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Veranstaltung

"Österreichische Start-ups brauchen sich nicht verstecken"

Unter dem Motto "Der Innovation auf der Spur" hat die Volkswirtschaftliche Gesellschaft Wien/NÖ (vwg) zur Jahrestagung "Schule & Wirtschaft" in die oberste Etage des Raiffeisenhauses am Wiener Donaukanal geladen. Bei der abschließenden Podiumsdiskussion wurde über den Dächern Wiens zum Thema "Innovation und Österreich - passt das zusammen?" diskutiert.

Dass Innovation und Österreich eigentlich recht gut zusammenpassen, war sich das Podium schnell einig. "Es gibt in Österreich genügend Beispiele für innovative Start-ups", lobte futurezone-Chefredakteur Gerald Reischl die heimische Gründerlandschaft, "Man denke an Runtastic, Shpock, Whatchado oder Xamom, um nur einige Paradebeispiel zu nennen."

Fehlende Risikobereitschaft

Ebenso betonte Business Angel Hansi Hansmann: "Österreich hat ein sehr gutes Humankapital und braucht sich diesbezüglich vor anderen Ländern bestimmt nicht verstecken." Was Hansmann hierzulande allerdings vermisst, ist ein gewisses Maß an Risikobereitschaft. Ähnlich sieht dies auch Markus Wagner, CEO und Founder bei i5invest: "Österreichische Start-ups brauchen sich keinesfalls verstecken. Ganz im Gegenteil, sie sollen selbstbewusst auftreten und von Beginn an versuchen, eine Brücke zum globalen Markt zu bauen."

Solche Unsicherheiten könnten laut Mario Herger, CEO und Co-Founder des Austrian Innovation Center Silicon Valley in einer bestimmten Ablehnung neuer Technologien gegenüber begründet sein: "Kommt man mit einer neuen Idee, wird man in Europa zuallererst meist mit 'Ist das nicht gefährlich?' oder 'Ist denn das nicht unethisch?' konfrontiert. Diese Skepsis gegenüber Neuem ist bestimmt nicht gerade förderlich für Innovationen"

Gesetzgeber ist gefordert

Während die Legislative in den USA deutlich flexibler auf neue Technologien reagiere, seien viele Gesetze in Österreich ein Hemmschuh für innovative Jungunternehmer, stellte Herger fest. "Die heimische Förderlandschaft für Start-ups ist durchaus positiv. Allerdings gehen mit reinen Fördergeldern, anders als Business Angels, keine Netzwerke, keine Kontakte und keine Mentoren einher. Und das ist mindestens genauso wichtig wie finanzielle Mittel."

Auch Georg Holzer, CEO und Gründer des Start-ups Xamoom kann der österreichischen Förderlandschaft für Jungunternehmer Positives abgewinnen. Andererseits sei damit extrem viel zeitintensive Bürokratie verbunden, die vor allem kleine Teams von der eigentlichen Arbeit abhält.

Für Business Angel Hansmann werden die Schwierigkeiten mit der Bürokratie völlig überbewertet. Es sei wichtig und richtig, diese Möglichkeiten auszuschöpfen, so Hansmann. Allerdings verortet er Probleme bei den Sozialversicherungsabgaben, Arbeitsgesetzen und der österreichischen Steuerpolitik. Laut Hansmann müssten diese Bereiche Start-ups-freundlicher und wesentlich flexibler gestaltet werden.

Vor allem die Abgabenpolitik sei dafür verantwortlich, dass hierzulande vergleichsweise wenig private Mittel in innovative Start-ups investiert werden. "Damit mehr private Gelder an Jungunternehmer fließen, muss der Hebel bei der Steuerpolitik angesetzt werden. Wäre es steuerlich lukrativer gestaltet, würden deutlich mehr Reiche in Start-ups investieren", ist sich Hansmann sicher.

Reformbedürftiges Bildungssystem

Abgesehen vom Umgang mit finanziellen Mitteln, wären auch Änderungen in der österreichischen Bildungspolitik und Ausbildungslandschaft wünschenswert, war sich das Podium einig.

Herger, der seit einiger Zeit in Kalifornien lebt, skizzierte wesentliche Unterschiede zwischen dem heimischen und dem US-amerikanischen Bildungssystem. "In Kalifornien werden Soft Skills, die etwa für Entrepreneurs oder für das Pitching essentiell sind, bereits ab dem Kindergarten vermittelt. In Europa hingegen ist man sehr auf Hard Skills fixiert. Dabei wären derartige soziale Schlüsselkompetenzen mindestens genauso wichtig, wie das Schulbuchwissen."

Gerade diese Soft Skills machen für Hansmann ein erfolgreiches Gründerteam aus. Denn außerordentliche Visionäre und ausgezeichnete Marketingmenschen seien ebenso unentbehrlich wie ein erfolgversprechendes Produkt und exzellente Techniker. Hansmann abschließend: "Ein durchschnittliches Team mit einer Super-Idee geht eher baden, als ein Super-Team mit einer durchschnittlichen Idee."

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