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Last-Mile-Logistik
06/18/2013

Post: "Mensch im Mittelpunkt, nicht der Ort"

Der Mensch wird immer mobiler. Das merkt auch die Österreichische Post AG, wenn sie ihre Pakete zustellen will. Künftig soll daher der Mensch noch deutlicher im Vordergrund stehen und nicht der Ort. Eine Forschungskooperation des Innovationszentrums der Post mit der Universität Graz soll dieses Thema nun vorantreiben.

Um die Themen „Kommunikation" und „Zustellung" nachhaltig zu verknüpfen, ist die Österreichische Post AG vor wenigen Wochen eine Forschungskooperation mit der Universität Graz eingegangen. Ziel ist es zu erforschen, wie die Post die Zustellung direkt zum Empfänger weiter optimieren kann. Nicht zuletzt auch deswegen, die die Logistikkosten der letzten Meile bis zu 75% des gesamten Lieferkosten ausmachen.

Die Herausforderungen werden durch die schnelllebige Zeit immer größer: „Der Empfänger ist zur Zustellzeit nicht zu Hause, die Zustellung ins Büro ist zunehmend unerwünscht. Gleichzeitig gibt es eine starke Zunahme der Zustellungen durch das rasante Wachstum des Elektronischen Handels. Empfänger besitzen Smartphones und Tablets und wollen informiert werden, wann etwas zugestellt wird und selbst bestimmen wann und wohin die Lieferung erfolgt", sagt Post-Vorstand Peter Umundum im Gespräch mit der futurezone.

Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht der Ort
Im Mittelpunkt soll künftig daher der Mensch stehen und nicht die Adresse. „Zugestellt wird an den Menschen. Man muss sich das ähnlich vorstellen wie bei der Telefonie. Früher erreichte man die Menschen am Festnetz an einem fixen Ort. Jetzt erreicht man ihn dort, wo er sich gerade befindet", so Umundum.

Die Verbindung zwischen Mobilkommunikation und Last-Mile-Logistik bietet daher vielfältige Möglichkeiten zur Optimierung des Zustellprozesses und der weiteren Erhöhung der Erstzustellquote, die derzeit bei durchschnittlich 90% liegt. Umundum: „Am Land erreichen wir sogar nahezu 100%, in der Stadt geht es runter bis auf 60%. Dort liegt auch der Fokus unserer Zusammenarbeit, denn jede Hinterlegung bzw. ein zweiter Zustellversuch verursachen Kosten." Prototypische Entwicklungen von mobilen Apps sowohl für Geschäfts- als auch Privatkunden sind daher eines der Ziele dieser Kooperation.

Sechs neue Stellen für Dissertanten
Im Zuge der Partnerschaft werden sechs neue Stellen für Dissertanten geschaffen. Dies ermöglicht besonders engagierten Studierenden sich in einem innovativen Thema in Zusammenarbeit mit einem international erfolgreichen Unternehmen zu vertiefen und zu profilieren. Insgesamt arbeiten seitens der Universität Graz zehn Mitarbeiter am Projekt. Im wissenschaftlichen Bereich wird auch eine weiterführende Vernetzung mit der Technischen Universität Graz und der Montanuniversität Leoben erfolgen.

Hintergrund
Das gesamte Paketvolumen in Österreich steigerte sich zwischen 2009 und 2011 um etwa 10% von 135 Millionen auf etwa 149 Millionen Pakete. Derzeit liegt der E-Commerce-Umsatz Business-to-Consumer (B2C) in Europa bei etwa 170 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2015 wird eine Steigerung auf etwa 260 Milliarden Euro erwartet.

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