Digital Life
08.11.2016

Erster Mapathon in Österreich: Kartieren für Ärzte ohne Grenzen

Mehr als 40 Freiwillige haben sich in Wien getroffen um Straßen und Objekte auf Karten von Simbabwe zu markieren.

Humanitäre Hilfe aus der Ferne: Das Rote Kreuz hat in seiner Wiener Zentrale den ersten österreichischen Mapathon abgehalten. Mehr als 40 Freiwillige, die mit Kaffee und Kuchen versorgt wurden, haben daran teilgenommen. Bei Mapathons werden Satellitenaufnahmen per Hand mit Geodaten versehen. So werden Straßen, Häuser und andere Objekte auf den Luftbildern markiert. Die Karten sind dann bei OpenStreetMap kostenlos zugänglich. Das Markieren ist nötig, da es für manche Länder keine, nur unzureichende oder veraltete Informationen gibt. Mit dem bei Mapathons geschaffenen Kartenmaterial können sowohl Einheimische als auch Hilfsorganisationen besser in den Gebieten navigieren.

Beim ersten österreichischen Mapathon handelte es sich um ein Projekt von Ärzte ohne Grenzen. Die Kartierung der Straßen in Mwezeni soll die medizinische Versorgung von HIV-Patienten erleichtern. „Die Menschen vor Ort können noch weitere Details hinzufügen“, sagt Bassam Qashqo, einer der freiwilligen Helfer. Er ist gebürtiger Syrier, Geograph und GIS- Experte, der seit 2012 für das Rote Kreuz in Damaskus aktiv war, bevor er vor dem Krieg flüchten musste. „In Syrien habe ich zum Beispiel mitgeholfen, anhand von GPS-Daten eine interaktive Karte von Brunnen in Aleppo zu erstellen – damit die Leute mit Hilfe ihres Handys rasch wissen, wo sie sauberes Trinkwasser bekommen.“

Regelmäßige Mapathons geplant

In drei Stunden wurden beim Mapathon 2.286 Straßen und 2.273 Gebäude kartiert. Das Rote Kreuz plant gemeinsam mit Ärzte ohne Grenzen in regelmäßigen Abständen Mapathons abzuhalten. Derzeit wird abgeklärt, ob die nächste Veranstaltung bereits im Jänner stattfindet. NGOs und Hilfsorganisationen können im Task Manager Bedarf für Kartenmaterial anmelden. Dieser wird dann in Mapathons abgearbeitet.

Wie die Zukunft noch aufwändigerer GIS-Anwendungen und deren Bedeutung für humanitäre Organisationen aussehen könnte, zeigt ein Forschungsprojekt des Roten Kreuzes mit der Universität Salzburg und anderen Partnern. Die Analyse von Radar- und Satellitenbildern, die teilweise automatisch passiert, unterstützt die Helfer knifflige Szenarien zu lösen. Etwa wenn es darum geht, die Größe von Bevölkerungen abzuschätzen, Camps zu vermessen, oder zu beurteilen wo es sich lohnen würde, nach Wasser zu graben. 3D-Modellierung könnte dazu dienen, mehr über die Beschaffenheit von städtischen Gebieten und die dort stehenden Häuser zu erfahren.