplanten Formularen in einer Online-Version zugänglich.

Papierbasierte Behörde

"Wir befinden uns im elften Jahres dieses Projekts, es gibt nur ein Formular und wir sind immer noch eine papierbasierte Behörde", sagt der Ex-Gewerkschafter Kenneth Palinkas, der die USCIS-Angestellten vertrat. Formulare werden weiterhin von einem Amt zum anderen geschickt. Dabei kommt es oft zum Verlust einzelner Aktenteile, wodurch Immigrationsanträge um Jahre verzögert werden.

In vielen Fällen kommt es dazu, dass Antragsteller dadurch Fristen überschreiten und Unterstützungsleistungen verlieren. Nun soll das Projekt grundlegend überarbeitet werden. Ein cloudbasiertes System ist in Arbeit. Währenddessen wird es allerdings wahrscheinlich zu einer Reform der Immigrationsgesetze kommen, bei der Millionen illegale Immigranten eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten sollen. Das System steht dadurch vor dem völligen Kollaps.

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