Digital Life
10.11.2016

FinTechs: Bargeld bleibt, Bankfilialen verschwinden

Auf dem futurezone Day waren sich Banken, Finanzdienstleister und Start-ups einig: Das Bargeld wird bleiben, doch die Bankfilialen werden durch digitale Lösungen ersetzt.

Wie werden wir in Zukunft bezahlen - mit Bargeld, Karte oder gar mittels implantiertem Chip? Und wird es noch Bankfilialen und Bankberater geben? Diese Fragen beschäftigte eine prominent besetzte Diskussionsrunde am ersten futurezone Day, bei dem etablierte Finanzinstitute und deren Start-up-Rivalen (auch als FinTechs bekannt) über die Zukunft der Branche sprachen.

Apple fragt nach

„In Österreich ist der Trend derzeit noch eindeutig“, erklärt Rainer Schamberger, CEO von PSA Payment Services Austria. „Rund 80 Prozent der Zahlungen entfallen auf Bargeld, der Rest sind Kartenzahlungen. In Ländern wie Schweden ist es genau umgekehrt.“ Doch obwohl sich die Österreicher scheinbar nicht vom Bargeld trennen können, sind andere Lösungen auf dem Vormarsch. „Wir sind europaweit auf Platz zwei, wenn es um das Wachstum beim kontaktlosen Bezahlen geht“, so Schamberger. Man habe die Zahl der kontaktlosen Transaktionen von drei Millionen auf neun Millionen pro Monat steigern können.

„Der Kulturwechsel von der Geldbörse zum Smartphone geht halt nicht in einem Jahr“, so Ferdinand Hecke vom Start-up „Blue Code“. „Blue Code“ erlaubt das Bezahlen per Smartphone-App bei zahlreichen Händlern, unter anderem den Supermärkten der REWE-Gruppe. Das Start-up ist eine der wenigen Mobile-Payment-Lösungen, die derzeit in Österreich angeboten werden. Selbst Apple, das mit Apple Pay in einigen Ländern als Zahlungsdienstleister tätig ist, zeigte sich darüber verwundert. „Als wir die App eingereicht haben, haben sie sich sogar bei uns gemeldet und gefragt, warum wir das machen - bisher hatte noch keiner Mobile Payment in Österreich angeboten.“

Weg von Filialen

Die Angst, dass es in naher Zukunft kein Bargeld mehr geben könnte, hat Petra Walter von der Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien nicht: „Die Rolle des Bargeldes wird sich vermutlich nur etwas verändern. Wir sind es vermutlich auch noch von früher gewohnt, weil es da so viele verschiedene Währungen gab.“ Dem stimmt auch Max Nedjelik vom Bankberatungs-Start-up „Baningo“ zu. „Viele können sich nicht vom Bargeld trennen, weil sie glauben, dass sie ihre Ausgaben besser im Blick behalten können.“

Zumindest im Hinblick auf Anonymität verspricht Schamberger Lösungen für digitale Zahlungen: Dank der Blockchain soll es hier auch bald Wege geben, mit denen man schnell und anonym Geld transferieren kann, ähnlich wie Bitcoins. Etwas, von dem man sich wohl rasch verabschieden muss, sind Bankfilialen. „Der österreichische Markt hat eine hohe Dichte an Filialen und Bankstellen und ich glaube nicht, dass das so bleiben wird“, sagt Walter.

Die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien habe eine Kundenstudie durchgeführt, bei der man sechs verschiedene Personentypen identifiziert habe. Fünf davon sind stark digital, nur eine ist eher analog orientiert und hängt an den Filialen. „Jeder dieser Kundentypen sagt aber, sie wollen jemandem hin und wieder in die Augen schauen können“, relativiert Walter. Dem stimmt Nedjelik von Baningo, das Bankberater und Kunden digital miteinander vernetzt, zu: „Wir befragen unsere Kunden immer wieder und einige sagen dann beispielsweise ‚ab 50.000 Euro wollen wir ein Gesicht sehen‘.“

"Daten sollen bei Bank bleiben"

Die Technologie-Branche, insbesondere die FinTechs, fürchten etablierte Banken nicht, so Walter. „Die FinTechs bringen viel Dynamik in die Branche und sind eine Herausforderung. Wir wollen sie aber nicht als Bedrohung sehen.“ Stattdessen wolle man mit ihnen kooperieren - bis zu einer bestimmten Grenze. Start-ups wie die Online-Bank N26 setzen bereits jetzt auf Personalisierung und sagen beispielsweise auf Basis des Kontoverlaufs den künftigen Kontostand vorher und wollen automatisiert Finanzempfehlungen abgeben. Das würde mit mehr Daten deutlich leichter fallen. „Wir sind auch ein Datenunternehmen, darauf sind natürlich alle spitz. Diesen Schatz werden wir aber nicht rausgeben und gut bewachen“, verspricht Walter.

„Blue Code“ zeigt dafür Verständnis: „Die Daten sollen bei der Bank bleiben, daran halten wir uns auch. Wir wollen eigentlich gar nichts damit zu tun haben.“ Hecke spielt dabei auf die hohen Hürden, die eine Banklizenz mit sich bringt, an. N26 hat kürzlich diesen Schritt gewagt und tritt nun selbst als Bank auf - und wird dabei als Start-up auch eingeschränkt. „Es wird spannend zu sehen, wie sich das entwickelt“, so Stefan Kainz von „Wikifolio“. Die Crowdinvesting-Plattform will Hobby- und Profi-Anleger sowie Investoren miteinander vernetzen, sodass diese ihr Geld möglichst gewinnbringend anlegen können.

"Facebook verzeiht man schneller als Bankern"

Er selbst geht mit der Branche hart ins Gericht: „Crowdinvesting und Crowdlending sind nur Hype- und Modebegriffe. Als die ersten Banken vor 200 Jahren gegründet wurden, haben sie genau so funktioniert.“ Doch während FinTechs eher weniger als Bedrohung wahrgenommen werden, zollen die Banken den Technologie-Riesen Apple und Google Respekt. „Ich würde nicht sagen, dass ich fürchte, dass Google eine Universalbank wird, aber so einzelne Bereiche gehen schon dorthin verloren“, erklärt Walter.

Zugleich gibt sie aber zu Bedenken, dass die Banken in puncto Datenschutz einen großen Vorteil bieten können. „Ich fühle mich schon wohler, wenn bestimmte Daten nicht in einer Cloudfarm im Silicon Valley liegen.“ Denn während bei Google und Co. die Dienstleistungen mit Daten bezahlt werden, werden diese bei Banken nicht weitergegeben. Mit gutem Grund: „Bei uns geht es auch um Vertrauen und Seriosität. Einem Banker verzeiht man nicht so schnell wie Facebook in diesen Fragen.“