Digital Life
06.05.2016

Mehr Stromausfälle durch Eichhörnchen als Cyberterroristen

Eine Website zeigt auf einer Karte, dass die meisten Angriffe auf die Strominfrastruktur von Tieren erfolgt sind. Auch in Österreich.

„35 Jahre Cyberwar – die Eichhörnchen gewinnen“, lautete der Vortrag der Sicherheitsforscher und Website-Betreiber von CyberSquirrel1.com, den sie dieser Tage auf der Hacker-Konferenz THOTCON in Chicago hielten.

Die Kernthese: Obwohl seit Jahren mit rhetorischen Mitteln versucht die Gefährlichkeit von Cyberangriffen von Stromnetzen und –infrastruktur als Gefahr für die „nationale Sicherheit“ herbeizureden, gab es bisher keine einzige bewiesene Cyber-Attacke, die zu einem Blackout geführt habe. Dafür habe es zahlreiche Ausfälle gegeben, die durch Tiere wie Eichhörnchen, Ratten oder Vögel hervorgerufen wurden, so die Sicherheitsforscher im Gespräch mit der futurezone.

Marder und Siebenschläfer

Bis 1. Mai 2016 wurden bei den Forscher 1316 Stromausfälle gemeldet, die durch tierische Beteiligung ausgelöst wurden. In 714 Fällen waren es Eichhörnchen, in 306 Fällen Vögel, aber auch Marder oder Siebenschläfer waren unter den Tieren zu finden – diese vor allem in Europa. „Aus Europa gibt es kaum dokumentierte Fälle von Eichhörnchen“, heißt es.

Die Sicherheitsforscher haben alle Stromausfälle, die durch Tiere ausgelöst und ihnen gemeldet wurden auf einer Karte im Netz dokumentiert. Auch aus Österreich wurden den Forschern bisher zwei Fälle gemeldet. Einmal war es ein Marder und einmal ein Siebenschläfer, die das Stromnetz für mehrere Stunden lahmlegten. Belegt werden müssen die Vorfälle jeweils mit mindestens einem Artikel in den lokalen Nachrichten, um in die Datenbank aufgenommen zu werden.

Cyber-Spaß und ernst

„Wir meinen unsere Karte ernst. Jedes Ereignis ist bestätigt. Das heißt, neben dem Cyber-Spaß ist es uns definitiv ein ernstes Anliegen, der ständigen Kampf-Rhetorik, dass die Welt aufgrund von Cyberangriffen auf unser Stromnetz zugrunde gehen wird, etwas entgegenzusetzen“, so die Sicherheitsforscher. Die Alarmstimmung, die von Sicherheitsbehörden und Politikern geschürt wird, ist eher mit dem Wunsch nach höheren Budgets für Cybersicherheit zu sehen, als mit einer realen Gefahrenlage.

Natürlich sei man sich bewusst, dass es durch eine Cyberattacke auf das Stromnetz zu einer Katastrophe kommen könnte, aber dieses Risiko sei nicht annähernd so groß wie man den Menschen durch ständige Medienberichte vermitteln und Angst schüren wolle, heißt es weiter.

Eichhörnchen in den USA

In den USA sind es besonders häufig die Eichhörnchen, die für Stromausfälle sorgen. 1986 war etwa ein Eichhörnchen für eine Minikrise an der Wall Street verantwortlich. Ein durchgebissenes Kabel brachte einen NASDAQ-Computer zum Absturz. 20 Millionen Aktien blieben liegen.

Das Cyber-Eichhörnchen-Team besteht derzeit aus zwei Personen, die auf der ganzen Welt nach Nachrichten-Berichten zu Stromausfällen, die von Tieren verursacht werden, suchen oder die Daten, die ihnen gemeldet werden, einpflegen. Zudem gebe es Personen aus der Energiebranche, die die Sicherheitsforscher ebenfalls mit aktuellen Daten versorgen. „Wir haben ein wenig einen Datenrückstau, den wir nach und nach versuchen, abzuarbeiten.“