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One-Gründer Jamie Drummond: “Daten sind sexistisch”

Im Frühling dieses Jahres veröffentlichte die Entwicklungsorganisation One unter dem Titel “Poverty is sexist” eine ausführliche Studie, die zeigt, dass Frauen in Entwicklungsländern weitaus stärker von Armut betroffen sind als Männer. Das liegt unter anderem daran, dass Frauen schlechteren Zugang zu Bildung, zur Gesundheitsversorgung, zu landwirtschaftlichen Geräten und Saatgut haben. Gleichzeitig herrsche aber auch eine “Datenarmut”, wie Jamie Drummond, Mitbegründer von One, im Rahmen des Web Summit in Dublin konstatiert. Laut Drummond werden ein Drittel der Geburten auf der Welt und zwei Drittel der Todesfälle nicht erfasst - man wisse also überhaupt nichts über eine sehr große Zahl von Menschen.

Diese Datenkrise betreffe ebenfalls Frauen stärker als Männer. “Daten sind sexistisch”, spitzt Drummond das Problem zu. “Einerseits gibt es weniger Daten über Frauen in Entwicklungsländern, andererseits haben Frauen auch weniger Zugang zu Smartphones und dem Internet.”

Digitale Kluft

In den Ländern südlich der Sahara haben Frauen etwa im Schnitt um 23 Prozent weniger Zugang zu Smartphones als Männer und 45 Prozent weniger Frauen als Männer haben Internetzugang. Weltweit gibt es laut One 300 Millionen Frauen, die kein Smartphone haben, was umgerechnet auf einen wirtschaftlichen Gesichtspunkt einen Umsatzverlust von 13 Milliarden Dollar für Netzbetreiber ausmache. Der bislang noch unerschlossene Mobilfunkmarkt setzt sich laut den One-Statistiken zu zwei Dritteln aus Frauen zusammen.

Die Weltbank schätzt, dass ein Zehn-Prozent-Wachstum beim Breitbandzugang in Entwicklungsländern zu einem Wachstum von 1,38 Prozent des Buttoinlandsprodukts führen kann. Würde der Gendergap beim Breitbandzugang geschlossen, könne man damit zu einem allgemeinen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts ebenso beitragen wie zu einer Verbesserung der Einkommenssituation von Frauen.

Das Schließen der digitalen Kluft zwischen Männern und Frauen macht aber nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht Sinn. Besserer Zugang zu Technologie würde auch die Sicherheit vieler Frauen verbessern, ihnen Möglichkeiten geben, Bildungsangebote auf Smartphones zu nutzen sowie eigene Einkommenschancen eröffnen.

#Strengthie-Kampagne

Um mehr Aufmerksamkeit auf das Problem der Frauenarmut zu lenken, hat One vor einigen Monaten auch eine eigene internationale Kampagne gestartet. Menschen sind aufgefordert, eine Petition zu unterzeichnen. Parallel dazu laufen Social-Media-Kampagnen, die unter den Hashtags “With strong girls” und “Strengthie” laufen: Teilnehmer sollen sich mit Bizeps-Pose fotografieren, Frauen nennen, die sie bewundern und das Ganze auf Twitter, Facebook und Co posten. An der #Strengthie-Aktion beteiligen sich auch Prominente aus aller Welt. Zum Start der Kampagne hatte One die Kinderrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai als Testimonial gewonnen.

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