Digital Life
08.06.2011

Facebook: Schutz vor umstrittenen Foto-Tags

Fotos werden ab sofort vom Online-Netzwerk gescannt und Gesichter von Mitgliedern identifiziert. Nutzer müssen in den Privatsphäre-Einstellungen nachjustieren, wollen sie die verbreitung der Foto-Tags unter Kontrolle halten.

"Die von dir hochgeladenen Fotos wurden automatisch zusammengefasst, damit du schnell Freunde in diesen markieren und darüber benachrichtigen kannst“: So macht Facebook seit Dienstag Nutzer nach dem Hochladen von Fotos auf eine neue, kontroverse Funktion aufmerksam. Die Software erkennt Gesichter von Facebook-Mitgliedern auf den Fotos automatisch. Schon seit geraumer Zeit können die Nutzer händisch Personen auf ihren Schnappschüssen markieren. Sofern diese einen Facebook-Account haben, wird das Bild in ihrem Profil angezeigt.

„Jeden Tag werden 100 Millionen Markierungen auf Fotos gemacht“, so Facebook-Ingenieur Justin Mitchell. Viele Nutzer hätten sich aber beschwert, dass dieses händische Markieren („Taggen“) vor allem bei großen Fotoalben mühsam sei. Diese Beschwerden nahm Facebook jetzt offensichtlich zum Anlass, die Funktion gleich weltweit und ohne Zustimmung der Nutzer freizuschalten – auch für Österreichs etwa 2,5 Millionen Mitglieder.

Neue RegelnDerzeit darf man nur von direkten Facebook-Freunden markiert werden – das sind im Schnitt immerhin 130 Personen. Nach dem Upload eines oder mehrerer Fotos schlägt ihnen Facebook die Namen jener Kontakte vor, die wahrscheinlich darauf zu sehen sind. Funktionierte die Gesichtserkennung im futurezone-Check noch eher schlecht (die Software scheitert etwa an Sonnenbrillen), dürfte sie mit der Zeit immer genauer werden. Je öfter eine Person auf verschiedenen Fotos verzeichnet wurde, desto besser kann Facebook sie auf einem neuen Bild erkennen.

Bleibt es derzeit noch bei Markierungsvorschlägen, befürchten vor allem Datenschützer, dass in Zukunft Personen vollautomatisch und ohne Zutun der Nutzer markiert werden. „Die Gesichtserkennung ist vor allem deswegen bedenklich, weil Kameras allgegenwärtig sind und wir ständig unsere Gesichter herzeigen“, sagt etwa Lee Tien von der US-Datenschutzorganisation „ Electronic Frontier Foundation“ zu PC World. Jeder könne Menschenmengen fotografieren und hätte damit ein viel besseres Mittel zum Identifizieren von Fremden, als dies mit Fingerabdrücken möglich sei.

Mehr Klicks Will Facebook vordergründig den Nutzern Handarbeit abnehmen, steckt hinter der neuen Funktion wirtschaftliches Kalkül. Je mehr Gesichter markiert werden, desto mehr Nutzer werden die Fotos auch ansehen. Dadurch kann Facebook die Zugriffe steigern und Google und anderen Webseiten Nutzungszeit abluchsen, in der Werbung gezeigt wird. Insidern zufolge soll Facebook mit seinen Online-Anzeigen 2011 etwa vier Milliarden US-Dollar einnehmen.

Fotos sind ein wichtiger Faktor für den Erfolg von Mark Zuckerbergs (27) Webseite: Seit der Gründung 2004 sorgen sie dafür, dass die Mitglieder viel Zeit im Online-Netzwerk verbringen – das stundenlange Stöbern in Fotoalben wird auch als „Facebook-Trance“ bezeichnet. Fotos waren es auch, die Zuckerberg zu Beginn inspirierten: Sein erster Web-Dienst „Facemash“ erlaubte es Studenten der Universität Harvard, die attraktivsten Studentinnen auf Schnappschüssen zu wählen – Facemash wurde über Nacht ein Riesen-Hit.

Tipps zum SchutzWer unterbinden will, durch andere Facebook-Nutzer mittels so genanntem „Tag“ auf Fotos markiert zu werden, muss das mit Hilfe der „Privatsphäre-Einstellungen“ tun: Markierungsvorschläge unterbinden: Unter „benutzerdefinierte Einstellungen“ findet sich die Option „Freunden Fotos von mir vorschlagen: Wenn ein Foto nach mir aussieht, meinen Namen vorschlagen“. Diese Einstellung ist standardmäßig auf „Aktiviert“ gestellt und kann auf „Gesperrt“ geändert werden. Fotos und Videos unsichtbar machen: Außerdem kann man „Fotos und Videos, in denen du markiert wurdest“ für andere unsichtbar machen, indem man diese Option auf „Nur ich“ setzt. Prinzipiell kann man aber immer markiert werden.Notifications aufdrehen: Wer per E-Mail gewarnt werden will, dass er markiert wurde, setzt unter „Kontoeinstellungen“ -> „Benachrichtigungen“ das Häkchen bei „...dich auf einem Foto markiert“. Dann kann man die Markierung im Nachhinein löschen.

Einstellungen Wer unterbinden will, durch andere Facebook-Nutzer mittels so genanntem „Tag“ auf Fotos markiert zu werden, muss das mit Hilfe der „Privatsphäre-Einstellungen“ tun. Unter „benutzerdefinierte Einstellungen“ findet sich die Option „Freunden Fotos von mir vorschlagen: Wenn ein Foto nach mir aussieht, meinen Namen vorschlagen“. Diese Einstellung ist standardmäßig auf „Aktiviert“ gestellt und kann auf „Gesperrt“ geändert werden. Außerdem kann  man „Fotos und Videos, in denen du markiert wurdest“ für andere unsichtbar machen, indem man diese Option auf „Nur ich“ setzt. Prinzipiell kann man aber immer markiert werden.

Tags löschen Wer per E-Mail gewarnt werden will, dass er markiert wurde, setzt unter „Kontoeinstellungen“, „Benachrichtigungen“ das Häkchen bei „...dich auf einem Foto markiert“. Dann kann man die Markierung im Nachhinein löschen.

Mehr zum Thema