Russlands Geheimdienst begegnet den Besuchern der Olympischen Spiele mit Misstrauen

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Digital Life
10/06/2013

Russland plant totale Überwachung in Sochi

Das „Sorm“-Programm des Geheimdienstes FSB - für Experten eine Art „Prism auf Steroiden“ - soll sämtliche Kommunikation um die Olympischen Spiele filtern.

Teilnehmer und Zuseher der Olympischen Winterspiele 2014 werden mit einem der durchdringendsten Überwachungssysteme aller Zeiten konfrontiert werden, berichtet der Guardian. Russlands Geheimdienst FSB bereitet die vollständige Überwachung der Veranstaltung vor. Dies gehe aus Ermittlungen der zwei Journalisten Andrej Soldatow und Irina Borogan hervor.

Sie fanden unter anderem heraus, dass sämtliche Telefon- und WLAN-Netzwerke manipuliert wurden, um dem Überwachungsprogramm „Sorm“ von Russlands Geheimdienst FSB vollen Zugriff auf jegliche Kommunikation rund um die Spiele zu ermöglichen. Sorm verwendet unter anderem Deep Packet Inspection (DPI), um Kommunikationsinhalte nach bestimmten Schlagwörtern zu filtern.

Sorm-Zugang als Vorschrift

Ron Deibert, Professor der Universität Toronto und Helfer bei den Recherchen, bezeichnet Sorm in Anlehnung auf das von Edward Snowden aufgedeckte US-Überwachungsprogramm als „Prism auf Steroiden“. Im Gegensatz zu Prism bestünden aber eindeutige Unterschiede. Russischen Unternehmen und Institutionen werde ein Zugang für Sorm verpflichtend vorgeschrieben. Das Programm kann jederzeit ohne Wissen von Infrastrukturbetreibern auf jeglichen Datenverkehr zugreifen.

Sicherheitstipps

Das US Department of Diplomatic Security hat Besuchern der Olympischen Spiele bereits geraten, in Russland äußerste Vorsicht im Umgang mit Smartphones anzuwenden. Eine Liste an vorbeugenden Maßnahmen enthält unter anderem die Empfehlung, Handy-Akkus zu entfernen, wenn das Gerät gerade nicht verwendet wird. Firmengeheimnisse sollte man besser nicht in digitaler Form mit sich tragen.

Deibert weist außerdem darauf hin, dass man nicht versuchen sollte, online Treffen oder Demonstrationen zu organisieren, etwa um gegen Russlands Anti-Homosexuellen-Gesetze zu protestieren.

FSB-Reaktion

Russlands Geheimdienst FSB reagiert unterdessen gelassen auf Berichte um intensive Überwachungsmaßnahmen. In London sei alles noch viel schlimmer gewesen, meint FSB-Spreicher Sergej Lawrischtschow: „Dort haben sie sogar Überwachungskameras - entschuldigen Sie, dass ich das sage - in den Toiletten montiert.“