Digital Life
03.12.2015

Hasspostings: Spar beendet Verkauf von Halal-Fleisch

Der Supermarktkette wird nun vorgeworfen, zahlreichen fremdenfeindlichen Kommentaren nachgegeben zu haben.

Spar hat den Verkauf von Halal-Fleisch, der testweise in einigen Wiener Filialen durchgeführt worden ist, wieder eingestellt. Dem Schritt zuvor gegangen ist eine massive Kampagne über Twitter und Facebook, die sich teilweise um den Tierschutz bei Halal-Schlachtungen drehte. Im Rahmen der zahlreichen Postings zu dem Verkauf kam es auch zu vielen fremdenfeindlichen Äußerungen.

Diese hitzige Diskussion war nun offenbar auch der Grund dafür, dass der Verkauf des Fleisches wieder eingestellt worden ist. „SPAR beendet aufgrund der (unbegründeten!) Vorwürfe und der überhitzten Facebook-Diskussion den Wiener Verkaufstest von Halal-Fleisch“, heißt es in einer Stellungnahme, die online veröffentlicht worden ist. Spar sei „traurig und schockiert über den Tonfall der Diskussionen.“ Nun ziehe man aber „die Konsequenzen“ daraus.

Kritik an "Einknicken"

Nach Bekanntwerden des Schrittes wird Spar nun teilweise vorgeworfen, der Fremdenfeindlichkeit nachzugeben. Viele Twitter- und Facebooknutzer zeigten sich enttäuscht, dass Spar vor hetzenden Kommentaren "einknicke". Die Botschaft, die damit vermittelt werde, sei falsch, so die Kritiker. Es wird auch darauf verwiesen, dass Spar beispielsweise Produkte mit Granderwasser im Sortiment habe, das nach wissenschaftlicher Erkenntnis völliger Humbug ist und ebenfalls regelmäßig für Kritik sorgt.

Spar will diese Vorwürfe nicht ohne weiteres hinnehmen. Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann gab gegenüber der futurezone an, dass es seit Mittwochabend auch verbale Angriffe gegen Mitarbeiter in den Filialen gegeben habe. Diese kamen laut Berkmann seitens Tierschützern, aber auch von fremdenfeindlicher Seite. „Mitarbeiter wurden als Dschihad-Unterstützer bezeichnet“, so Berkmann.

Auch wirtschaftliche Interessen hätten bei dem Rückzug eine Rolle gespielt: „Ich finde nicht, dass wir eingeknickt sind. Wir mussten eine Entscheidung treffen und uns dabei auch den Umsatz anschauen“, so Berkmann. „Es war uns zu heikel.“

Angesprochen auf die Kommentare bezüglich des Granderwassers verweist Berkmann darauf, dass das Wasser selbst wieder aus dem Angebot genommen worden ist. Dass es noch weitere Produkte mit dem umstrittenen Wasser im Sortiment gibt, begründet sie schlicht mit der großen Anzahl an Produkten, die Spar führt. „Es gibt bei uns viele Diskussionen, wir stellen uns jenen auch. Oft ist es eine schwere Entscheidung, wie man vorgeht und im aktuellen Fall haben wir uns so entschieden."

Richtlinien eingehalten

Bei der Schlachtung nach Halal blutet das Tier aus, außerdem wird ein bestimmtes Gebet dabei gesprochen. Spar betonte jedoch, dass die Tiere bei dem verwendeten Fleisch vor der Schlachtung betäubt worden sind. Der einzige Unterschied zu den Schlachtungen nach österreichischen Richtlinien sei demnach das Gebet gewesen. Dies konnte man jedoch nicht ausreichend gut kommunizieren, wir Berkmann sagt. "Wir haben den Kunden einfach nicht erklären können, dass es so ist."

Bei der Rewe-Gruppe, dem größten Konkurrenten von Spar im Lebensmittelhandel, wird weiterhin Halal-Fleisch verkauft.