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Marketing Facebook erlaubt Inzest-Zielgruppe.

Die Schattenseite von Facebook
Die Schattenseite von Facebook - Foto: dpa-Zentralbild/Jens Büttner
Facebook ermöglicht es Werbetreibenden, ihre Reklame zielgerichtet an Nutzer mit bestimmten Interessen auszuspielen. Dazu gehören auch Inzest oder Nekrophilie.

Es ist Facebooks Geschäftsmodell, die Interessen seiner Nutzer möglichst genau zu kennen und diese dann an Werbekunden zu verkaufen. Dabei werden Nutzer entsprechend ihres Online-Verhaltens zu Interessenskategorien zusammengefasst, die Werbetreibende dann buchen können. Dadurch entstehen auch mutmaßliche Gesinnungsgemeinschaften, die eher grotesk anmuten. Facebook führt etwa „Kinderpornografie“, „Nekrophilie“, „Sodomie“, „Anorexie“, „Kannibalismus“, „Inzest“, „Herrenrasse“, „Endlösung der Judenfrage“, „Konzentrationslager“, „Bukkake“, „Joint“ und „Pornografie“ als Themen, deren mutmaßliche Fans gezielt ins Reklame-Viesier genommen werden können, wie die OnlineMarketingRockstars herausgefunden haben.

Auf die Kategorien gestoßen sind die Marketing-Leute beim Versuch, "the verge" als Interessensgebiet zur Einschränkung für eine Werbekampagne einzugeben. Die Autovervollständigung hat bei Eingabe von "verge" aber "Vergewaltigung" ausgespuckt, woraufhin weitere Begriffe ausprobiert wurden. Facebook zeigt potenziellen Werbern auch gleich an, wie viele Personen sich für das gewählte Thema interessieren. Im Falle von Kinderpornografie sind das derzeit demnach über 360.000 User. Auf Nachfrage hat das soziale Netzwerk den Marketing Rockstars erklärt, dass die Einteilung in solche Kategorien auf Basis folgender Informationen erfolgt:

  • Seiten, die Nutzer ihrer Chronik hinzugefügt haben
  • Themen, die in Bezug zu Seiten stehen oder die Nutzer mit "Gefällt mir" markiert haben
  • Stichwörtern und eng verwandten Themen
  • Von Nutzern verwendeten Apps
  • Werbeanzeigen, auf die Nutzer geklickt haben

 

Kein Indikator

Die User selber bekommen von dieser Kategorisierung nichts mit, außer sie laden sich die Informationen, die Facebook über sie gesammelt hat, herunter und analysieren diese. Nur in den USA sind die Kategorien für Nutzer direkt einsehbar. Dass eine Person in die Kategorie Vergewaltigung gesteckt wird, bedeutet laut Faebook jedoch nicht, dass eine entsprechende Neigung vorhanden ist. Das soziale Netzwerk erklärt, dass auch ein Like für "gegen-missbrauch e. V." zu einer solchen Kategoriesierung führen kann. Auch das Liken einer Seite, auf der den Kategorien verwandte Begriffe auftauchen - wenn auch nur im Scherz oder als Protest - kann schon ausreichen.

Als Leser dieses Artikels oder Like-Geber für die futurezone-Webseite sind Besucher also bereits gefährdet. Streitbare Kategorien existieren laut Facebook hauptsächlich, um es NGOs und Regierungsorganisationen zu erlauben, Informationskampagnen zu starten und Präventionsarbeit zu leisten. Als tatsächliches Zielinstrument für Werbung taugen die Kategorien kaum, weil illegale und anstößige Inserate von Facebook nicht akzeptiert werden. Jedes Werbeansuchen wird vom sozialen Netzwerk kontrolliert.

(futurezone) Erstellt am 28.07.2014, 14:52

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