Digital Life
06.02.2014

Personalchefs stöbern bei Hälfte der Bewerbungen im Netz

Personalverantwortliche recherchieren bei fast der Hälfte der Bewerbungen im Internet. In 30 Prozent der Fälle hat das Auswirkungen auf die Personalauswahl.

Wer in Online-Foren Kommentare postet oder auf Facebook aus seinem Leben erzählt, muss damit rechnen, dass dies auch seine berufliche Zukunft beeinflusst. Bei 47 Prozent der Bewerbungen recherchieren Personalverantwortliche österreichischer Unternehmen im Internet. In einem Drittel der Fälle haben Internet-Recherchen Einfluss auf die Jobvergabe. Das geht aus einer Online-Umfrage unter fast 300 österreichischen Personalverantwortlichen im Auftrag der Initiative Saferinternet.at hervor, die am Donnerstag in Wien präsentiert wurde. "Online-Recherchen bei Bewerbungen werden in Zukunft zunehmen”, sagt Bernhard Jungwirth, Koordinator der Initiative.

In internet- und technikaffinen Branchen findet die Überprüfung der Bewerber online naturgemäß häufiger statt. In der Software-, IT- und Telekombranche haben fast 70 Prozent der Bewerbungen Online-Recherchen zur Folge, im Handel sind es im Vergleich dazu lediglich 26 Prozent. “Gerade jungen Menschen fehlt das Bewusstsein dafür, welche Auswirkungen ihre Internet-Präsenz auf ihre beruflichen Chancen hat”, meint Jungwirth: “Mögliche Konsequenzen werden nicht abgeschätzt.”

Eindruck über die Persönlichkeit

Mit den Online-Recherchen wollen sich Personalverantwortliche vor allem ein Bild über die Persönlichkeit der Bewerber machen, aber auch Angaben aus dem Lebenslauf überprüfen. Dazu nutzen sie vorwiegend Suchmaschinen wie Google oder Bing (76 Prozent) oder suchen in sozialen Netzwerken wie Facebook, Google+ und Twitter (61 Prozent) sowie Business-Netzwerken wie Xing oder LinkedIn (44 Prozent).

Besonders wird dabei auf Kommentare oder Postings, die Bewerber im Internet hinterlassen haben (51 Prozent), geachtet. Aber auch Kommentare, die über die Jobaspiranten verfasst wurden, geraten ins Blickfeld (36 Prozent) der Personalabteilung. Partyfotos- oder -Videos wird hingegen weniger Bedeutung beigemessen.

Positive Einflüsse überwiegen

In 29 Prozent der Fälle hatten solche Online-Recherchen, die meistens bereits vor dem ersten Bewerbungsgespräch stattfanden, Einfluss auf den weiteren Bewerbungsprozess. Überraschend ist, dass die Auswirkungen bei fast 40 Prozent der Fälle positiv waren, und nur bei zwölf Prozent negative Folgen für die Bewerber hatten.

Auch Rechtschreibfehler zählen

Neben falschen Angaben im Lebenslauf (89 Prozent), derben oder diskriminierenden Kommentaren (87 Prozent) und der Darstellung von Alkohol- oder Drogenmissbrauch (84 Prozent) wirkten sich auch Rechtschreib- und Grammatikfehler in Kommentaren oder Postings (79 Prozent) negativ auf die Jobchancen aus.

Positiv wurden Bewerbungen vor allem durch besondere berufliche Leistungen (78 Prozent), einen guten Gesamteindruck (70 Prozent) und sozialem Engagement (63 Prozent) beeinflusst.

Internet-Absenz wird positiv beurteilt

Wird wenig oder nichts über die Bewerber im Internet gefunden, wird dies in den Personalabteilungen eher wohlwollend interpretiert. Unter den Befragten war etwa zu hören: "Schützt sein Privatleben" oder "achtet auf die Privatsphäre". Negative Interpretationen wie "technologischer Nachzügler" oder "hat etwas zu verbergen" wurden seltener genannt.

"Eine bewusste Gestaltung des eigenen Online-Auftritts ist in Bezug auf die berufliche Zukunft ein wichtiges Thema", sagt Jungwirth. "Die Kontrolle des eigenen digitalen Fußabdrucks wird wichtiger."

Tipps

Er rät Bewerbern dazu, ihre Präsenz im Internet gezielt als Unterstützung für ihre beruflichen Ziele zu nutzen und auch die Überprüfung des eigenen Rufs im Netz als Teil der Bewerbung zu betrachen: "Suchen Sie regelmäßig nach sich selbst im Internet." Werden nachteilige Inhalte gefunden, sollte man diese löschen oder die Löschung bei den entsprechenden Diensten beantragen. Hilfestellungen dazu finden sich etwa beim Internet Ombudsmann.

Im Internet sollte auch nichts veröffentlicht werden, was zum eigenen Nachteil verwendet werden kann, sagt Jungwirth, der auch dazu aufrief, Privatsphäreeinstellungen in sozialen Netzwerken zu nutzen und auch regelmäßig zu überprüfen.

"Mit allem, was im Internet über Sie gefunden werden kann, können Sie auch im Bewerbungsgespräch konfrontiert werden", so Maximilian Schubert vom Verband der österreichischen Internet-Anbieter ISPA. Er rät deshalb vor allem Jugendlichen in Online-Foren Pseudonyme zu verwenden.

Kündigungen wegen Social-Media-Nutzung

Die Internet-Nutzung kann aber auch bei bestehenden Arbeitsverhältnissen zu Problemen führen, sagt Schubert. Bei sechs Prozent der befragten Unternehmen kam es wegen der Social-Media-Aktivitäten von Mitarbeitern bereits zu Kündigungen.

"Nur knapp 40 Prozent der Firmen haben Richtlinien im Umgang mit sozialen Netzwerken", meint Schubert: "Da besteht Konfliktpotenzial." Er rät Unternehmen dazu, festzulegen, wie Online-Netzwerke während der Arbeitszeit genutzt werden können und welche Regeln bei der privaten Nutzung von Facebook und Co. in Bezug auf das Unternehmen zu beachten sind.

Safer Internet Day

Tipps und Anregungen zur Wahrung des eigenen Rufs im Netz will Saferinternet.at im Laufe des Jahres auch als Unterrichtsmaterial veröffentlichen, das unter anderem bei Workshops zum Einsatz kommen soll. Die Selbstdarstellung im Internet ist auch ein wichtiges Thema beim diesjährigen Safer Internet Day, der am kommenden Dienstag stattfindet. Im gesamten Februar finden im Rahmen eines Aktionsmonats Veranstaltungen statt. Mehr als 180 österreichische Schulen haben unterschiedliche Projekte und Initiativen gestartet. Detaillierte Informationen dazu gibt es unter saferinternetday.at.