Digital Life
11.07.2018

Erste Bank: Österreicher finden Fintechs nicht interessant

Immer mehr Menschen erledigen Bankgeschäfte online, Finanz-Start-ups seien aber dennoch nur für wenige attraktiv, sagt eine Studie der Erste Bank.

Anhand einer repräsentativen Integral-Umfrage im Auftrag der Erste Bank und Sparkassen wurde das Bank-Verhalten der Österreicher untersucht. Erwartungsgemäß wurde festgestellt, dass immer mehr Menschen Online-Banking nutzen. 58 Prozent der Befragten gaben an, ihre Bankgeschäfte via Internet abzuwickeln. Vertreten seien alle Altersklassen. Bei den 20- bis 39-Jährigen nutzen 82 Prozent Online-Banking, bei den 40- bis 59-Jährigen sind es 64 Prozent, genauso wie bei den 15- bis 19-Jährigen. Bei den über 60-Jährigen noch 25 Prozent.

Die zuletzt verstärkt aufkommenden Fintechs sind für die Befragten laut der Studie keine attraktive Alternative zu den etablierten Finanzinstituten, 81 Prozent finden die entsprechenden Banking-Angebote nicht interessant.

Auch den führenden Internet-Riesen würden die Befragten demnach ihre Bankgeschäfte nicht anvertrauen. 83 Prozent gab an, Amazon hier nicht zu trauen, 87 Prozent würden Google ihre Finanzen nicht überlassen. Das mit Abstand größte Misstrauen verzeichnet Facebook, 95 Prozent würden ihre Geldangelegenheiten nicht von dem Online-Dienst verwalten lassen.

Datensicherheit

Lediglich neun Prozent denken laut der Befragung, dass die eigenen Daten bei Amazon sicher sind. Bei Online-Banking sind es demnach 72 Prozent. Grund dafür dürften unter anderem die zuletzt immer wieder bekannt gewordenen Datenlücken großer Konzerne sein. Laut Erste-Group-Vorstand Peter Bosek werden Konsumenten müde, sich mit Sicherheitslücken zu beschäftigen. “Das ist die Positionierungschance für uns als Industrie. Uns ist das Thema Datenschutz in die Wiege gelegt”, so Bosek.

Stolz sei die erste Bank auf den Umstand, dass die eigenen Kunden laut der Umfrage überdurchschnittlich stark digitales Banking nutzen. So gaben 71 Prozent der eigenen Kunden an, ihre Geldgeschäfte über Smartphone, Tablet oder Computer zu erledigen. Die hauseigene Plattform George werde aus diesem Grund laufend weiterentwickelt und auch international eingesetzt.

Kooperation mit Fintechs

Das Thema Fintechs ist für die Erste aber dennoch auch weiterhin ein interessantes Thema, wie Bosek erklärt. “Das was N26 zustande bekommen hat, ist sensationell”, so Bosek. Nun seien die Fintechs in einer Phase, wo sich die Spreu vom Weizen trenne. Die erste Bank sei auch weiterhin an Kooperationen mit Fintechs interessiert. “Wir wollen die Blockbuster herausfinden und anbieten", so Bosek.

Als Bedrohung sehe man die FInanz-Start-ups aber nicht. “Fintechs sind Software-Companies, die einen Abschnitt aus der Finanzdienstleistung herausnehmen und optimieren”, so Bosek. Im Vergleich zu länger bestehenden Instituten hätten sie den Vorteil bei null beginnen zu können und nicht auf ein bestehendes IT-System aufbauen zu müssen. Die Schwierigkeiten für die Start-ups würden dann zumeist bei der Kundengewinnung entstehen. “Es ist eine Fehlannahme, dass digitale Kundengewinnung nichts kostet”, so Bosek.

Es wurde in der Fintech-Welt viel “Geld verbrannt”, meint Bosek. Vor allem dort, wo es in den Zahlungsverkehr ging: “Weil sich Google und Apple Pay hier künftig durchsetzen werden”, wie Bosek erläutert. “Da sind wir auch an Kooperationen interessiert.” Dass die Österreicher Google nicht ihre Bankgeschäfte anvertrauen wollen, sieht er nicht als Widerspruch. Die Unternehmen hätten einfach genug Kapital, um das jahrelang auszuprobieren, wie er erklärt

Amazon als Vorbild

Die Stärken von Amazon sehe man laut Bosek vor allem bei der Customer Experience. Besonders die Ein-Klick-Lösungen des Versandhändlers seien hier ein Vorbild. Auch Bankgeschäfte sollen online in möglichst kurzer Zeit durchführbar sein: “Wir müssen versuchen, so nah wie möglich an einen Klick zu kommen”, so Bosek. “Aufgrund verschiedener Regulatorien werde man das nicht schaffen. “Wir müssen einfach versuchen, die Kunden mit drei Klicks zufrieden zu machen”, so Bosek.