Erstflug der Su-57D
Su-57D: Warum Russland jetzt einen zweisitzigen Stealth-Fighter baut
Am Wochenende ist ein Foto einer neuen Variante der Sukhoi Su-57 aufgetaucht. Russlands Stealth-Fighter ist dabei bei Tests auf dem Rollfeld zu sehen.
Das erste Foto der Su-57D wurde auf dem Telegram-Channel des russischen Militärbloggers Fighterbomber veröffentlicht
© Fighterbomber
Das Besondere: Diese Variante, die Su-57D heißen soll, hat ein Cockpit für 2 Personen. Jetzt hat sich der Flugzeugbauer UAC, der mehrheitlich der russischen Regierung gehört, offiziell dazu geäußert. Der erste Prototyp der Su-57D hatte demnach seinen Erstflug.
Wie bei Testflügen von neuen Zweisitzern üblich, war aus Sicherheitsgründen nur eine Person an Bord. Dies war laut UAC Sergei Bogdan, der Chef-Testpilot von Sukhoi. Sukhoi hat früher selbst Kampfjets gebaut und ist nach der Eingliederung in UAC zum „Designer“ für zivile und militärische Maschinen geworden und hat auch die Su-57 entworfen.
Waffenoffizier sitzt höher als Pilot
Laut UAC verlief der Testflug problemlos. Technische Daten zur Su-57D wurden nicht veröffentlicht. Zumindest liefern die beim Testflug entstandenen Fotos einen guten Blick auf die neue Su-57D.
Im Vordergrund die reguläre Su-57, dahinter die Su-57D
© UAC
Die gläserne Cockpit-Kapsel der Su-57D ist viel länger als bei der normalen Su-57. Das Cockpit erstreckt sich zudem nach oben. Der Co-Pilot bzw. Waffenoffizier hat so eine deutlich erhöhte Position hinter dem Piloten.
Su-57D
© UAC
Das ist eine ungewöhnliche Entscheidung. Bei westlichen und chinesischen Twin-Seat-Kampfjets sitzt der Waffenoffizier auf gleicher Höhe bzw. weniger erhöht, weil er ohnehin viel auf die Bildschirme und Instrumente schaut und weniger aus dem Cockpit.
Pilot und Waffenoffizier in einer amerikanischen F-15
© US Air Force
Beim Prototyp der Su-57D hat sich Sukhoi vermutlich von einem früheren Zweisitzer inspirieren lassen. Auch bei der Su-30 sitzt der Waffenoffizier deutlich höher als der Pilot.
Durch diese Form des Cockpits bekommt die Su-57D einen merkbaren Buckel im Vergleich zur Su-57. Das wirft Fragen auf, ob die neue Form die Stealth-Eigenschaften und die Aerodynamik negativ beeinflusst. Die Su-57D könnte also leichter vom Radar der Luftabwehr erfasst werden und weniger Reichweite haben als die normale Su-57.
Exklusiver Club: Twin Seat Stealth-Fighter
Mit der Su-57D ist Russland die zweite Nation der Welt, die einen zweisitzigen Kampfjet der 5. Generation in die Luft gebracht hat. Bisher war China das einzige Land mit so einem Stealth-Fighter. Die J-20S ist die Twin-Seat-Variante der J-20.
Voraussetzung, dass ein Kampfjet zur 5. Generation gezählt wird, sind die Tarnkappeneigenschaften. Dazu gehören die F-22, F-35, Su-57, J-20 und J-35. Von der F-22 und F-35 gibt es keine Zweisitzer-Variante.
Die USA bauen derzeit mit der F-47 ihren ersten Stealth-Fighter der 6. Generation. Ob diese auch als Zweisitzer-Variante kommt, ist bisher nicht bekannt. China führt bereits Flüge mit der J-36 und J-50/J-XD aus, bei denen es sich vermutlich um Flieger der 6. Generation handelt. Die J-36 ist ein Zweisitzer, die J-50 wurde bisher nur als Einsitzer gesichtet.
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Foto eines J-36-Prototyps: Die grünen "Augen" sind die Head-up-Displays für die Piloten, die in der J-36 nebeneinander sitzen.
Was bringt ein Zweisitzer?
Bis vor einigen Jahren galten Stealth-Fighter mit 2 Sitzen als wenig praktikabel, weil dadurch eben Reichweite und Tarnkappeneigenschaften potenziell beschnitten werden. Dass China und jetzt auch Russland diesen Weg gehen, liegt an den Fortschritten in der Rüstungstechnologie: Drohnen, elektronische Kriegsführung und Raketen mit immer höheren Reichweiten.
Denis Manturow, Vize-Ministerpräsident von Russland, sieht die Su-57D deshalb in 3 Rollen: erweiterte Kampfeigenschaften, Command & Control und Ausbildungsflugzeug. Für letztere Aufgabe kann ein erfahrener Pilot einen Auszubildenden in der Su-57D begleiten und notfalls eingreifen, oder ihm komplizierte Manöver vorführen. Zwar kann man Ausbildungsflüge auch mit anderen Maschinen durchführen, wenn es jedoch in einem Kampfjet passiert, der dem möglichst nahekommt, den man später fliegen wird (in diesem Fall eine normale Su-57), ist das vorteilhaft.
Su-57D
© UAC
Weitreichende Waffen und elektronische Kriegsführung
Die erweiterten Kampfeigenschaften beziehen sich auf die Waffen mit höherer Reichweite und Maßnahmen zur elektronischen Kriegsführung. Hier ist der Vorteil, dass sich der Pilot ums Fliegen kümmern kann, während der Waffenoffizier Ziele auswählt, die Flugbahn der Raketen und Marschflugkörper überwacht oder die Jamming-Maßnahmen steuert, um feindlichen Funk und Radar zu stören.
Die US Navy hat etwa für solche Aufgaben die F/A-18F. Sie ist aber ein Zweisitzer der 4. Generation, hat also keine Stealth-Eigenschaften. Mit der EA-18 Growler gibt es eine eigene Variante der Maschine, die für elektronische Kriegsführung optimiert ist.
Drohnensteuerung
Command & Control bezieht sich auf die Steuerung von Drohnen und unbemannten Kampfflugzeugen. In dieser Rolle kümmert sich der Pilot um das Steuern der Su-57D, während der Waffenoffizier den Drohnen Befehle gibt bzw. ihre Aufklärungsdaten auswertet.
Das gilt als Zwischenschritt zum Weg hin zu vollständig autonomen, unbemannten Kampfflugzeugen. Bis es so weit ist, sollen Drohnen als sogenannte Loyal Wingman agieren, etwa um bemannte Kampfjets bei Luftkämpfen oder dem Angriff auf Bodenziele zu unterstützen.
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Su-57D hebt ab
© UAC
Das Prinzip wird bei US-Streitkräften „Quarterback“ genannt, wie die Position im American Football. Der bemannte Kampfjet ist mit am Schlachtfeld und hat dadurch ein anderes Bild der Lage, als wenn nur ein Trainer von der Seitenlinie aus zusieht (die Einsatzzentrale, die die Drohnen aus der Ferne befehligen würde). Der bemannte Flieger kann auch selbst kämpfen, gibt aber den unbemannten Flugzeugen Anweisungen und Angriffsbefehle, um sich selbst möglichst wenig in Gefahr begeben zu müssen.
Su-57D
© UAC
Stealth-Quarterbacks für Stealth-Drohnen
Da Luft-Luft- und Boden-Luft-Raketen mittlerweile mehrere Hundert Kilometer Reichweite haben und neue Modelle dies noch übertreffen werden, muss auch Command & Control daran angepasst werden. Daher werden Stealth-Drohnen entwickelt und gebaut, die Aufklärungsmissionen aber auch Kampfhandlungen durchführen können. Und deshalb macht es natürlich auch Sinn, wenn der Quarterback Stealth-Eigenschaften hat – sonst würden die Drohnen zwar nicht sofort am Radar der Luftabwehr aufscheinen, der bemannte Kampfjet aber schon, der ja eigentlich durch die Wingman-Drohnen geschützt werden soll.
Su-57D bei der Landung
© UAC
Russland hat bereits mit der einsitzigen Su-57 als Stealth-Quarterback experimentiert. So gab es etwa Tests, bei denen die Su-57 in Formation mit einer Sukhoi S-70 Okhotnik-B Stealth-Drohne geflogen ist. Zukünftig könnte die Su-57D eine größere Gruppe Stealth-Drohnen steuern.
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Es gibt zudem Gerüchte, dass die Su-75 in der ursprünglich geplanten Form mittlerweile komplett aufgegeben wurde. Stattdessen soll ein unbemannter Kampfjet auf Basis dieses Stealth-Fighters gebaut werden. Ein entsprechendes Modell wurde von Sukhoi bei einer Rüstungsmesse im November 2025 gezeigt.
Ob dies nur eine Designstudie war oder das Projekt wirklich umgesetzt werden soll, ist derzeit nicht bekannt. Jedenfalls gilt es als sehr wahrscheinlich, dass Russland, genau wie China und die USA, an unbemannten Stealth-Drohnen arbeitet, die nicht nur Boden- sondern auch Luftziele angreifen können.
Indien wieder als Kunde gewinnen?
Vadim Badeha, CEO von UAC, sagte im Rahmen des Erstflugs der Su-57D: „Ich bin zuversichtlich, dass die Zweisitzer-Version signifikant zum Export-Erfolg beitragen wird.“ Das ist eine interessante Aussage, da es bisher nur einen einzigen Kunden für die reguläre Su-57 gibt: Algerien. Nach aktuellem Stand wurden bisher zumindest 2 Stück geliefert. Wie viele Maschinen Algerien bestellt hat und eventuell eine Option auf die Su-57D hat, ist nicht bekannt.
Möglicherweise spielt Badeha mit seiner Aussage auch darauf an, dass das FGFA-Programm wieder aufgenommen werden könnte. Unter diesem Namen sollte die Su-57, schon während ihrer Entwicklung, für Indien angepasst werden. Der größte geplante Unterschied: FGFA sollte ein Zweisitzer werden.
Sukhoi rechnete damals mit einem Bedarf von mindestens 1.000 dieser Stealth-Fighter: 200 für Russland, 200 für Indien und 600 für weitere Exporte. Wegen zahlreicher Verspätungen bei dem Projekt, die in Verbindung mit den Verzögerungen bei der Entwicklung und Produktion der regulären Su-57 standen, stieg Indien 2019 aus FGFA aus.
Geschichte der Su-57
Ihren Ursprung hat die Su-57 schon in den 1980er-Jahren, als die Entwicklung der MiG 1.44 angeregt wurde. Im Jahr 2000 flog ein Prototyp des Stealth-Fighters, das Programm wurde aber eingestellt.
Ende 2000 wurde ein neues Programm für einen Stealth-Fighter gestartet, das schließlich in der Su-57 endete. Eigentlich hätten zwischen 2016 und 2020 52 Stück Su-57 geliefert werden sollen. Die russische Luftwaffe reduzierte diese Bestellung auf 12 Stück. 2019 hieß es dann, dass bis zum Jahr 2028 insgesamt 76 Stück Su-57 angeschafft werden.
Wie viele Su-57 Russland aktuell besitzt und wie viele einsatzfähig sind, ist nicht bekannt. Schätzungen zufolge wurden über 40 gebaut, wovon 10 Prototypen sind. Der Stückpreis einer Su-57 für die russische Luftwaffe liegt angeblich bei 35 Millionen bis 50 Millionen US-Dollar. Damit wäre die Su-57 deutlich günstiger als eine F-35A, die der amerikanischen Air Force gut 82,5 Millionen US-Dollar pro Stück kostet.
Weniger stealthy als die Amerikaner
Die Su-57 ist Russlands erster und einziger Stealth-Kampfjet, der in Dienst gestellt wurde. Durch die spezielle Form soll der Radarquerschnitt klein gehalten werden. Interne Waffenschächte helfen ebenfalls dabei, den Radarquerschnitt zu reduzieren.
Die Glaskuppel des Cockpits hat eine Beschichtung aus Metalloxiden, die die Radarrückstrahlung um 30 Prozent reduziert. Das alles soll dazu beitragen, dass der Radarquerschnitt etwa 30-mal kleiner als der einer Su-27 ist. Laut Sukhoi beträgt der Radarquerschnitt der Su-57 0,1 bis 1 m². Das ist deutlich größer als der der amerikanischen Stealth-Fighter F-22 (ca. 0,001 m²) und F-35 (ca. 0,05 m²).
Bewaffnung
Die maximale Waffenlast der Su-57 soll zwischen 7.500 und 10.000 kg liegen. Genaue Daten sind aus Gründen der Geheimhaltung nicht bekannt. In den Waffenschächten können Luft-Luft-Raketen, Luft-Boden-Raketen, Antischiffsraketen und Lenkbomben untergebracht werden. Russland arbeitet an einer Hyperschallrakete auf Basis der 47M2 Kinzhal, die klein genug für die Waffenschächte ist.
An der Außenseite gibt es 6 Hardpoints für Zusatztanks oder weitere Waffen, was aber den Radarquerschnitt erhöht. Bewaffnet ist die Su-57 zudem mit einer 30-mm-Bordkanone mit 150 Schuss.
Die Su-57 erreicht eine Maximalgeschwindigkeit von 2.600 km/h. Die Dienstgipfelhöhe ist mit 20.000 Meter angegeben. Bei Unterschallflug beträgt die Reichweite bis zu 3.500 km, der Einsatzradius wird mit 1.250 km angegeben.
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