Digital Life
16.06.2016

Morozov: Medien sollten vor Facebook davonlaufen

Der Netzjournalist und digitale Vordenker Evgeny Morozov warnt vor Facebook. Aus seiner Sicht ist es aber schon sehr spät, es gebe keine Alternative mehr.

Der weißrussische Netzjournalist und digitale Vordenker Evgeny Morozov warnt vor Facebook. Medien sollten dem sozialen Netzwerk den Rücken kehren und "davonlaufen", sagte Morozov am Donnerstag in Wien beim GEN-Summit, einem der wichtigsten internationalen Kongresse für Medieninnovation. Aus Morozovs Sicht ist es aber schon sehr spät, es gebe jetzt keine Alternative zu Facebook.

Morozov forderte in seinem Vortrag mit Blick auf Google auch eine politische Debatte über den Umgang mit Daten. "Es gibt neue Machtkonzentrationen und nicht genug kritische Aufmerksamkeit seitens der Medien", so Morozov. Den Medien wiederum rät er, sich auf Daten zu fokussieren, diese seien der wichtigste Rohstoff.

Teil der Strategie

Auch die Chefredakteurin von CNN Digital, Meredith Artley, äußerte sich skeptisch zu Facebook, die Plattform sei aber Teil der Strategie. Neben klassischen Plattformen wie Kabelfernsehen setze CNN auf etablierte Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram und "Emerging Social Media" wie die Messenger-Dienste Snapchat und Kik. Darüber hinaus hat CNN Streamingboxen von Amazon, Google, Apple und Co. im Auge. Laut Artley sind die Digitalumsätze von CNN schon "sehr nahe" an den Broadcasting-Erlösen und tragen unterm Strich "signifikant" zu den Ergebnissen bei.

Jan-Eric Peters, Chef der Nachrichten-App upday, traut Facebook zwar ebenfalls nicht. Dies sei aber keine Frage des Vertrauens, sondern eine der Realität. "Facebook ist die größte Zeitung aller Zeiten", erklärte Peters. Als Verleger könne man Facebook nicht vermeiden, man müsse dort sein, wo die Leute sind. Für Peters sind Videos zwar Teil der Antwort für digitale Nachrichten, die Rolle von Bewegtbildern aber "overhyped", also überbewertet.

Die jährliche Medienkonferenz des Global Editors Network (GEN) wird übrigens auch 2017 wieder in Wien stattfinden, wie die Wiener Stadträtin Renate Brauner (SPÖ) in ihrer Eröffnungsrede ankündigte.