Digital Life 17.03.2013

Radrennfahrer brechen für App Verkehrsregeln

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Eine App für ambitionierte Radsportler sorgt in immer mehr Großstädten Europas und in den USA für Ärger. "Strava" ist eine GPS-gestützte Trainingsplattform, die es Ausdauersportlern ermöglicht, sich auf bestimmten Strecken virtuell zu messen. Besonders beliebt sind neuerdings innerstädtische Ballungsräume – etwa das Zentrum Dublins.

In Dublin haben zuletzt gleich mehrere Mitglieder der "Strava"-Community für negative Schlagzeilen gesorgt, weil sie Geschwindigkeitsbeschränkungen gebrochen, Fußgänger angefahren, andere Radfahrer angeschrien bzw. bedrängt haben oder weil sie mit Fahrzeugen zusammenstoßen sind, berichtet die "Sunday Times".

Kürzlich donnerte ein Radler mit 50,8 km/h über die stark frequentierte Pearse Street hinter dem berühmten Trinity College Dublin. Der virtuelle Stoppomat misst die Geschwindigkeit der Hobby-Rennfahrer. Wer auf einer bestimmten Strecke die beste Zeit schafft, darf sich "Bergkönig" nennen. Ein anderer Dubliner "Strava"-Radler schoss mit 54,5 km/h über die Samuel-Becket-Bridge.

Kritik aus Radfahrer-Community
"Ich verstehe nicht, wie jemand solche Geschwindigkeiten im Zentrum Dublins riskieren kann. Was ist mit dem Verkehr, mit den Schlaglöchern und den Fußgängern? Ich kann mir nichts Gefährlicheres vorstellen", kritisiert Mike McKillen von der irischen Radfahrer-Lobby "Cyclist.ie".

Strava Screenshot Wien
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Das Problem ist nicht auf Dublin beschränkt. Auch in Wien gibt es eine Reihe virtueller Rennstrecken mitten in der City. In den USA sind die Betreiber von "Strava" vor Gericht gelandet, nachdem ein User im Frühjahr 2012 tödlich verunglückt ist. Er war beim Versuch, auf einer Strecke in San Francisco "Bergkönig" zu werden, einen Abhang hinunter gerast und mit einem Auto zusammengestoßen. Seine Eltern klagten "Strava". Das US-Unternehmen teilte mit, dass man den Unfall sehr bedaure. Schuld am Tod sei man aber nicht. Jeder Radfahrer sei für seinen Fahrstil selbst verantwortlich. Das Verfahren läuft noch.

Gefährliche Strecken
"Strava"-Nutzer kritisieren die Auswüchse ebenfalls. Erin Korff, der auf einer Strecke um den New Yorker Central Park "Berkönig" wurde, fürchtet, dass es bald überall in der US-Metropole virtuelle Radrennen geben könnte. "Strava" reagierte auf die Kritik und führte ein neues Feature ein, dass es Nutzern ermöglicht, bestimmte Strecken als "gefährlich" zu markieren. Auf diesen gibt es dann keine Wertung mehr.

Die Ranglisten sind ohnehin oft zweifelhaft. Teilnehmer können die Strecken mit dem Motorrad gefahren sein oder gedopt haben. Der mit Sicherheit berühmteste "Strava"-Nutzer ist der gefallene Ex-Radprofi Lance Armstrong. Er ist auf nicht weniger als 150 virtuellen Strecken "Bergkönig". Diese Titel wurden ihm nicht aberkannt.

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