Digital Life 01.09.2017

Google brachte Kritiker zum Schweigen

Google fördert zahlreiche Non-Profit-Organisationen, könnte aber auch Einfluss auf diese nehmen © Bild: REUTERS/MIKE BLAKE

In den USA werden kurz hintereinander zwei Fälle publik, bei denen Google öffentlich geäußerte Kritik durch Einflussnahme im Hintergrund ausschaltete.

Anfang der Woche berichtete die New York Times über die Kündigung eines Teams innerhalb des Think Tanks The New America Foundation, auf die Google als Unterstützer der Organisation gedrängt haben soll. Grund dafür seien wiederholte Berichte des "Open Markets"-Teams über die allzu große Marktdominanz von Google gewesen. Nun nimmt eine Journalistin die Aufdeckung des Falles zum Anlass, um über eigene Erfahrungen zu sprechen.

Kashmir Hill von Gizmodo beschreibt, dass sie 2011 in Diensten des Magazins Forbes stand. In ihrer Funktion nahm sie an einem Treffen mit Google-Abgesandten teil, die das damals gerade erst gegründete Social Network Google+ bewerben wollten. Die Google-Mitarbeiter legten Forbes nahe, einen Google+-Sharing-Button auf ihrer Webseite zu integrieren. Sollte dies nicht geschehen, werde dies die Suchresultate von Forbes-Artikeln beeinflussen.

Artikel offline genommen

Hill nahm dies zum Anlass, um einen Artikel mit dem Titel "Steckt euch Google+-Buttons auf die Seite, oder euer Suchmaschinen-Traffic leidet" zu veröffentlichen. Forbes stellte den Artikel kurz darauf offline. Google hatte Forbes angeblich unter Druck gesetzt. Das Meeting mit Forbes sei vertraulich gewesen. Hill bestreitet allerdings vehement, dass die Vertraulichkeit des Gesprächs vorab geklärt worden wäre. Üblicherweise tauchen selbst offline gestellte Artikel in den Suchresultaten von Google auf, ihr Artikel - bzw. ein Hinweis darauf, denn von einem Offline-Artikel ist nur noch der Titel vorhanden - konnte auf Google jedoch bereits kurz nach dem Vorfall nicht mehr entdeckt werden.

Don't be evil

Wie Hill resümiert, zeigen die Vorfälle, dass Google zu einem Konzern mit gigantischer Marktmacht gewachsen sei und keine Hemmungen hätte, diese Macht als Druckmittel einzusetzen. Das gefeuerte "Open Markets"-Team der New America Foundation hat unterdessen eine Webseite namens Citizens Against Monopoly eingerichtet, aufder sie ihre Erfahrungen mit Google schildern und Besucher dazu aufrufen, an Google zu appellieren: "Don't be evil." Der Spruch gilt eigentlich als Google-Motto.

( futurezone ) Erstellt am 01.09.2017