© Claudia Zettel

Flynet
02/23/2011

Live-Bericht: Surfen über den Wolken

Die Lufthansa bietet seit kurzem wieder Internet im Flugzeug an. Die FUTUREZONE kann sich in diesen Stunden auf einem Transatlantik-Flug nach Atlanta von dem neuen Internetangebot ein Bild machen und die WLAN-Verbindung in der Maschine auf Herz und Nieren testen.

von Claudia Zettel

Gemeinsam mit der Deutschen Telekom und Panasonic Avionics hat die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa seit 1. Dezember ausgewählte Langstreckenflüge nach Nordamerika wieder mit Internetzugang ausgestattet. Das Angebot trägt den Namen „Flynet“ und wird laut Lufthansa bereits von vielen Fluggästen in Anspruch genommen. Die FUTUREZONE sitzt in diesem Moment auf einem der Transatlantik-Flüge und kann das neue WLAN-Angebot live testen.  

Über das Satellitensystem exConnect, das Panasonic Avionics bereitstellt, werden WLAN-Hotspots der Deutschen Telekom in den Maschinen – derzeit insgesamt 17 – gespeist, die den Passagieren vollwertigen Breitband-Internetzugang zur Verfügung stellen. Die Downloadgeschwindigkeit beträgt bis zu 5 Mbit pro Sekunde. „Die größte technische Herausforderung ist der Wechsel zwischen den genutzten Satelliten. Auf einem Flug in die USA kann es bis zu vier Mal zu einem solchen kommen“, erklärt Martin Schlieker von der Deutschen Telekom. Eingeloggt ist man im Netz mit einer deutschen IP-Adresse, das bedeutet, dass bestimmte US-Plattformen, etwa von TV-Sendern, die Content nur regional freigeben, trotz der „Staatenlosigkeit“ in der Luft nicht erreichbar sind.

Live-Tests
Tatsächlich erweist sich die Internetverbindung im Live-Test von Anfang an als stabil. Herkömmliche Webseiten laden ohne Probleme, manchmal sind die Wartezeiten minimal länger als von einer Breitbandverbindung zuhause gewohnt. Auch das Versenden von E-Mails ohne sowie mit Anhang funktioniert, beim Versand von hochauflösenden Fotos kann die Wartezeit beim Laden und Verschicken der Anhänge – etwa in Gmail -  jedoch etwas länger ausfallen.Wer YouTube-Videos anschauen möchte, sollte kaum Probleme haben, die Streams laufen gut, hin und wieder gibt es kleine Aussetzer bzw. kurze Nachladezeiten. Social-Media-Plattformen wie Facebook und Twitter stellen keine Herausforderung an Flynet dar, die Nutzung verläuft völlig reibungslos und Inhalte können jederzeit mit Freunden auf dem Boden geteilt werden.

Chatten per Skype erweist sich als flüssig. Gespräche sind zwar vonseiten der Airline unerwünscht (siehe unten), funktionieren aber abgesehen von kleineren Verzögerungen tadellos. Bei der Videotelefonie kann es ebenfalls zu Verzögerungen bei der Bildübertragung kommen, grundsätzlich machen die Videos aber keine Probleme.Etwas mühsamer verläuft es im Test mit dem Aufrufen des iTunes-Store. Das Herstellen der Verbindung dauert länger als das Abrufen anderer Webseiten und Dienste. Auch der Download beispielsweise eines Songs gestaltet sich dann etwas zäher als gewöhnlich. Mit ein wenig Geduld klappt es dann aber doch. Ähnlich verläuft es im Test mit Torrents. Die Ladezeiten sind nicht hundertprozentig flüssig, ein Download ist jedoch durchaus möglich.

Macht man sehr viel gleichzeitig, also etwa einen Download starten, eine Mail mit Anhang versenden, verschiedene Webseiten aufrufen und dazu Videochatten über Skype, kann die Verbindung irgendwann überfordert sein. Immer daran erinnernd, dass wir uns hier knapp 11.000 Meter über dem Boden – zum Test-Zeitpunkt genau genommen über dem Atlantik – in einem Flugzeug bewegen, ist an dem Internetangebot unter dem Strich nichts auszusetzen. Die meisten öffentlichen WLAN-Netze in Lokalen oder speziell auf Kongressen und Messen könnten sich von der Verbindung über den Wolken noch ein Scheibchen abschneiden. Wer auf einem langen Flug zu arbeiten hat oder sich einfach so die Zeit vertreiben will, wird jedenfalls zufrieden sein.

Seit 1. Dezember läuft das Internetangebot der Lufthansa bereits im Testbetrieb und war zunächst gratis. Seit 1. Februar wird es den Passagieren je nach Bedarf pauschal berechnet. Eine einstündige Pauschale beläuft sich auf 10,95 Euro oder 3500 Meilen, eine 24-Stunden-Flatrate kostet 19,95 Euro oder 7000 Meilen. Während der Laufzeit einer solchen Flatrate kann der Passagier auch auf allen mit einem Hotspot ausgerüsteten Anschlussflügen sowie in den Lufthansa-Lounges surfen.

Keine Gespräche und kein Porno an Bord
In Kürze will die Lufthansa Datenkommunikation auch nach den Mobilfunkstandards GSM und GPRS ermöglichen. Dann soll es neben WLAN auch die Option zum Versenden von SMS sowie die Datenübertragung mit Smartphones geben. Auf Telefongespräche wird jedoch weiterhin verzichtet. Die Entscheidung sei auf Wunsch der Fluggäste getroffen worden, so Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty auf Nachfrage der FUTUREZONE. Viele würden sich durch die Gespräche auf dem Flug gestört fühlen. Das Sprechverbot gilt auch für Internettelefonie-Angebote wie Skype. Diese darf man zum Chatten, nicht aber zum Sprachverkehr nutzen.

Unerwünscht ist an Bord auch das Surfen auf Pornoseiten und dergleichen. Dazu gebe es auch die ein oder andere technische Schranke speziell bei Hotline-Plattformen, heißt es seitens der Lufthansa. Zu 100 Prozent unterbinden lässt sich die Nutzung solcher Angebote natürlich nicht. Greift jemand beispielsweise über einen VPN-Server zu, kann nur noch das Bordpersonal „mahnend“ eingreifen. Bekannte Pornoseiten wie YouPorn sind im Zuge des FUTUREZONE-Tests zudem problemlos aufrufbar, hier wolle man eben an die „Vernunft“ der Passagiere appellieren, so etwas nach Möglichkeit zu unterlassen.

Komplettes Langstreckennetz in Planung

Bis Jahresende will die Lufthansa bereits 70 Maschinen Internet-fit machen und Flynet dann auch im weltweiten Streckennetz anbieten, wie Christian Peter Körfgen, Leiter Produktmanagement bei der Fluggesellschaft, ankündigt. Langfristig soll die komplette Langstreckenflotte, die derzeit 102 Maschinen umfasst, mit Breitbandinternet ausgestattet werden. In punkto Kurzstrecken würden ebenfalls „Untersuchungen“ angestellt und Optionen geprüft, konkrete Pläne gibt es aber noch nicht. Welche Kosten der Lufthansa durch die Umrüstung der Flugzeuge entstehen will Körfgen nicht kommunizieren, auch nicht wie stark die Nutzung in konkreten Zahlen derzeit ist.

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