10 Jahre FiT - Frauen in Handwerk und Technik

© Moritz Nachtschatt

Digital Life
10/15/2016

Talent hat kein Geschlecht

Mit dem FiT-Programm unterstützt das AMS seit zehn Jahren Frauen technische Berufe auszuüben. Dabei gibt es noch viel zu tun, wie beim Zehn-Jahres-Jubiläum festgestellt wurde.

"Der Arbeitsmarkt in Österreich ist stark segregiert. Deutlich weniger Frauen als Männer entscheiden sich für handwerkliche und technische Berufe." So beginnt ein AMS-Handbuch des FiT-Programms. FiT steht für "Frauen in Handwerk und Technik" und hat sich seit mittlerweile zehn Jahren auf die Fahnen geschrieben, diese geschlechterspezifische Segregation zu durchbrechen.

"Noch 2012 befand sich unter den Top 10 der gewählten Lehrberufe von jungen Frauen kein einziger technischer Lehrberuf. Mittlerweile liegt Metalltechnikerin auf der Liste der beliebtesten Lehrberufe auf Platz acht", freut sich AMS-Vorstand Herbert Buchinger in seiner Eröffnungsrede anlässlich des Zehn-Jahres-Jubiläums des FiT-Programms. Allerdings gebe es noch genügend Handlungsbedarf für die nächsten zehn Jahre.

Massives Ungleichgewicht

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen bestätigt dies mehr als deutlich: An den höheren technisch gewerblichen Schulen beträgt der Anteil der Schülerinnen nur 27,2 Prozent. An den kaufmännisch höheren Schulen hingegen liegt der Anteil weiblicher Schüler bei fast 60 Prozent. An den Universitäten klafft der Frauenanteil bei den Studienrichtungen noch stärker auseinander: Bei geistes- und kulturwissenschaftlichen Studien an öffentlichen Universitäten betrug im Wintersemester 2014/15 der Frauenanteil etwas mehr als 70 Prozent, bei technischen Studien hingegen lediglich 24 Prozent.

"Der Anteil weiblicher Absolventen bei Computerwissenschaften liegt lediglich bei 16 Prozent, der Anteil der Wissenschafterinnen im Ingenieurswesen und Technik bei 22 Prozent", stellt futurezone-Chefredakteurin Claudia Zettel in ihrer Keynote fest. Daher sei es notwendig, möglichst früh mit der Durchbrechung der Geschlechterstereotype zu beginnen, sagt Christiane Spiel vom Psychologieinstitut der Uni Wien: "Die Sozialisation beginnt schon im Kindergarten und in der Schule. Und genau dort beginnen sich auch die Geschlechterzuschreibungen zu manifestieren." Dies kann Johannes Hack vom Autohaus Porsche Wien Nord nur bestätigen: "Bei der Zuteilung der berufspraktischen Tage in Schulen werden uns oft gar keine Mädchen zugeteilt. Das muss einfach anders angegangen werden."

Unternehmen fördern

Es liege aber nicht nur am Bildungsweg sondern auch an den sozialen Beziehungen, wie AMS-Vorstand Buchinger meint: "Eine Frau wird es in einem stark männerdominierten Arbeitsumfeld oft nicht einfach haben. Man kann sich vorstellen, dass es für eine Schweißerin in einem Schweißerbetrieb wahrscheinlich oft nicht leicht ist." Auch AMS-Vorstand Johannes Kopf will die Unternehmen mehr in die Pflicht nehmen: "Da muss ein Umdenken her. Unternehmer müssen sich überlegen, wie sie eine attraktive Arbeitsumgebung für Frauen schaffen können." Ähnlich sieht dies auch Manuela Vollmann von ABZ Austria, einer Non-Profit-Organisation, die sich für die Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt und in der Wirtschaft einsetzt: "Es ist ganz dumm von Unternehmen auf das Potenzial von Frauen und Mädchen zu verzichten. Denn Talent hat kein Geschlecht."

Gerade bei den Tech-Konzernen aus dem Silicon Valley, die sich immer rühmen, Vorbilder in Sachen Gleichberechtigung zu sein, schaut es mit Geschlechterneutralität recht düster aus, so Claudia Zettel: "Lediglich zehn Prozent der Manager im Silicon Valley sind weiblich. Der generelle Anteil von Frauen in der Tech-Branche liegt bei nur 25 Prozent." Außerdem seien von den 6517 Firmen, die zwischen 2011 und 2013 im Silicon Valley Risikokapital erhalten haben, nur 2,7 Prozent unter weiblicher Führung gewesen.