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Interview
09/08/2011

Positives Arge Daten-Zeugnis für Winpin

Seit einigen Wochen prangt ein roter Wuschelball von Tausenden Plakaten in ganz Österreich. Winpin, wie sich das neue Produkt nennt, soll Außenwerbung und Online-Kampagnen kombinieren und Kunden zum Dialog einladen. Der von Datenschützern anfangs kritisierten Plattform wurde nach einigen AGB-Änderungen von Arge Daten ein positives Zeugnis ausgestellt. Die futurezone interviewte die Macher, Winpin-Chef Heimo Hammer und Gewista-Boss Karl Javurek.

Futurezone: Winpin kurz zusammengefasst: Man registriert sich einmalig auf einer Webseite und kann dann bei verschiedenen Werbeaktionen, bei denen es etwas zu gewinnen gibt, mitmachen – entweder im Web, per App oder in dem man einen vierstelligen Zahlencode von einem Werbeplakat per SMS an die Nummer 55005 schickt. Viele Firmen sind bereits Winpin-Kunden, welche Geschäftspartner können theoretisch die Daten erhalten?
Heimo Hammer (Winpin): Keiner. Wir gehen sogar soweit, dass wir die Daten eines Gewinners dem Partner, also dem Unternehmen, das bei uns eine Kampagne gebucht hat, nicht zur Verfügung stellen. Wir ermitteln den Gewinner, stellen Adress-Etiketten her, erhalten von unseren Partnern den Preis und schicken diesen dem Gewinner zu. Es gibt keine einzige Plattform in Österreich, und wir haben 50 getestet, die so sorgsam mit den Daten umgeht.

Der Wiener Web-2.0-Experte Gerald Bäck hat das Geschäftsmodell von Winpin kritisiert; der Kunde und seine Daten seien das eigentliche Produkt.
Hammer: Herr Bäck hat da etwas falsch verstanden. Konkret ist es so, dass wir überhaupt keine Daten hergegeben, wir schützen sie sogar. Das ist im Paragrafen 9 unserer Geschäftsbedingungen genau geregelt. Wir geben weder kontrolliert noch unkontrolliert Daten außer Haus.

Karl Javurek (Gewista): Ich muss ehrlich sagen, dass ich die Problematik anfangs gar nicht so gesehen habe, daher war ich froh über die Kritik und darum haben wir die AGBs bereits geändert.

Datenschützer kritisieren auch den Punkt 12 in den AGBs, in dem jeder Teilnehmer durch das Akzeptieren der Geschäftsbedingungen auch genehmigt, dass seine Daten samt Foto publik gemacht werden können.
Hammer: Da war die Kritik in diesem Punkt berechtigt. Jetzt machen wir es so, dass der Name der Person, die etwas gewinnt, nur dann veröffentlicht wird, wenn sie zustimmt. Das haben wir in den AGBs schon korrigiert.

Hätte man die Kritik nicht verhindern können?
Javurek: Wir haben von der ARGE Daten ein Gutachten erstellen lassen, weil wir wissen wollten, wie unsere Kampagne im Vergleich zu anderen Social Media Kampagnen abschneidet, die in Österreich via Facebook gemacht werden.

Hammer: Wir sind hier absolut seriös, denn bei uns dürfen sich nur Leute registrieren, die über 18 Jahre alt sind und wir geben diese Daten auch niemandem weiter.

Mit Facebook oder Google sollte man sich punkto Datenschutz allerdings nicht vergleichen.
Hammer: Wenn wir über Social Media reden, reden wir über Google, über YouTube, über Facebook. Und alle Kampagnen, die ich kenne, haben mit Beiträgen oder Fotos bzw. Videos zu tun, die man hochlädt und bewertet.

Bis wann gibt es das ARGE Daten-Gutachten?
Hammer: Der Entwurf liegt vor und enthält einige Empfehlungen. Die Nichtweitergabe von Daten und das Abfragen, ob der Gewinner will, dass sein Name genannt wird, wurden als ausreichend bewertet. ARGE Daten-Chef Hans Zeger hat uns ein positives Zeugnis ausgestellt.

Javurek: Wir sind eine offene Plattform, die auf die Kritik eingeht. Ich bin mir sicher, dass wir innerhalb der nächsten sieben bis 14 Tage AGBs haben, die im Sinne der Community und 100 Prozent gesetzeskonform sind. Und diese gelten dann für alle.

Reden wir über Ihr Produkt. Sie haben Ihre Kampagne mit dem roten Ball im Sommer gestartet, in dem Plakatwerbung üblicherweise nicht gut gebucht ist.
Hammer: Das ist – abgesehen von Wahlplakaten – eine der größten Kampagnen, die es je gegeben hat. Das Interessante daran ist, dass viele Menschen über das Plakat kommen, mit dem Smartphone aktiv teilnehmen und im Facebook Aktionen teilen.

Javurek: Und es ist eines der innovativsten Produkte am Werbemarkt, es ist ein Paradebeispiel für Medienkonvergenz, ein Zusammenspiel zweier Mediengattungen, für die internationale Trendforscher die besten Zukunftsaussichten prognostizieren: Erstens der Online-Bereich, zweitens die Außenwerbung.

Ist das Plakat wirklich noch so hip?
Javurek: Alle Prognos-Studien sagen der Außenwerbung kräftige Zuwachsraten voraus, weil sich immer mehr Menschen im öffentlichen Raum aufhalten. Da wir uns aber mitten in der Online-Ära befinden, war die Integration einer Online-Komponente in die Außenwerbung ein fast logischer Schluss. Beide ergänzen sich, der eine merzt die Fehler des anderen aus.

Was schaffen Sie mit Winpin, was Sie mit dem Plakat alleine nicht geschafft haben?
Javurek: Einen direkten Dialog mit den Kunden, und die brauchen künftig nicht mehr bei jeder neuen Werbekampagne eines Unternehmens neu lernen, wie die Kampagne funktioniert, was er tun muss, wie er zu diesem oder jener Information kommt und gewinnen kann. Winpin ist eine Dachmarke, unter der jede Firma ihre Kampagne starten kann.

Warum setzen sie noch auf SMS?
Hammer: Für all jene, die mit Internet noch nicht viel am Hut haben, machen wir SMS. Allerdings ist unsere Kampagnen-Nummer 55005 erstens keine Mehrwertnummer und zweitens tragen die Kosten der Antwort-SMS wir. Unseren Hauptfokus legen wir aber auf jene, die ein Tablet besitzen, ein iPad, ein iPhone; die bekommen mehr geboten, eine mobile Webseite und Apps. Wir haben derzeit 64 Prozent aktive Smartphonenutzer auf der Plattform.

Was kann ich mit der App anfangen?
Hammer: Da kommt der Pinnie ins Spiel, immer wenn man den auf einem Plakat sieht, weiß der Smartphone-Benutzer, dass er via App mehr über dieses Produkt erfahren kann. Auch, und das ist die technische Innovation, via Augmented Reality. Man nimmt mit der Kamera des Smartphones den Pinnie ins Visier und plötzlich kann das Produkt dreidimensional werden, es wird ein Video aktiviert oder im Video ein Text mit einer Weiterverlinkung. Das sind spannende Werbeformen.

Derzeit fällt aber, wie die

futurezone berichtet
hat, vor allem der QR-Code auf.
Hammer: Der QR-Code ist Teil unseres Codesystems, um den Leuten zu sagen, dass sie ihn verwenden sollen. Künftig sollen aber die Pinnies diesen QR-Code ersetzen. Unser Code ist das Sujet.

Das bedeutet, dass der Pinnie ein Augmented-Reality-Code (AR-Code) ist?
Javurek: In einigen Jahren wird jede Kampagne einen AR-Code integriert haben. Das Problem des AR-Codes ist heute, dass keiner weiß, dass darin eine Geschichte verborgen ist. Wir führen diese Figur ein und diese wird künftig der Code sein.

Das heißt, dass für jede Firma ein eigener AR-Pinnie erzeugt werden muss.
Hammer: Da wird es in den Pinnies kleine Unterschiede geben, die man gar nicht genau erkennt, die aber genau einer Firma zugeordnet wird.

Welche Firmen können solche Kampagnen buchen?
Hammer: Jedes Unternehmen. Wir haben das System so flexibel aufbeaut, dass wir innerhalb von zwei Tagen eine Kampagne auf die Beine stellen. Für App,Web,SMS,AR. Will man auch Plakate haben, dauert das freilich länger. Wir sind sehr kreativ in unseren Winpin-Labs.

Wie viele Nutzer haben Sie zur Zeit?
Hammer: Wir haben in den ersten zwei Wochen über 140.000 Unique Visitors im Web, davon 24.700 iPhone-User, 18.600 Android-User, mehr als 10.000 haben sich die Apps (iPhone und Android) downgeloadet. Dazu kommen noch die SMS-Nutzer. Bei den Kundenkampagnen von kika, bauMax, Fly Niki, Ottakringer und Vereinigte Bühnen Wien haben bereits mehr als 44.000 teilgenommen.

Wie groß soll die Winpin-Community sein?
Javurek: Unser Ziel ist es, das Plakat mit einem aktiven Mitmacherlebnis am Markt anzubieten und innerhalb des ersten Jahres auf 100.000 aktive Winpin-Teilnehmer zu kommen.

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