Digital Life
15.11.2013

Polnische Armee investiert in Trojaner

Die polnische Armee will andere Länder elektronisch angreifen können und sich gegen solche Angriffe auch verteidigen können.

Zu diesem Zweck sucht das Verteidigungsministerium nach einem polnischen Unternehmen, das einen Trojaner (Schadsoftware) für militärische Zwecke schafft, berichtete am Freitag die „Gazeta Wyborcza“.

Durch viele infizierte Computer beim Gegner wäre Polen in der Lage, dessen militärische Systeme zu lähmen, kommentierten Experten. Die Ausschreibung, die das Ministerium gemeinsam mit dem Nationalen Zentrum für Forschung und Entwicklung (NCBiR ) vorbereitet hat, sieht den Kauf von „Hard- und Software für den wirksamen, aktiven und passiven Kampf im Datenkommunikationsnetz“ vor. Demnach will die Armee die Möglichkeit haben, die Kontrolle über Computer, Router and Internet-Zugangspunkte zu übernehmen.

Ausschreibung bereits geschlossen

Laut dem Portal über Sicherheit im Internet niebezpiecznik.pl, das zuerst über die Pläne des Verteidigungsministeriums berichtet hatte, soll das auf drei Jahre angelegte Projekt 6,6 Millionen Zloty (1,58 Mio. Euro) kosten. Die Ausschreibung ist bereits geschlossen. Die Informationen wurden von den Websites der Regierung gelöscht. Nach der Frage des Portals über weiteren Verlauf der Ausschreibung teilte das NCBiR mit, dass alles vertraulich behandelt werde. Aktuell würden die vorgelegten Angebote beurteilt.

Das Verteidigungsministerium wollte nicht beantworten, wer die Nutzung der virusartigen Software überwachen wird, wer gegebenenfalls die Ziele eines Cyberangriffes genehmigen werde und ob die geplante E-Waffe nur gegen feindliche Staaten oder vielleicht auch gegen polnische Bürger gerichtet sein werde. Das Ressort schrieb in einer Erklärung, dass eine Beantwortung solcher Fragen die Veröffentlichung sensibler Information bedeuten würde. Dies könnte zur Schwächung des Systems führen. Das Ministerium versicherte jedoch, dass die Ausschreibung unter Aufsicht des Bevollmächtigten für Cyber-Sicherheit realisiert werde, der allerdings direkt Minister Tomasz Siemoniak untersteht.