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USA
01/27/2011

Facebook soll Kläger vor Gericht entlarven

In den USA versuchen Anwälte und Konzerne vermehrt Kommentare und Fotos aus Facebook heranzuziehen, um die Aussagen von Klägern zu widerlegen. Immer mehr Richter verordnen die Offenlegung der Daten.

Private Fotos, Status-Updates und sonstige Kommentare auf Seiten von sozialen Netzwerken wie Facebook bleiben in den USA vor Gericht nicht mehr so privat wie sie einmal waren. Immer mehr Richter ordnen an, dass die Kläger ihre Daten von Online-Netzwerken offenlegen sollen, wenn diese gegen Konzerne vor Gericht ziehen.

Auch wenn Facebook-Seiten nicht öffentlich zugänglich sind, und etwa nur "Freunde" die Einträge oder Fotos sehen können, können sie in den USA vor Gericht als Beweis herangezogen werden. Dies geschah unlängst in zwei Fällen vor Landesgerichten.

Fotos als Gegenbeweis

So verwendeten etwa die Anwälte, die unlängst im Staat New York einen Konzern vor Gericht vertreten hatten, als eine Frau behauptet hatte, sie wäre bettlägrig, seit sie von einem kaputten Stuhl runtergefallen war, Facebook-Fotos, die sie lächelnd vor ihrem Haus zeigten, als Gegenbeweis. Richter Jeffrey Arlen Spinner ordnete eine Offenlegung ihrer Facebook- und MySpace-Konten an.

Jim Dempsey, Vizepräsident im Zentrum für Demokratie und Technologie, stellt hier eine Veränderung zu früher fest. Bürger würden immer mehr Daten von sich online bereitstellen. Während die Privatsphäre früher respektiert wurde, scheint dieser Respekt jetzt immer mehr zu schwinden - zumindest vor Gericht. "Jeder hat ein Recht auf Privatsphäre, der seine Daten auf Facebook privat hält. Aber in einem Prozess scheint dieses Recht jetzt außer Kraft zu treten."

Persönliche Daten erzwingen

Derartiges ist in den USA in einer Stored Communications Act geregelt. Bisher wurde dieses Gesetz so interpretiert, dass persönliche Daten aus sozialen Netzwerken nicht herausgegeben werden mussten. Die Verteidiger fanden allerdings einen "Trick". Sie baten die Richter, die Kläger anzuordnen, ein Formular zu unterschreiben, dass besagt, dass diese auf die privaten Daten zugreifen können. Die meisten werden sich in solchen Fällen denken, dass sie "ja nichts zu befürchten hätten". Doch vor Gericht wird von den Verteidigern der Konzerne oft jedes Detail zerpflückt.

Wie dies für die Kläger enden kann, zeigt beispielsweise ein Fall aus Pennsylvania: Der Rennwagenfahrer Bill McMillen verklagte den Besitzer einer lokalen Rennbahn, Hummingbird Speedway. Er klagte, dass er durch den Unfall die Freude am Leben verloren hätte. Der Anwalt der Rennbahn fand auf Facebook allerdings Fotos und Kommentare, die McMillen beim Fischen in Flordia zeigten - und zwar nach dem Unfall. Der Anwalt wollte daraufhin weiter recherchieren, der Richter John Henry Foradora erlaubte es ihm. "Es wäre unrealistisch zu glauben, dass diese Daten vertraulich seien", begründete der Richter seine Entscheidung. Das Urteil zu dem Fall steht noch aus.

Nicht alle Fälle enden mit einer Offenlegung der privaten Facebook-Daten, es werden allerdings immer mehr.

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(futurezone/Reuters)

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