Digital Life
24.11.2015

Mit Falschinformationen gegen den Datenhandel

Das in den USA entwickelte Programm Data Arbitrage legt fiktive Social-Media-Accounts an, betreut diese und verkauft die Daten an die Werbewirtschaft.

Drei Software-Entwickler aus New York wollen mit ihrem Programm “Data Arbitrage” dem Handel mit persönlichen Informationen bis 2019 ein Ende setzen. Das soll geschehen, indem Datenhändlern und damit der Werbeindustrie systematisch große Mengen falscher Informationen untergejubelt werden. Öffentlich zugänglich wird Data Arbitrage erst in einigen Monaten werden. Derzeit werden letzte Änderungen an der Software vorgenommen. In einem David-gegen-Goliath-Szenario sehen sich die jungen Programmierer trotz finanzstarker Gegner nicht. “Wir glauben daran, dass wir das bis 2019 schaffen können. Das Programm, das derzeit auf unseren Systemen getestet wird, funktioniert besser als gedacht. Es könnte also sogar schneller gehen, das hängt aber davon ab, wie viele Nutzer wir gewinnen können”, sagt einer der Entwickler gegenüber der futurezone. Das Kalkül ist, den Pool an persönlichen Daten, den Datenhändler aufgebaut haben, durch die Verunreinigung mit falschen Informationen unbrauchbar zu machen.

Über 1000 Menschen haben bereits ihr Interesse am Programm bekundet. Sie werden vermutlich Anfang des nächsten Jahres die ersten sein, die sich die Software herunterladen können. Einmal installiert, gibt Data Arbitrage seinen Nutzern Anweisungen zur Erstellung von falschen Profilen. Derzeit funktioniert das für Facebook, Twitter und Instagram, die Entwickler arbeiten aber bereits an der Unterstützung für andere Plattformen. Nachdem ein falscher Datensatz erstellt worden ist, beginnt der “ArbiBot”, der Teil des Software-Pakets ist, Social Media Accounts zu erstellen und diese mit Inhalten zu füllen. Das geschieht im Hintergrund, ohne dass die Nutzer etwas beisteuern müssen. Die Daten, die der Bot erzeugt, werden dann an Datenhändler verkauft, die solche Informationen an Werbeindustrie und Unternehmen weitervermitteln. Das System ist lernfähig und soll mit der Zeit lernen, menschliches Social-Media-Verhalten bestmöglich zu imitieren.

Dollar für Dollar

“Im Schnitt bringt ein Account bei Twitter, Facebook oder Instagram einen US-Dollar pro Monat ein. Das Programm kann also mit nur drei Accounts drei Dollar im Monat verdienen”, erklärt einer der Urheber. Mit dem Geld kauft Data Arbitrage dann automatisch weitere fiktive Accounts auf, die dann ebenfalls unter Bot-Aufsicht beginnen, falsche Daten an die Agenturen zu verkaufen. Der Preis für solche vorgefertigten fiktiven Accounts liegt laut Data Arbitrage zwischen 20 US-Cent und fünf Dollar. “Die Software ist in Prinzip eine Gelddruckmaschine. Wir könnten sie leicht dazu nutzen, uns zu bereichern. Unser Ziel ist aber, den Datenmarkt zu verwässern”, so der Programmierer. Finanziert wird das Projekt bisher ausschließlich aus den Ersparnissen der Gründer und kleineren Spenden.

In der Testphase bedient Data Arbitrage derzeit 30.000 fiktive Accounts gleichzeitig. Wie viel Geld das Projekt tatsächlich monatlich verdienen können wird, hängt neben der Zahl der Accounts auch noch von anderen Faktoren ab. “Die Preise für die Datensätze schwanken, auch die Zahl der Follower eines Accounts und die Postingdichte haben Einfluss”, sagt der Entwickler. In Zukunft will Data Arbitrage auch falsche Kreditkarteninformationen in kommerzielle Datenbanken schleusen, hier gibt es allerdings noch Probleme aufgrund der höheren Sicherheitsvorkehrungen.

Beweis ausständig

Für großes Aufsehen hat das Projekt bisher noch nicht gesorgt, laut den Entwicklern gab es bislang keinen Gegenwind aus der Werbebranche. Das mag auch daran liegen, dass der Ansatz bisher noch reine Theorie ist. Um tatsächlich den gewünschten Effekt zu erzielen, müsste Data Arbitrage eine große Zahl von Nutzern gewinnen, die bereit sind, einen Bot im Hintergrund ihres Systems laufen zu lassen. Zudem sind soziale Netzwerke nur eine von vielen Quellen, aus denen die Datenhändler ihre Informationen beziehen. Auch der Umstand, dass sich die Urheber durch den Aufbau des angeblich gut gemeinten Botnetzes selbst bereichern könnten, dürfte vielen Interessenten sauer aufstoßen. Ähnliche Projekte, wie etwa “Google will eat itself” (GWEI), das versucht, durch das Ausspielen von Google-Anzeigen genug Geld zu verdienen, um eine Mehrheit am Suchmaschinenkonzern zu erwerben, entwickeln sich relativ langsam. Beim derzeitigen Tempo dauert es laut der Webseite 202 Millionen Jahre, bis GWEI Google zur Gänze aufgekauft haben wird.