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Digital Life
05/10/2019

Otto wirbt mit schwulen Männern in Tracht und erntet Shitstorm

Mit einem schwulen Werbesujet, das zwei Männer in Tracht zeigt, löst Otto Österreich auf Facebook homophobe Reaktionen aus.

Die aktuelle Trachten-Kampagne des Modeversandhändlers Otto hat auf Facebook zu extremen Reaktionen geführt. Unter einem am Donnerstag Nachmittag veröffentlichten Posting, das zwei verliebte Männer in Tracht zeigt und mit dem Slogan "Egal auf wen du stehst, #trachtgehtimmer" gezeichnet ist, finden sich Hunderte homophobe Postings und gegenseitige Beschimpfungen von Nutzern, aber auch lobende Worte für die Kampagne.

Otto Österreich reagiert

Auf Nachfrage der futurezone teilt Otto-Österreich-Geschäftsführer Harald Gutschi mit, dass man an der Kampagne festhalten werde. "Wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft, in der auch gleichgeschlechtliche Menschen heiraten dürfen. Viele tun das in Tracht, es ist Teil unseres Lebens, und das wollen wir auch abbilden", sagte Gutschi. Natürlich wolle man mit der Kampagne auch aufrütteln und Diskussionen anstoßen. Über allem stehe aber mehr Akzeptanz für Menschen, egal welcher politischen Richtung, Religion oder Sexualität.

Die vielen homophoben Äußerungen, die von kotzenden Emojis und GIFs bis hin zu Kommentaren reichten, die das Sujet als "widerlich", "abartig" und "unnatürlich" bezeichneten, wollte Gutschi im Gespräch mit der futurezone nicht überbewerten: "Das sind natürlich keine angenehmen, aber sicherlich auch keine menschenverachtenden Kommentare. Darüber hinaus gibt auch mehr als genug Leuten, welche die Kampagne sehr positiv sehen."

Löschen werde man die negativen Kommentare sicher nicht, denn schließlich seien das die eigenen Fans. Angesprochen darauf, ob Otto auf seinem Facebook-Account nicht eine besondere Verantwortung habe, verwies Gutschi auf die Eigenverantwortung, die jeder auch auf Social-Media-Plattformen habe. Wer sowohl das Sujet, als auch negative Reaktionen wie ein kotzendes Emoji nicht sehen wolle, müsse dies auch nicht tun, sagte Gutschi.

Social-Media-Team reagiert

Angesichts der heftigen und teilweise menschverachtenden Diskussionen sah sich das Social-Media-Team am Freitag aber trotzdem veranlasst, eine Stellungnahme auf Facebook zu posten. Man habe gesehen, dass die Meinungen zum aktuellen Posting stark auseinandergehen. Man habe sich allerdings bewusst für dieses Bild entschieden, "da es für uns wichtig ist Werte wie Respekt und ein faires Miteinander zu vermitteln."

Abgesehen von einigen lobenden Beiträgen für den Modehändler äußerten einige Nutzer aber auch Kritik daran, dass Otto Österreich bei der Trachtenkampagne ausgerechnet auf Andreas Gabalier setze, der der Kollektion auch seinen Namen leiht. Denn der umstrittene Sänger war in den vergangenen Jahren mehrmals mit Äußerungen aufgefallen, in denen er sich etwa über das Abbilden von homosexuellen Personen in Medien oder der Werbung beschwerte.

"Man muss doch nicht jeden Tag schmusende Männlein in der Zeitung oder auf Plakaten drucken. Das löst das Gegenteil aus. Abwehr, Überdruss, Antipathie, selbst bei Leuten, die es doch eigentlich tolerieren", gab Gabalier unter anderem in einem Interview mit der Welt von sich.

"Wir liegen genau richtig"

Dass diese Diskrepanz zwischen Testimonial und eigentlich suggerierter Werbebotschaft einigen Kunden sauer aufstößt, sieht Otto-Österreich-Geschäftsführer Gutschi nicht problematisch: "Wenn sich die links der Gesellschaft stehenden über Gabalier aufregen und die rechts der Gesellschaft stehenden über unsere Männer-Trachtenkampagne, dann zeigt das doch nur, dass wir bei Otto Österreich genau richtig liegen, weil wir eben die Buntheit dieser Welt abbilden. Ich bleibe dabei: Trachten sind ein verbindendes Element."

Der gerade erst gestarteten Kampagne sollen weitere Sujets folgen. Ob darunter auch ein Bild mit zwei Frauen in Tracht ist, wollte Gutschi nicht verraten. Die Trachtenkampagne ist auf Österreich beschränkt. In Deutschland seien Trachten nur ein Randthema. Eine ähnliche Kampagne für Otto in Deutschland ist daher nicht geplant.