Digital Life
20.05.2018

Experten halten nordkoreanische Hacker für die besten der Welt

Nordkorea entsendet Hacker ins Ausland, um Banken und Kryptobörsen in aller Welt anzugreifen. Ihre Familien erhalten große Privilegien.

In einer ausführlichen Reportage widmet sich GlobalPost Investigations der nordkoreanischen Hacker-Szene. Laut Ansicht mehrerer Experten, darunter Berater des südkoreanischen Geheimdienstes, zählen Cyberkriminelle aus dem isolierten Land zu den besten der Welt. Der desertierte nordkoreanische Informatiker Kim Heung-Kwang meint etwa: "Wenn es um staatlich gesteuertes Hacking geht, werden die meisten Leute sagen: Amerika ist Nummer eins, Russland Nummer zwei, China Nummer drei und so weiter. Aber vollbringt irgendjemand so viele erfolgreiche Hackerangriffe wie Nordkorea?"

Zellen im Ausland

Auf das Konto nordkoreanischer Cyberangreifer gehen etwa der Datendiebstahl bei Sony Pictures im Jahr 2014, die weltweite Verbreitung der Schadsoftware WannaCry und nicht zuletzt ein erfolgreicher Angriff auf die Federal Reserve Bank in New York. Alleine bei letzterem Cyberangriff wurden 81 Millionen Dollar erbeutet. Direkt aus Nordkorea werden solche Angriffe nicht durchgeführt. Stattdessen entsendet das Regime seine besten Hacker in Länder mit besserem Internetzugang. So kann die staatlich geförderte Cyberkriminalität auch schlechter zurückverfolgt werden.

Besseres Leben

Für junge Nordkoreaner zahlt es sich aus, Teil des auf Englisch Reconnaissance General Bureau (RGB) zu werden, wie sich Nordkoreas Äquivalent zum CIA nennt. Können sie sich während ihrer Ausbildung auszeichnen, haben sie und ihre Familie Aussicht auf ein privilegiertes Leben. Sie erhalten etwa Wohnungen in Pjöngjang und erhalten Zugang zu Lebensmitteln, die man sonst in Nordkorea nicht erhält, etwa tropischen Früchten. Die Familien fungieren gleichzeitig als Druckmittel, wenn ins Ausland entsandte Agenten auf falsche Gedanken kommen.

Wichtige Einnahmen

In den vergangenen Jahren sollen Nordkoreas Hacker über 100 Banken und Kryptobörsen in über 30 Ländern angegriffen und dabei über 650 Millionen Dollar erbeutet haben. Für das Regime bedeutet dies eine wichtige Einnahmequelle, für die es laut Andrej Lankow, einem weiteren Experten für Nordkoreas Cyberaktivitäten, folgende Prioritäten gibt: "Erstens: Chanel-Taschen für die Gefährtinnen der obersten Führungsebene. Zweitens: Antibiotika für kranke Kinder. Drittens: Reis für die unterernährte Bevölkerung. Viertens: Bestandteile für eine neue Interkontinentalrakete, die New York treffen könnte."

Sanktionen

Für Nordkorea stellen Cyberangriffe nicht nur einen lukrativeren Einkommensweg als das Fälschen ausländischer Banknoten oder die Produktion von Rauschgift dar - alles schon passiert -, sondern Sanktionen sind dagegen nicht wirksam. Mit Spannung erwarten Experten, wie sich das Gipfeltreffen von Donald Trump und Kim Jong-Un auf Nordkoreas Wirtschaft - und möglicherweise auch auf Nordkoreas Cyber-Aktivitäten - auswirken wird. Kim Heung-Kwang: "Vielleicht wird das eine Romanze oder ein Actionfilm. Eines steht fest: Wenn sich die beiden jemals treffen, werden sich zwei der seltsamsten Menschen der Welt treffen."