Digital Life
06/09/2017

Forderung nach offenen Daten bei der Verkehrsauskunft

Das Service der Verkehrsauskunft Österreich (VAO) soll offen zugänglich sein. Daraus würden sich zahlreiche Vorteile ergeben, so die Open-Data-Initiative offene-oeffis.at.

Auf der Verkehrsauskunft Österreich (VAO) laufen sämtlichen Abfahrts- und Routendaten aller Verkehrsbetriebe im Land zusammen. So kann ein Routenplaner angeboten werden, auf dem sich Nutzer den genauen Weg von A nach B anzeigen lassen können, egal ob per U-Bahn, Straßenbahn, Zug oder Bus. Auf die Schnittstelle greifen auch Routenplaner verschiedener Verkehrsdienst, wie etwa der des Verkehrsverbundes Ost-Region (VOR) zu.

Dass die VAO ihren Dienst anderen Services zur Verfügung stellt, lässt sie sich aber teuer bezahlen, wie der Open-Data-Experte Robert Harm und der App-Entwickler Patrick Wolowicz auf dem Blog Offene Öffis kritisieren: „Die Tarife des VAO sind hoch, sie sind für Großkunden ausgelegt – Startups, KMU oder gemeinnützige Organisationen können sich Abrufe aus der Datenbank nicht leisten und können daher dieses Service ihren KundInnen nicht anbieten.“

Gründe für Open Data

Harm fordert, dass der VAO ihr Service öffnet, um die Nutzung auf den verschiedensten Plattformen und Apps zu ermöglichen. Als Gründe für das Setzen auf offene Daten führt er an:

  • Vorteile für die BürgerInnen: Mehr Apps auf mehr Plattformen zur Auswahl, state of the art Technologien wie Alexa, Google Home und Co. werden eingebunden.
  • Vorteile für den Verkehrsverbund: Höhere Kundenzufriedenheit, da mehr Alternativen zu hauseigenen Apps entstehen sowie höhere Auslastung, weil bessere Informationen zu einer höheren Nutzung der Öffis führt.
  • Vorteile für die Politik: Positive Auswirkungen auf Klimaziele, weil mit dem Rückgang des Individualverkehrs auch Schadstoffe reduziert werden.
  • Vorteile für die Wirtschaft: Startups und andere Unternehmen können Apps und Services anbieten, die sonst nicht möglich wären (z.B. Wave, Ally, zoomsquare)

Ein Problem ist darüber hinaus, dass nur ein geringer Teil der österreichischen Verkehrsbetriebe auf Open Data setzt. Neben Wien ist das die Steiermark sowie die Stadt Linz.

Open Service vs. Open Data

Bei dem, was Wien, die Steiermark und Linz anbieten, handelt es sich um einen Open Service, eine Unterkategorie von Open Data. „Bei Open Service schicken Apps ihre Routenanfragen an einen offiziellen Server, der dann genau diese Route zurückliefert. Das gibt einen Vorteil für die Verkehrsverbünde, denn dadurch erhalten sie wertvolle Informationen: Welche Routen werden wann, und wie oft von wem angefordert. Auch können Routen vorgeschlagen werden, die zwar für den Kunden nicht optimal sind, aber eine bessere Kundenverteilung in den Öffis ermöglichen“, so Wolowicz im Blog.

Diese Open-Service-Schnittstelle nutzen verschiedene Apps abseits der von den Verkehrsbetrieben offiziell unterstützten Programme. Würde die VAO zumindest ein Open Service anbieten, könnten diese und vielleicht neue Apps die Routenplanung durch ganz Österreich unterstützen.

Open Data als langfristiges Ziel

Langfristig fordert Harm jedoch, dass Open Data das Ziel sein sollte: „Man bräuchte Open Data: die Möglichkeit, dass EntwicklerInnen die gesamten Fahrplan- und Routendaten in einer großen Datei herunterladen können. Damit könnte auch das Problem der oft geforderten Anzeige von Verkehrsdaten auf Kartenanbietern wie Apple maps, bing maps oder Google Maps gelöst werden. Wichtig dabei ist jedoch, dass diese Daten diskriminierungsfrei zur Verfügung gestellt werden, damit z.B. auch lokale EntwicklerInnen diese nutzen können. Durch die Verwendung einer im Open Data Bereich üblichen Creative Commons CC-BY Lizenz würde dies sichergestellt.“

„Die VAO ist ein Service, und somit wäre derzeit über die VAO nur ein Open Service möglich – in einer zweiten Phase könnte man aber — mit Entwicklungsarbeit seitens der VAO — auch einen Open Data Download anbieten“, so Harm weiter.

Harm und Wolowicz sehen in diesem Plan eine Möglichkeit, österreichische Start-ups zu fördern und so einen Innovationsschub auszulösen. Außerdem würde es zur modernen Mobilität und zum Umweltschutz beitragen, da es die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln attraktiver macht. Eine Reaktion auf die Forderung vonseiten der VAO gibt es noch nicht, eine entsprechende Anfrage der futurezone blieb bislang unbeantwortet.