Konferenz
02/06/2011

Politik und Wirtschaft warnen vor dem Cyberwar

Staats- und Firmenchefs fordern gemeinsame Strategie.

Bei der Sicherheitskonferenz in München prallen der Krieg der Vergangenheit und der Krieg der Zukunft aufeinander: Die alte Bedrohung durch Raketen sorgt für ebenso hitzige Debatten wie die neue Bedrohung durch Cyber-Attacken. Kanzlerin Angela Merkel ringt noch um passende Worte, als sie die ungewohnten Gefahren eines kostspieligen Wettrüstens gegen die Angriffe aus dem Internet beschwört. Der russische Außenminister Sergej Lawrow dagegen greift tief in die Kiste mit den alten Drohungen aus der Zeit des Kalten Kriegs, als er die USA warnt, zu rasch und ohne Abstimmung mit Russland mit ihren Plänen für ein Raketenschild vorzupreschen.

Merkel warnte vor einer Verlagerung des Wettrüstens von den militärischen Waffenarsenalen ins Internet. "Wir werden viel Geld damit vergeuden, ohne dass man eine Armee sieht, wie es im Kalten Krieg war", warb sie für ein rasches internationales Abkommen gegen Cyber-Attacken. Die G8 solle sich des Themas annehmen, forderte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere. "Pro Tag verzeichnen wir vier, fünf Angriffe auf das Netz des Bundesregierung", sagte er. Alle zwei Sekunden gebe es im Internet Angriffe, die teilweise kriminellen, teilweise aber auch staatlichen Hintergrund hätten. Auch der britische Außenminister William Hague sprach von systematischen Angriffen auf das britische Regierungsnetz und britische Rüstungsfirmen.

Firmen unter Beschuss
Deutsche-Telekom-Chef Rene Obermann warnte, Cyber-Attacken würden künftig die dominierende Gefahr in der Sicherheitspolitik sein. "Allein im Dezember verzeichnete die Deutsche Telekom 200.000 Angriffe auf ihr Netz", sagte er. Professionelle Virenjäger hätten mittlerweile eine Liste von mehr als drei Millionen verschiedenen Viren. Unklar ist dabei, wie das Internet, Energie-Netze, aber auch etwa Kontrollsysteme von Industrieanlagen geschützt werden können. Die Jagd auf die Angreifer wird dadurch erschwert, dass sie oft erst nach Wochen identifiziert werden können. Umstritten ist auch, ob Polizei oder Militär für die Abwehr von Cyber-Attacken zuständig sind.

De Maiziere forderte einen Bündnis von Politik und Firmen, um sich gegen Gefahren zu wappnen. Gelinge es Cyber-Angreifern, den Zahlungsverkehr auch nur für einen Tag lahmzulegen, hätten alle darunter zu leiden, warnte er. Etwa 80 Prozent der Informations-, Kommunikations- und Energienetze in den Industriestaaten sind in privater Hand. Obermann mahnte die Unternehmen, Ersatznetze aufzubauen, um die Verfügbarkeit strategisch wichtiger Verbindungsstränge zu garantieren.

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(reuters)


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Die Vorträge auf der Sicherheitskonferenz in München können im Internet als Live-Stream verfolgt werden.
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