Digital Life
03/25/2015

"Manipulation der Flugsteuerungssysteme ausgeschlossen"

Die Spekulationen über die Ursache des Flugunglücks in Frankreich nehmen kein Ende. Für eine allgemeine Verteufelung der Technik in der Luftfahrt gibt es keinen Grund.

Die Auswertung des Flugschreibers der Unglücksmaschine zeigt, dass der Flieger seine Reiseflughöhe in einem achtminütigen, konstanten Sinkflug verlassen hat, bevor es zur Katastrophe gekommen ist. Das hat zu Spekulationen geführt, es könnte sich um einen technischen Defekt gehandelt haben, ähnlich wie bei dem Airbus A321 der Lufthansa, der vergangenen November auf dem Weg von Bilbao nach München wegen vereister Sensoren vom Autopiloten in einen Sturzflug geschickt worden war. Erst ein Abschalten des Bordcomputers hatte den Piloten damals ermöglicht, die Kontrolle über die Maschine wieder zu erlangen.

Beim aktuellen Absturz scheint ein ähnliches Szenario allerdings nicht wahrscheinlich. Laut Germanwings-Chef Thomas Wink war Flug 4U9525 als älteres Flugzeug mit einem Bordcomputer ausgestattet, der nicht anfällig für solche Fehler sein sollte. Der Airbus 320 gilt ohnehin als sehr sicher. „In der gesamten sehr langen Geschichte des Modells gab es nur 12 Abstürze mit Todesfolge. Das ist ein erstklassiger Wert“, sagt der deutsche Luftfahrtexperte Cord Schellenberg gegenüber dem KURIER. In einem Ranking von Airsafe.com wird der A320 mit 0,1 Todesfällen pro einer Millione Flüge als fünftsicherstes Flugzeug überhaupt gereiht.

Sicheres Fliegen

Ein Restrisiko bleibt trotzdem bestehen, ein Flugzeug ist eine hochkomplexe Maschine, in der diverse Systeme perfekt zusammenspielen müssen. Schon ein kleiner Fehler kann unabsehbare Folgen haben. Ein generelles Verteufeln moderner Flugsteuerungssysteme ist deshalb aber nicht angebracht. Das Flugzeug bleibt eines der sichersten Transportmittel, ist aber eben nicht perfekt. Wenn wieder einmal ein Unfall passiert, sind die Konsequenzen leider oft tragisch. Die Zahl der Flugzeugunglücke war laut dem Aviation Safety Network 2014 mit 20 auf dem niedrigsten Wert seit 70 Jahren.

„Bevor wir genau wissen, was passiert ist, macht es keinen Sinn, über die Ursachen zu spekulieren. Wir wissen nicht, ob es überhaupt eine Kontrolle des Flugzeugs gab. Ich halte mich an die Ermittler. Die Auswertung des Stimmrekorders sollte in den nächsten Tagen klären, was im Cockpit los war“, sagt Schellenberg. So sind auch Piltoenfehler nach derzeitigem Stand nicht auszuschließen, genau wie technischge Defekte. Ausgefallenere Theorien, etwa dass die Bordcomputer von außen manipuliert worden sein könnten, scheiden hingegen aus.

Keine Manipulation

Das Manipulieren eines elektronischen Steuerungssystems wäre äußerst schwierig, da direkter, physischer Kontakt zu den Computern notwendig wäre. „Aus heutiger Sicht kann ich mir das nicht vorstellen, da es sich bei Airbus um abgeschlossene Systeme handelt“, erklärt Luftfahrtexperte Kurt Hofmann. Bei der Untersuchung wird die Möglichkeit der Vollständigkeit halber wohl trotzdem in Betracht gezogen werden. „In Zeiten wie diesen weiß man nie, was alles gemacht werden kann und es wird jeder Blickwinkel geprüft. So wie Flugzeuge heute technisch unterwegs sind, halte ich das aber trotzdem für ausgeschlossen“, sagt Hofmann.

Sollte sich in einigen Tagen herausstellen, dass ein technischer Defekt die Ursache für den Absturz war, werden die Experten von Lufthansa und Airbus das Problem genau analysieren und enstprechend reagieren. Ein grundsätzliches Infragestellen elektronischer Assistenzsysteme wird es aber auch dann nicht geben. Piloten aus Fleisch und Blut sind nicht unfehlbar und mittlerweile auf die Computer angewiesen.