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Digital Life
06/15/2019

Experten entdecken LinkedIn-Spionin mit KI-generiertem Gesicht

Katie Jones war mit dem Who-is-Who der US-Politik vernetzt, existiert aber nicht. Kein Einzelfall, sagen Experten.

Das Business-Netzwerk LinkedIn ist zum beliebten Spielfeld von Geheimdiensten geworden. Ein gerade entdecktes Fake-Profil zeigt, wie so etwas laufen kann, berichtet Associated Press. Das Profil einer Frau namens Katie Jones wurde als Deckmantel für Spionage entlarvt. Der Betreiber des Profils hat offenbar ein Profilfoto verwendet, dass durch ein Generative Adversarial Network (GAN - eine Art künstlicher Intelligenz) erstellt worden ist, sind Experten überzeugt.

Hochrangige Freunde

"Ich bin überzeugt davon, dass das ein Fake-Gesicht ist", sagt etwa Mario Klingemann, ein deutscher Künstler, der seit vielen Jahren mit künstlich erstellten Porträts arbeitet. "Es hat all die Anzeichen dafür." Jones Profil hatte es geschafft, sich auf LinkedIn mit maßgeblichen Playern in der US-Politik zu vernetzen. Zu ihren Bekanntschaften zählten u.a. hochrangige Beamte, Mitglieder von Think-Tanks oder aufstrebenden Anwärtern für Topjobs in Regulierungsgremien.

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"Schadet nicht" stimmt nicht

Auf akzeptierte Vernetzungsanfragen von Jones angesprochen, meinten einige der LinkedIn-Nutzer, sie hätten keinen Schaden darin gesehen, sich mit der Unbekannten zu verbinden. Experten sind davon überzeugt, dass diese Einstellung von vielen LinkedIn-Nutzern geteilt wird. Durch das Vernetzen verschafft man Fake-Profilen allerdings Glaubwürdigkeit und veranlasst andere Nutzer, weniger skeptisch gegenüber dem entsprechenden Profil zu sein.

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Noch nie gehört

Die Nonexistenz von Katie Jones flog auf, nachdem Mitarbeiter von angeblichen ehemaligen Arbeitgebern von Jones darauf aufmerksam wurden. Sie stellten Nachforschungen an, weil sie noch nie etwas von Jones gehört hatten und meldeten daraufhin Jones Profil. Dieses wurde daraufhin deaktiviert.

Beliebter Tummelplatz

Es handelt sich offenbar um keinen Einzelfall. Da LinkedIn vornehmlich zum Aufbau beruflicher Netzwerke verwendet wird, ist die Bereitschaft, sich mit bisher Unbekannten zu vernetzten, hoch. Spione machen sich diesen Umstand zunutze, um vertrauliche Beziehungen zu potenziellen Zielen aufzubauen.