Digital Life
11.09.2016

Oliver Stone: "Obama könnte Edward Snowden begnadigen"

Der US-Regisseur hat das Leben des Whistleblowers verfilmt. Er hofft, dass der Film die Verantwortlichen von einer Begnadigung überzeugt.

"Obama könnte ihn noch vor seiner Amtsperiode begnadigen", sagte Oliver Stone im Rahmen einer Pressekonferenz auf dem Toronto Filmfestival über NSA-Whistleblower Edward Snowden. "Wir hoffen, dass Obama einen Geistesblitz hat und den Weg sieht", so der 69-jährige US-Regisseur einen Tag nach der Weltpremiere seines neuen Films " Snowden" mit Schauspieler Joseph Gordon-Levitt als titelgebendem Held.

Zum Helden gemacht

Freitagabend wurde in der kanadischen Metropole Toronto die Weltpremiere von "Snowden" gefeiert, des mit Spannung erwarteten Dramas des Oscar-prämierten US-Regisseurs Oliver Stone. Joseph Gordon-Levitt ("The Walk") spielt den Whistleblower Edward Snowden, der derzeit in Russland im Asyl lebt, weil die USA ihn als Spion verfolgen. Im Jahr 2013 enthüllte der 33-Jährige Geheimnisse darüber, wie die NSA gemeinsam mit anderen Organisationen wie der CIA illegal Milliarden von Menschen auf der ganzen Welt ausspioniert.

Stone macht den Whistleblower in seinem Film, zusammen mit Gordon-Levitt, zum Helden. Die beiden betonten, dass sie Snowden für einen "amerikanischen Patrioten" halten und nicht für einen Nestbeschmutzer. "Es gibt eine andere Art von Patriotismus, die ich in der Rolle zeigen wollte", sagte Gordon-Levitt. "Es ist die Art von Patriotismus, in die er hineinwächst im Laufe von neun Jahren, die Sie im Film sehen - wo er beginnt Fragen zu stellen."

Neun Besuche in Russland

Bei einem von neun Besuchen in Moskau nahm Stone seinen Hauptdarsteller mit. Snowden hat Gordon-Levitt bei der Gelegenheit erzählt, dass er sich nach seiner Heimat sehnt. "Ich weiß, dass er gerne nach Hause kommen würde", erzählte der 35-jährige Darsteller. "Ich hoffe es!" Aber Stone ließ auch anklingen, dass er eine Begnadigung für eher unwahrscheinlich hält, bedenkt man, wie "energisch" er verfolgt werde. "Snowden würde zurückkommen und sich einem Gericht stellen, wenn er einen fairen Prozess bekommt", so der Regisseur. Eine andere Option wäre "die Suppe auszulöffeln", sagte er weiter. "Vielleicht kann der Film helfen."

Derzeit lebt Edward Snowden im Asyl in Russland. Im Juli verurteilte er den Schachzug von Präsident Wladimir Putin, ein neues Anti-Terror-Gesetz zu unterzeichnen, das Telefonanbieter und Internetprovider zwingt, die private Kommunikation ihrer Kunden zu speichern und der Regierung zu übermitteln - wenn gewünscht. "Es ist eine harte Gesetzgebung, verwandt mit der amerikanischen Gesetzgebung", sagte Stone. "Aber die Amerikaner sagen das nicht offen wie einige Russen."

"Eine amerikanische Welt"

Und auch wenn man nicht notwendigerweise einverstanden sein müsse mit der Politik Russlands, so betonte der Regisseur: "Es war Russland, das ihm Asyl gab. Das kann man nicht leugnen. Es ist wahrscheinlich das einzige Land der Welt, das ihn beschützen kann. China wollte sich nicht einmischen. Ebenso wenig wie die anderen Länder, die um Asyl gebeten wurden. Jeder scheint Angst vor den Vereinigten Staaten zu haben. Das haben wir gesehen, als das Flugzeug des bolivianischen Präsidenten gezwungen war, in Österreich zu landen. Die Dinge haben sich geändert. Es ist eher eine amerikanische Welt jetzt."

Neben Joseph Gordon-Levitt sind unter anderem auch Shailene Woodley, Melissa Leo und Zachary Quinto in dem Drama zu sehen. "Snowden" kommt am 23. September in die österreichischen Kinos.