Digital Life
03.11.2015

"Jedes neue Auto ist ein Roboter"

Das Web Summit in Dublin setzt einen Schwerpunkt auf das Thema Robotics - wie verändern Maschinen die menschliche Realität und wie sieht das Zusammenleben mit ihnen aus.

Roboter sind inzwischen viel tiefer in das menschliche Dasein vorgedrungen, als den meisten Menschen auf den ersten Blick bewusst ist. Wer an Roboter denkt, denkt zunächst oft an menschenähnlich nachempfundene Kreaturen, die ausgestattet mit Armen, Beinen und Kopf mehr oder weniger eigenständig agieren. Doch Roboter seien sehr viel mehr und nicht immer “sichtbar”, sagt Andra Keay, Managing Director bei der US-Organisation Silicon Valley Robotics in ihrer Auftakt-Keynote zum diesjährigen Web Summit in Dublin. “Jedes neue Auto ist ein Roboter”, so Keay. Auch eine moderne Waschmaschine sei ein Roboter, überall, wo computergesteuerte Maschinen arbeiten, stecke ein Roboter dahinter.

Roboter verändern alles, sie helfen zu verstehen, was es bedeutet, Mensch zu sein”, sagt Keay und verweist auf eine vermischte Realität, in der die Grenzen zwischen Mensch und Maschine immer mehr ineinander übergehen. Keay erklärt die Technologie de facto zur Erweiterung des Menschen und ist überzeugt, dass man im Zusammenleben mit Maschinen die Vorstellungen davon, was Realität bedeutet, komplett neu überdenken muss.

“Soziale Interaktion vermeiden”

Im gemeinsamen Alltag von Robotern und Menschen sieht die Expertin drei wesentliche Kategorien: Roboter, die wie Dinge aussehen, Roboter, die wie Roboter aussehen und schließlich Roboter, die wie Menschen aussehen. Sie alle können ganz unterschiedliche Aufgaben erfüllen bzw. übernehmen.

Abgesehen davon, dass sich die Menschheit inmitten einer Informations- und Kommunikationsrevolution befinde, der zugrunde Maschinen für die zwischenmenschliche Interaktion sorgen, sieht Keay noch einen weiteren interessanten Aspekt hinter Robotern. Es gebe Situationen, wo man überhaupt nicht mit anderen Menschen interagieren, sondern jeglichen sozialen Kontakt vermeiden wolle. “Wenn man müde ist oder erschöpft und niemanden sehen will, dann ist es den Menschen am liebsten, wenn sie sozialer Interaktion aus dem Weg gehen können.” Genau an diesem Punkt seien Roboter viel geeigneter, gewisse Aufgaben zu übernehmen, etwa wenn man daran denke, dass den Zimmerservice im Hotel nicht eine menschliche Person, sondern eine Maschine übernimmt.

Machine Summit

Doch nicht nur Keary widmet sich im Rahmen Europas größter Start-up-Konferenz dem Thema Robotics und künstlicher Intelligenz. Unter dem Titel “Machine Summit” ist dem Bereich ein eigener Schwerpunkt auf dem Web Summit gewidmet, wo über Augmented Reality, Smart Cities und Big Data ebenso diskutiert wird wie über Wearables und das Internet of Things.

Remi El-Ouazzane, CEO von Movidius, sieht in künstlicher Intelligenz keine Zukunftsvision mehr, sondern längst Realität. Geräte gefüttert mit Unmengen an Daten aus der Cloud seien bereits intelligent, dass Maschinen Menschlichkeit annehmen, dahin sei es allerdings noch ein weiter Weg. “Die Artificial-Intelligence-Revolution passiert genau jetzt”, meint El-Ouazzane. Es sei überall zu beobachten - angefangen bei selbstfahrenden Autos über Drohnen bis hin zur virtuellen Realität.

Movidius ist spezialisiert auf Lösungen für maschinelles Sehen und hat unter anderem mit Google für sein Project Tango zusammengearbeitet. Der Firmenchef gibt sich optimistisch, was die Auswirkungen von künstlicher Intelligenz auf die Menschen betrifft und glaubt daran, dass man letztlich davon profitieren und mehr “Zeit gewinnen” werde. El-Ouazzane räumt aber auch ein, dass es Rahmenbedingungen brauchen wird, ethische Regeln, wie man mit intelligenten Maschinen künftig umgeht, um nicht die Kontrolle über sie zu verlieren. Angesprochen auf eine Langzeit-Prognose ist El-Ouazzane von einer großen Vision überzeugt: “Unsterblichkeit wird Realität werden, wenn die Maschinen einmal ein gewisses Level an Intelligenz erreicht haben.”