Digital Life
14.08.2014

HealthKit: Apple entwickelt sein eigenes ELGA

Derzeit bereitet Apple die Infrastruktur für den Start seiner Gesundheitsplattform HealthKit vor. Die Idee dahinter erinnert an die österreichische Gesundheitsakte ELGA.

Anfang Juni hat Apple auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC die Schnittstelle für Gesundheitsdaten namens HealthKit vorgestellt. Zusammen mit der vorinstallierten App Health soll sie ein wesentlicher Bestandteil der neuesten iOS-Version werden.

Mit dem Näherrücken der Präsentation der neuen iPhone-Generation, die gemeinsam mit dem neuen iOS 8 Anfang September vorgestellt werden soll, häufen sich auch die Hinweise auf Apples neue Dienste.

HealthKit in Bildern

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Zentrum für Gesundheitsdaten

Bei der Ankündigung im Rahmen der WWDC gab Apple wenige Einzelheiten über HealthKit bekannt. Nur so viel, dass es eine Art zentrale Sammelstelle für vom User eingegebene und durch Fitness-Gadgets übermittelte Gesundheitsdaten sein wird.

Derzeit werden solche Daten von hunderten verschiedenen Fitness- und Gesundheitsgadgets sowie App-Anbietern gesammelt und an genauso vielen unterschiedlichen Plätzen gespeichert. Mit HealthKit soll sich das nun ändern. Denn "Apple will das Zentrum für Gesundheitsdaten werden", wird Skip Snow, ein Marktforscher von Forrester Research in einem Reuters-Bericht zitiert.

Demnach sollen im HealthKit Gesundheitsdaten wie Blutdruck, Puls oder Gewicht gesammelt werden, sodass neben den Usern auch Ärzte und Krankenhäuser - natürlich nur mit Zustimmung der Patienten - darauf zugreifen können.

Apples ELGA

Die Idee hinter HealthKit deckt sich zumindest zum Teil mit Österreichs Elektronischer Gesundheitsakte ELGA. Informationen über den Gesundheitszustand der Patienten respektive User werden gesammelt und behandelnden Ärzten oder Therapeuten zur Verfügung gestellt. Dies soll ihnen ermöglichen, bessere Diagnosen und Behandlungspläne erstellen zu können. Auch in etwaigen Notfällen könnten die gespeicherten Gesundheitsdaten helfen.

Für die Entwicklung von HealthKit arbeitet Apple mit Sportartikelausrüster wie Nike, Gesundheitssoftwareherstellern wie Allscripts oder Epic System und Krankenhäuser, wie die renommierten Kliniken Mount Sinai, Cleveland Clinic oder Johns Hopkins zusammen. Ob Apple zur Erhebung von Gesundheitsdaten auch die passende Hardware, etwa eine iWatch oder im iPhone integrierte Sensoren präsentiert, wird sich zeigen.

Privatsphäre

Da es sich bei Gesundheitsdaten um äußerst sensible Informationen handelt, will Apple der Skepsis bezüglich Wahrung der Privatsphäre offenbar zuvorkommen. So sollen die Kunden möglichst frei und unkompliziert über die erhobenen und gespeicherten Daten verfügen können.

Die Speicherung, Aufzeichnung und Datenübertragung zu konfigurieren und Änderungen an den Privatsphäreeinstellungen vorzunehmen, soll angeblich so einfach wie möglich gestaltet werden. Als Speicherplatz für derartige Daten soll die iCloud dienen, wobei diese Informationen vollständig verschlüsselt werden sollen.

Herausforderung für Datenschutz

Konzipiert ist HealthKit wohl vorrangig für das hauptsächlich privat organisierte Gesundheitssystem der USA. Doch auch dort droht HealthKit an geltende Gesetze anzuecken. So schützt der Health Insurance Portability and Accountability Act (HIPAA) beispielsweise personenbezogenen Gesundheitsdaten. Einige von Apple zusammengetragenen Informationen könnten gegen dieses Gesetz verstoßen. Um einen Weg zu finden, HealthKit in Einklang mit dem HIPAA zu gestalten, soll Apple eng mit den Gesundheitsbehörden zusammenarbeiten.

In welcher Form HealthKit nach Europa kommen wird, ist derzeit noch völlig unklar. Denn nicht nur ist die Gesetzeslage in Österreich eine völlig andere, auch die Organisation der Gesundheits- und Sozialsysteme unterscheidet sich wesentlich von denen der USA. Allerdings gibt es auch hierzulande bereits erste Ansätze, Fitness-Gadgets in den Bereich der privaten Gesundheitsversicherungen einzusetzen.

Skepsis angebracht

Auch wenn die umfangreiche Sammlung von Gesundheitsdaten die Behandlungen sowie Diagnosen vereinfachen sollen und neue Erkenntnisse bringen könnte, bestehen für eine derartige Datenbank weitreichende Gefahren. Im Falle eines Datenklaus, -lecks oder sonstigen unbefugten Zugriffen, könnten empfindliche Informationen weitergegeben oder verkauft werden. Abnehmer dieser Daten gäbe es vermutlich genug. Denn für die individuellen Risikobewertungen von Versicherungen, Banken und Arbeitgeber oder die Pharmaindustrie wären solche Daten Gold wert.