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Digital Life
09/16/2019

Jö Bonus Club jetzt kündigen, raten Konsumentenschützer

Der VKI sieht zahlreiche Probleme im Bonusprogramm von Billa, Merkur und Co. Wer Wert auf die Privatsphäre legt, solle aussteigen.

Anfang Mai ist der jö Bonus Club gestartet. Dieser löste die Bonusprogramme von Billa, Merkur und Bipa ab. Auch andere Unternehmen, wie Libro, OMV und Bawag sind mit dabei. Datenschützer haben schon beim Start vor dem jö Bonus Club gewarnt. Jetzt legt der Verein für Konsumenteninformation (VKI) nach und empfiehlt das Abmelden, wenn einem die Privatsphäre wichtig ist.

Laut dem VKI wurden seit dem Start des jö Bonus Clubs zahlreiche Beschwerden gesammelt. So soll es etwa zu schwer sein, sich vom Club abzumelden. Dies muss per Brief oder E-Mail erfolgen. Der VKI gibt eine Anleitung dazu auf seiner Website. Zusammen mit der Kündigung wird empfohlen die Löschung der Daten zu verlangen, die der jö Bonus Club bisher gesammelt hat. Ein Musterbrief dazu wird vom VKI zur Verfügung gestellt.

Nicht-Smartphone-User werden diskriminiert

Eine weitere Beschwerde ist, dass Smartphone-User bevorzugt behandelt werden. „Leider werden hier Nicht-Smartphone-Nutzer diskriminiert. Denn lädt man sich die App herunter und loggt sich zum ersten Mal ein, bekommt man sofort 100 Ös Startguthaben“, so der VKI. Wer kein Smartphone hat, würde diese Ö-Bonuspunkte nicht bekommen. Im VKI-Blog wird dazu eine Smartphone-lose Leserin zitiert: „Gerade Smartphone-Nutzer sind doch oft nicht die Zielgruppe, die jeden Cent brauchen.“

Verwirrung um Rabatte

Weitere Kunden klagen über Verwirrung, wann und wo die Rabatte eingelöst werden können, die mit gesammelten Ös zur Verfügung stehen. Der VKI nennt als positives Gegenbeispiel zu Billa und Merkur die Supermarktkette Spar: „SPAR beweist: Es geht auch ohne Datensammelei. Rabatte gibt es durch die Rabattsammler-Heftchen aber trotzdem. Und zwar für alle Kunden.“

Außerdem sei unklar, bei welchem Unternehmen man wie viele Bonuspunkte sammeln kann. Bei Billa sei 1 Euro etwa 1 Ö wert, bei der OMV werde aber nach getanktem Liter gerechnet. „jö gibt den Konsumenten auch keine Übersicht“, schreibt der VKI. Der VKI kommt daher zum Schluss: „Wir raten Ihnen: Sagen Sie ‚Nö zu jö‘ (Zitat eines Leserbriefs), sollte Ihnen Ihre Privatsphäre wichtig sein. Andere Unternehmen zeigen, dass es auch ohne Kundenkarte, Datensammeln und mühsame Rabatt-Konstrukte geht.“

Reaktion von jö Bonus Club

Gegenüber dem Standard hat der jö Bonus Club zu den Vorwürfen Stellung genommen. So gebe es die 100 Ös als Startbonus nur, wenn man sich für den Club per App neu anmeldet. Außerdem habe man sehr wohl eine Übersicht auf der Website, wie bei welchem Unternehmen Ös wie gesammelt werden können.

Bezüglich des Datensammelns für personalisierte Werbung verweist der jö Bonus Club darauf, dass man die Einwilligung dazu jederzeit widerrufen kann – auch ohne Kündigung der Mitgliedschaft. In der App findet man die Einstellung dazu, wenn man links oben auf den Namen tippt und dann „Profiling“ auswählt.

Außerdem lösche man bei einer Kündigung die bisher gesammelten Daten ohnehin. Man habe zudem dem VKI mehrfach angeboten, bei Kundenbeschwerden zu helfen und verweist darauf, dass der jö Bonus Club auch einen eigenen Kundenservice hat, an den man sich wenden kann.